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Bürgerkrieg im Jemen – Erschiessungen in Syrien

Die Lage in Syrien und im Jemen eskaliert täglich neu: Aus Sanaa wurden heftige Gefechte gemeldet. Ein Exodus der Diplomaten hat eingesetzt. In Syrien liess das Regime heute wieder auf Demonstranten schiessen.

In heftige Kämpfe verwickelt: Soldaten des jemenitischen Regimes in der Hauptstadt Sanaa. (11. Juni 2011)
In heftige Kämpfe verwickelt: Soldaten des jemenitischen Regimes in der Hauptstadt Sanaa. (11. Juni 2011)
Keystone
Angespannte Lage: Regierungskritische Demonstranten blockieren in der Hauptstadt Sanaa ganze Quartiere. (4. Juni)
Angespannte Lage: Regierungskritische Demonstranten blockieren in der Hauptstadt Sanaa ganze Quartiere. (4. Juni)
Keystone
Tausende Jemeniten sind zurzeit auf der Strasse und fordern bessere Bedingungen in ihrem Land: Proteste am 27. Januar 2011.
Tausende Jemeniten sind zurzeit auf der Strasse und fordern bessere Bedingungen in ihrem Land: Proteste am 27. Januar 2011.
AFP
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Die arabische Revolution fordert weiterhin einen hohen Blutzoll. Heftige Gefechte zwischen Regierungsstreitkräften und Stammesmilizen haben heute in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Angaben eines Arztes mindestens 41 Menschen das Leben gekostet. Die Kämpfe hielten bis zum frühen Morgen an. Auf beiden Seiten habe es Opfer gegeben, hiess es.

Augenzeugen berichteten zudem, Einheiten der Präsidentengarde hätten das Hauptquartier einer Brigade mit Artillerie beschossen, die für den Schutz von Regierungsgebäuden zuständig sei. Nach Angaben von Offizieren, die sich bereits der Opposition anschlossen, verdächtigte die Regierung den Brigadekommandeur sich den Rebellen anschliessen zu wollen, die Präsident Ali Abdullah Saleh stürzen wollen.

Die Kämpfe fanden im Stadtteil Hassaba statt. Soldaten der Präsidentengarde versuchten vergeblich, den Stadtteil unter ihre Kontrolle zu bringen. Bereits gestern wurde die Strom- und Wasserversorgung des Stadtteils gekappt. In dem Teil der Stadt steht der Familiensitz des oppositionellen Stammesführers Scheich Sadek al-Ahmar.

Diplomaten verlassen das Land

Heute wurde die kuwaitische Botschaft in Sanaa geschlossen. Auch die italienischen Diplomaten haben inzwischen wegen der unberechenbaren Lage die Hauptstadt verlassen.

Die deutsche Botschaft in Sanaa ist derzeit noch mit einer Kernmannschaft besetzt. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte: «Es gibt derzeit keine konkreten Pläne, die Botschaft zu schliessen, aber wir beobachten die Lage sehr aufmerksam.»

Die Schweiz ist in der jemenitischen Hauptstadt mit einem Honorarkonsulat vertreten. Dieses blieb heute weiter besetzt, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage sagte.

20 Tote in Rastan

Bei Zusammenstössen in der mittelsyrischen Stadt Rastan sind nach Angaben von Aktivisten 20 Menschen getötet worden. Die Leichen seien am Mittwoch in ein Krankenhaus in der Stadt Homs gebracht worden, sagten die Gewährsleute.

Die Menschen seien am Dienstagabend in Rastan erschossen worden, wo syrische Soldaten seit mehreren Tagen gegen Gegner des syrischen Präsidenten Baschar Assad vorgehen. Seit Samstag sind damit 36 Tote bei Zusammenstössen in Rastan und den umliegenden Orten Talbisseh und Teir Maaleh gemeldet worden. Die Aktivisten wollten aus Furcht vor Repressalien ihre Namen nicht genannt wissen.

