Zum Hauptinhalt springen

Bombenhagel über den Villen der Hamas-Militärchefs

Israel beschiesst neuerdings die Häuser der Hamas-Politiker. Doch diese sind schon seit Tagen abgetaucht. Die Leidtragenden sind die Zivilisten.

Die Hamas-Militärchefs, gegen die sich die jüngsten Angriffe richten, werden in unterirdischen Kommandobunkern vermutet: Rauch steigt nach einem Angriff von Gaza auf. (15. Juli 2014)
Die Hamas-Militärchefs, gegen die sich die jüngsten Angriffe richten, werden in unterirdischen Kommandobunkern vermutet: Rauch steigt nach einem Angriff von Gaza auf. (15. Juli 2014)
Mohammed Saber, Keystone

«Ich habe keine Angst vorm Sterben», sagt der 45-jährige Palästinenser Raschid al-Haddad in seinem Krankenbett im Schifa-Krankenhaus von Gaza. «Aber mein ganzes Sinnen dreht sich darum, wie ich meine Kinder vor diesen unberechenbaren Luftschlägen schützen kann», fügt er hinzu. «Denn in Gaza bist du derzeit nirgends sicher.»

Al-Haddad wurde schwer verletzt, als er in der Nacht zum Sonntag aus der Moschee im Stadtteil Al-Tuffa kam und im unmittelbar benachbarten Privathaus des Polizeipräsidenten Taisir al-Batsch eine israelische Bombe einschlug.

17 Menschen, zumeist Angehörige von Al-Batsch, wurden dabei getötet, unter ihnen drei Frauen und fünf Kinder. Der höchste Polizist von Gaza überlebte schwer verletzt. Zunächst war von 18 Toten die Rede.

Hamas-Militärchefs längst im Untergrund

Die Militärchefs der Hamas, die Israel wohl am liebsten ins Visier nehmen würde, sind spätestens bei Ausbruch der jüngsten Konfliktrunde vor acht Tagen in den Untergrund abgetaucht. Sie werden in Kommandobunkern vermutet, die tief unter der Erde liegen. Für Israel scheinen sie derzeit nicht greifbar.

Nach dem Scheitern einer von Israel verkündeten, einseitigen Feuerpause begann die Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch, die Privathäuser von zivilen Hamas-Politikern zu bombardieren. Getroffen wurden die Häuser des Hamas-Funktionärs und Scharfmachers Mahmud Sahar, des Gaza-Innenministers Fathi Hammad, der Abgeordneten Dschamila al-Schanti und des Politik-Beraters Bassem Naim, der für den Hamas-Führer Ismail Hanija arbeitet.

Die betroffenen Politiker waren zum Zeitpunkt der Angriffe nicht zu Hause. Auch ihre Angehörigen sollen sich nicht in den Objekten aufgehalten haben. Es war nicht klar, ob sie zuvor gewarnt worden waren, um ein Blutbad wie im Falle des Polizeikommandanten Al-Batsch zu vermeiden.

Kein Draht zu Kairo

Nach acht Tagen des Konflikts scheint die Hamas noch zu keinem Waffenstillstand bereit. Die kurzzeitige Feuerpause am Dienstag beruhte auf einem ägyptischen Vorschlag, der die Ziele der Islamisten - darunter eine dauerhafte Öffnung des Grenzübergangs Rafah zwischen Gaza und Ägypten - nicht berücksichtigte.

Die Hamas habe noch viel Zeit, schreibt der israelische Kommentator Avi Issacharoff im Online-Journal «timesofisrael». «Sie glaubt, dass sich die internationale Öffentlichkeit gegen Israel wenden wird, wenn immer mehr zivile Tote aus Gaza gemeldet werden.» Auch baue sie darauf, dass die israelische Öffentlichkeit mürbe werde, wenn der Raketenalarm nicht aufhört und bei einer eventuellen Bodenoffensive israelische Soldaten sterben.

Israels Führung hofft vielleicht darauf, dass die Zerstörung des Immobilien-Eigentums die Hamas-Führung zermürbt. Diese konterte zunächst mit den üblichen grossspurigen Phrasen. Die Angriffe zeigten «den Zustand der Verwirrung der israelischen Regierung und des Militärs, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, den palästinensischen bewaffneten Widerstand zu brechen», hiess es in der Hamas-Mitteilung.

Strand-Villen für reiche Islamisten

Tatsächlich dürften die Politiker die materiellen Verluste eher mit einem Achselzucken wegstecken. Zumeist sind es Leute, die bei der Verwaltung einer von niemandem anerkannten, rundum blockierten Enklave mit vielen Dollar-Milliarden hantieren.

Aus diesen undurchsichtigen Fonds und Budgets werden auch die Kriegsanstrengungen der Hamas finanziert. Niemand kann da so genau prüfen, was sich die Entscheidungsträger an Prozenten und Provisionen in die eigene Tasche stecken.

Die israelische Webseite «ynet» schrieb neulich zusammen, welche Hamas-Führer, die meist aus bescheidenen Verhältnissen stammen, sich welche Strand-Villen zugelegt haben sollen. Führungspolitiker Hanija soll mehrere Häuser in guter Lage dezent unter den Namen seiner Kinder erworben haben. Exil-Führer Chaled Maschaal gebietet von seinem Sitz im Golfemirat Katar angeblich über Firmen, Immobilien und Investment-Anlagen im Wert von 2,6 Milliarden Dollar.

Der von den Hamas-Führern angehäufte Reichtum stehe in augenfälligem Kontrast zur Armut der Bevölkerung von Gaza, meinte «Ynet». 38 Prozent der Menschen in dem abgeriegelten Küstenstreifen mit geschätzten 1,7 Millionen Einwohnern leben unter der Armutsgrenze, 40 Prozent der Arbeitsfähigen sind ohne Job.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch