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Briten stoppten Hilfsgüter-Abwurf aus Angst, Flüchtlinge zu verletzen

Flüchtlinge im Sinjar-Gebirge rannten am Sonntag auf ein Hilfsgüter-Flugzeug der RAF zu, worauf dieses wieder abdrehte. Jetzt schickt London Tornado-Jets.

Die Regierung könnte nun bald den Marschbefehl erteilen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane (Ain al-Arab). (2. Oktober 2014)
Die Regierung könnte nun bald den Marschbefehl erteilen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane (Ain al-Arab). (2. Oktober 2014)
Bulent Kilic, AFP
Könnten bald selber ins Geschehen eingreifen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane. (30. September 2014)
Könnten bald selber ins Geschehen eingreifen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane. (30. September 2014)
Burhan Ozbilici, Keystone
Führt IS an: Abu Bakr al-Baghdadi.
Führt IS an: Abu Bakr al-Baghdadi.
Reuters
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Grossbritannien entsendet Tornado-Jets zur Unterstützung der Hilfsgüter-Abwürfe im Irak. Die Jets sollen Erkundungsflüge ausführen, um geeignete Abwurfstellen zu finden. Damit zieht die britische Luftwaffe Konsequenzen aus einem misslungenen Einsatz am Sonntag, wie die britische Tageszeitung «The Guardian» berichtet.

Am Sonntag versuchte die Besatzung einer Transportmaschine des Typs C-130 Hercules erfolglos, Hilfsgüter über dem Sinjar-Gebirge abzuwerfen. Wie der britische «Telegraph» berichtet, rannten Flüchtlinge auf das nahende Flugzeug zu, worauf die Besatzung fürchtete, die Hilfsgüter würden beim Abwurf an Fallschirmen die Leute am Boden treffen und verletzen. Trotz mehreren Anflügen sei es nicht gelungen, eine freie Abwurfstelle zu finden.

Weitere Luftangriffe

Die USA flogen weitere Luftangriffe gegen die Miliz Islamischer Staat (IS) im Nordirak. Nach offiziellen Angaben der Streitkräfte vom Montag griffen Kampfjets vier IS-Kontrollposten sowie Fahrzeuge der Extremisten nahe des Sinjar-Gebirges an, wo Zehntausende Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben.

Die US-Militärs sprachen von erfolgreichen Operationen. Unter den getroffenen Fahrzeugen seien auch Schützenpanzer, hiess es. Alle US-Jets seien sicher zurückgekehrt.

Fünfter Abwurf von Lebensmitteln

Zum fünften Mal versorgte das US-Militär die Flüchtlinge im Sinjar-Gebirge mit Lebensmittel und Wasser, wie das US-Zentralkommando in Tampa in der Nacht zum Dienstag mitteilte.

Nach mehrtägigen US-Luftschlägen zog das Verteidigungsministerium in Washington eine eher ernüchternde Bilanz: Die IS-Milizen seien noch nicht gestoppt, wohl nicht einmal ernsthaft geschwächt. Die Luftangriffe der USA haben nach Einschätzung des Pentagons den Vormarsch der islamistischen Milizen gebremst, aber bislang nicht aufhalten können.

US-Präsident Barack Obama äusserte sich zufrieden über den Einsatz der US-Luftwaffe im Nordirak. Die Luftschläge gegen IS-Kämpfer seien erfolgreich ausgeführt worden, sagte Obama am Montag in seinem Ferienort Martha's Vineyard. Auch die militärische Beratung der Iraker und Kurden sei intensiviert worden.

Waffenlieferungen an die Kurden seien bereits vergangene Woche begonnen worden, sagte die Sprecherin im US-Aussenministerium, Marie Harf, dem US-Sender CNN. Die USA schicken zudem Katastrophenhelfer, um Zehntausende Flüchtlinge mit Wasser, Lebensmitteln und Unterkünften zu versorgen.

Unterstützung für al-Abadi

Im Machtkampf im Irak stellte sich Obama klar hinter den designierten Ministerpräsidenten Haidar al-Abadi. Dessen Nominierung sei «ein hoffnungsvoller Schritt», sagte Obama. Amtsinhaber Nuri al-Maliki, der sich weigert, sein Amt abzugeben, erwähnte er dagegen mit keinem Wort. Er forderte alle politischen Fraktionen auf, die anstehenden Fragen friedlich zu lösen.

Westliche Staaten, darunter die USA, fordern einen Amtsverzicht Malikis, der für die Spaltung des Iraks und damit für die Erfolge der IS-Milizen mitverantwortlich gemacht wird.

Jetzt komme es darauf an, rasch eine geeinte Regierung zu bilden, die alle Volksgruppen berücksichtige, sagte Obama. Erneut betonte er, dass es im Irak keine militärische Lösung gebe.

Staatschef Fuad Masum hatte am Montag den schiitischen Politiker al-Abadi gegen den Willen al-Malikis mit der Regierungsbildung beauftragt. Al-Maliki und al-Abadi gehören derselben Partei an. Al-Maliki möchte selbst für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt werden.

Neutraler Nachbar Iran

Iraks Nachbar Iran bleibt in dem internen Machtkampf neutral. «Für den Iran ist es lediglich wichtig, dass der neue Mann von der Mehrheit des irakischen Parlaments unterstützt wird», sagte Präsident Hassan Rohani am Montag nach Angaben des Webportals des Präsidialamts.

Die Lage im Irak sei beunruhigend, daher müsse das Land schnellstens eine rechtmässige Regierung bilden, sagte Rohani. Die Bekämpfung der IS-Miliz habe Priorität und müsse von allen Ländern der Region unterstützt werden.

Rund 40'000 Iraker der Minderheit der Jesiden sind nach ihrer Flucht vor der Terrormiliz in das Sinjar-Gebirge wieder in Sicherheit, wie der Zentralrat der Jesiden in Deutschland mitteilte. Allerdings warteten in der Gebirgsregion westlich der Stadt Mossul noch etwa weitere 40'000 Angehörige der religiösen Minderheit auf Hilfe.

IS-Unterstützer am New Yorker Flughafen festgenommen

Wegen Unterstützung der Terrorgruppe Islamischer Staat wurde am New Yorker Kennedy-Flughafen ein Amerikaner festgenommen. Der Mann sei bereits am 2. August vom FBI gefasst worden, meldeten die «New York Daily News» am Montag. Er sei gerade nach acht Monaten aus dem Libanon zurückgekommen.

Der 44-Jährige sei vorbestraft und wegen verschiedener Waffendelikte aufgefallen. Er soll unter dem Pseudonym Abu Omar al-Amreeki die islamistische Terrorgruppe per Twitter aus dem Libanon unterstützt und Straftaten vorbereitet haben.

«Es ist möglich, dass er Waffen für die Organisation geschmuggelt hat», zitiert die Zeitung eine Staatsanwältin. Zudem soll er sich auf den «Heiligen Krieg» in Syrien vorbereitet haben. Er selbst habe sich als islamischen Rebellenkrieger bezeichnet.

SDA/mw

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