Seit Beginn der Protestbewegung gegen Assad vor zehn Wochen sind nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bei dem gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte mehr als 1000 Menschen in Syrien getötet worden.

Treffen beginnt mit Schweigeminute

Im türkischen Antalya hat ein dreitägiges Treffen syrischer Oppositioneller zur Unterstützung der Protestbewegung in ihrem Land begonnen. Mehr als 300 Regierungsgegner, die meisten von ihnen Exil-Oppositionelle, fanden sich in einem Hotel in dem Badeort ein.

Bis Freitag wollen die Oppositionellen nach Angaben der Organisatoren einen Fahrplan zur friedlichen und demokratischen Machtübergabe in Syrien erstellen. Die Opposition fordert den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad und eine Strafverfolgung des Präsidenten durch die syrische Justiz.

Assads Generalamnestie

Assad hatte gestern eine Generalamnestie für alle politischen Gefangenen erlassen. Die Freilassung politischer Gefangener ist zwar eine zentrale Forderung der Protestbewegung, die Opposition kritisierte die Amnestie aber als unzureichend und verspätet.

«Das ist ein Trick, denn diese Amnestie steht im krassen Widerspruch zu dem, was auf den Strassen unseres Landes passiert», sagte der ehemalige politische Häftling und Ex-Parlamentarier Mamun al-Homsi dem Nachrichtensender Al-Jazeera.

Über tausend Tote

In Syrien gehen seit Mitte März regelmässig tausende Menschen gegen die autoritär herrschende Staatsführung auf die Strassen. Die Sicherheitskräfte gehen trotz internationaler Kritik und trotz der Aufhebung des Ausnahmezustands weiter brutal gegen die Demonstranten vor. Nach Angaben der Opposition wurden seit Mitte März mehr als tausend Menschen durch syrische Sicherheitskräfte getötet.

Auch in den vergangenen Tagen wurden bei Zusammenstössen in der mittelsyrischen Stadt Rastan und den umliegenden Orten Talbisseh und Teir Maaleh nach Angaben von Aktivisten wieder mehr als 30 Menschen erschossen. Allein am Mittwoch sind demnach 20 Leichen in ein Spital in der Stadt Homs gebracht worden.

Toter Junge sorgt für Entsetzen

Für besonderes Aufsehen sorgten Berichte über die mutmassliche Folterung eines 13-Jährigen. Ein über Youtube verbreitetes Video zeigte die Leiche des Jungen, die Schusswunden und Knochenbrüche aufwies. Die Regierungsgegner beschuldigten die Sicherheitskräfte, den Jungen getötet zu haben. Innenminister Mohammed Schaar ordnete eine Untersuchung an.

Der Junge ist mittlerweile zum Symbol des Volksaufstandes in Syrien geworden wie der Markthändler Mohamed Buasisi in Tunesien. Dessen Selbstverbrennung war zum Fanal für die Erhebung in dem nordafrikanischen Land Anfang des Jahres geworden.

Unicef zeigte sich «äusserst besorgt» über die Berichte «extremer Gewalt» gegen Kinder. Seit Mitte März häuften sich Berichte über verletzte, eingesperrte, vertriebene und getötete Kinder, teilte das UNO-Kinderhilfswerk in einer Mitteilung vom Mittwoch mit. Die Organisation rief Syriens Regierung auf, diese Berichte «gründlich zu untersuchen».

USA üben scharfe Kritik

In ungewöhnlich scharfer Form kritisierte auch US- Aussenministerin Hillary Clinton die Führung in Damaskus. Nach den Berichten über die mutmassliche Folter des Jungen erklärte Clinton, der syrischen Regierung sei der Wille, den reformwilligen Demonstranten zuzuhören, völlig abhandengekommen.

«Ich kann nur hoffen, dass dieses Kind nicht vergeblich gestorben ist und dass die Regierung die Brutalität stoppt und den Übergang zu einer echten Demokratie einleitet», ergänzte die US-Politikerin.

dapd/rub

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