Das Geschäft mit den Tieren

Der Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen wird scheitern, wenn die lokale Bevölkerung daraus keinen Nutzen zieht und stattdessen am illegalen Handel verdient.

Touristen bringen nicht genug Geld, um Wildreservate wie hier in Kenia zu finanzieren. Foto: Getty Images

Touristen bringen nicht genug Geld, um Wildreservate wie hier in Kenia zu finanzieren. Foto: Getty Images

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Die Internationale der Naturschützer kann sich auf die Schultern klopfen: Auf den ersten Blick haben die Freunde bedrohter Arten bei der gestern in Johannesburg zu Ende gegangenen Welt-Artenschutzkonferenz grossartige Triumphe errungen. Vor allem ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass Berberaffen, Schuppentiere und Papageien, aber auch Drescherhaie und Teufelsrochen endlich aufatmen können, nachdem 3500 Staatsbeamte aus 83 Ländern ihrem deutlich verbesserten Schutz zugestimmt haben.

Die Liste der mit einem Handelsbann oder zumindest -einschränkungen belegten Tier- und Pflanzenarten füllt mit mehr als 35'000 Einträgen inzwischen ganze Bücher: Eigentlich sollte jetzt kein Grashalm und kein Frosch mehr verloren gehen können.

Zugegeben, es gab auch kleine Schönheitsfehler. Vor allem auf Betreiben der südafrikanischen Gastgeber wurde der Optimalschutz nicht auf die im südlichen Afrika lebenden Elefanten ausgedehnt, was am weltweiten Verbot des Elfenbeinhandels allerdings nichts ändert.

Wenn Ranger in Nationalparks die Spur von Wilddieben aufnehmen wollen, müssen sie dem alten Grundsatz «Follow the money» gehorchen.

Dafür dürfen jedoch Knochen, Klauen und Zähne von in Gefangenschaft aufgewachsenen Löwen weiter gehandelt werden. Da hat sich die Lobby der südafrikanischen Löwenfarmer durchgesetzt, die ihre Grosskatzen von ausländischen Jägern schiessen lassen und deren Bestandteile anschliessend nach Asien verkaufen.

In Wahrheit gilt das amerikanische Bonmot «It’s the economy, stupid» längst auch in Afrikas Wildnis. Wenn Ranger in Nationalparks die Spur von Wilddieben aufnehmen wollen, müssen sie dem alten Grundsatz «Follow the money» gehorchen: Die Wilderei ist keine Naturkatastrophe, sondern ein Megageschäft. Genau wie Naturschutz längst kein ehrenamtlicher Sonntagsjob für gute Menschen mehr ist: Er wird von hoch qualifizierten Managern und ganzen Armeen von Wildhütern geführt, die bezahlt und ausgerüstet werden müssen.

Das ist weder für die Internationale der Naturschützer ein Problem, die sich durch Spenden finanziert, noch für die Regierungen der Industriestaaten, in denen ohnehin kaum ein wildes Tier mehr lebt. Beide erwarten jedoch, dass die Staaten jenseits des Äquators das noch übrig gebliebene Welterbe hegen: Schliesslich wollen Touristen aus Zürich, Berlin und London auch noch in zwanzig Jahren archaisch anmutende Rhinozerosse, majestätische Rüsseltiere und tobende Paviane sehen.

In Massen produzierte Löwen

Allerdings bringen die bleichen Besucher nicht genug Geld, um die Naturreservate auch wirtschaftlich lohnenswert zu machen: Kaum ein afrikanischer Nationalpark kann sich selbst finanzieren. Deshalb sind einige Regierungen dazu übergegangen, nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu fahnden, wozu die Grosswildjagd, Tierauktionen, Privatparks und auch der Handel mit den Knochen zahmer Löwen gehören.

Man kann über diese Entwicklung zu Recht entsetzt sein, weil damit tatsächlich auch erhebliche Risiken verbunden sind. Fachleute befürchten bereits, dass der Löwe zu einem in Massen produzierten Bedarfsartikel wie das Suppenhühnchen werden könnte. Will man das vermeiden, wird man in Zukunft jedoch nicht nur über Schutzmassnahmen, sondern über internationale Finanzierungsmodelle reden müssen: Denn angesichts des afrikanischen Aufschwungs, des Bevölkerungswachstums und der Klimaerwärmung fällt es hiesigen Regierungen immer schwerer, ihren Leuten zu erklären, dass weite Flächen ihres Landes für Tiere reserviert bleiben müssen, von denen sie selbst nichts haben.

Wenn Naturschützer und die Regierungen der Industrienationen diese Faktoren nicht in ihr Kalkül mit einbeziehen, werden sämtliche, jetzt als Triumphe gefeierten Schutzmassnahmen scheitern.

Erstellt: 05.10.2016, 18:16 Uhr

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