Das Ende des Schlangentänzers

Ali Abdullah Saleh, der frühere Präsident des Jemen, stirbt im Machtkampf um sein Land. Damit dürfte der Aufstand gegen die Herrschaft der Huthi in Sanaa gescheitert sein.

Ali Abdullah Saleh bei einem Besuch 2006 in Paris. Foto: Patrick Kovarik (AFP)

Ali Abdullah Saleh bei einem Besuch 2006 in Paris. Foto: Patrick Kovarik (AFP)

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Ali Abdullah Saleh hat sein früheres Amt als Präsident des Jemen einmal mit dem Tanz auf Schlangenköpfen verglichen. 33 Jahre an der Spitze hat er die Balance dabei nicht verloren – bis zu seinem Sturz 2011. Am Samstag noch sah es danach aus, als könne der weiterhin mächtige Strippenzieher trotz seiner 75 Jahre ein politisches Comeback feiern: Er kündigte seine Zweckallianz mit der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf und diente sich Saudiarabien als Gesprächspartner an.

Doch diesmal hat den Schlangentänzer die Fortune verlassen: Der Huthi-Sender al-Masirah meldete am Montag unter Berufung auf das ebenfalls von den Huthis kontrollierte Innenministerium, Saleh sei bei Gefechten südlich von Sanaa getötet worden. Nach Informationen dieser Zeitung hat ein enger Verwandter Salehs Tod bestätigt. Quellen aus Salehs Partei hatten zuvor entsprechende Berichte zunächst noch zurückgewiesen.

Erinnerungen an Ghadhafi

Im Internet kursierte ein Video, das eine Leiche mit einer schweren Kopfverletzung zeigt, die Saleh sehr ähnlich sieht. Sie liegt, in einen dunklen Anzug gekleidet und in eine Decke gebettet, auf der Pritsche eines Pick-up-Trucks, Huthi-Kämpfer rufen: «Deine Rache, Sayyidi Hussein!» Gemeint ist der Gründer ihrer Bewegung, Hussein al-Huthi, der während des ersten Huthi-Aufstands 2004 in der nördlichen Provinz Sada getötet wurde – auf Befehl Salehs.

Die Bilder des toten Saleh erinnern auf frappierende Weise an das Ende des libyschen Diktators Muammar al-Gha­dhafi, der 2011 von Rebellenmilizen aus dem Betonrohr eines Kanals gezerrt, misshandelt und getötet wurde. Über die Umstände von Salehs Tod gab es zunächst keine gesicherten Informationen. Laut den Huthis wurde er bei einem Angriff auf seinen Autokonvoi getötet; er sei auf dem Weg nach Saudiarabien gewesen. Sie hätten seine gepanzerte Limousine mit einer Panzerfaust gestoppt und ihn im anschliessenden Gefecht getötet.

Bewohner Sanaas berichteten, dass mit der Nachricht von Salehs Tod am frühen Nachmittag alle Gefechte in der Hauptstadt vorerst ein Ende gefunden hätten. Einheiten der Republikanischen Garde und der Armee, die loyal zu Saleh standen, hatten sich seit Mittwoch zunehmend schwere Auseinandersetzungen mit den Huthis geliefert und bis Samstag etwa die Hälfte der Stadt eingenommen. Am Sonntag meldeten dann die Huthis, sie hätten Positionen zurückerobert. In den Strassen fuhren Panzer auf. Die Kämpfe waren so intensiv, dass sich die Menschen in vielen Vierteln nicht mehr vor die Tür trauten.

Das Ende der Kämpfe wurde in Sanaa als Bestätigung für Meldungen gewertet, dass neben Saleh auch eine Reihe wichtiger Führungsmitglieder seiner Partei getötet oder von den Huthis verhaftet wurden. Der Allgemeine Volkskongress bestätigte den Tod eines stellvertretenden Generalsekretärs. Die Partei, lange die dominierende politische Kraft im Jemen, steht offenbar vor einem Machtvakuum. Damit dürfte der Aufstand gegen die Herrschaft der Huthis in Sanaa gescheitert sein, bevor er andere Teile des Nordjemen erfasste, von dem die Huthis die Hälfte kontrollieren.

Unklar war zunächst das Schicksal von Salehs Sohn Ahmed, den sein Vater als Statthalter aufgebaut hatte. Die Vereinigten Arabischen Emirate, in denen er nach seiner Absetzung als Botschafter weiterlebte, hatten angeblich mit ihm über eine Rückkehr des Vaters an die Macht verhandelt und versucht, Saudi­arabien davon zu überzeugen, vom international anerkannten Amtsinhaber Abd Rabbuh Mansur al-Hadi abzurücken.

Erstellt: 04.12.2017, 20:58 Uhr

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