«Der IS ist nicht aktiv in Mali»

Wer steckt hinter der Terror-Attacke in Bamako? Afrika-Korrespondent Johannes Dieterich hat eine Vermutung.

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Bewaffnete Islamisten haben heute Morgen das Radisson-Hotel in Bamako angegriffen. In ihrer Gewalt befanden sich bis zu 140 Gäste und 30 Angestellte. Welche jihadistische Gruppe könnte hinter dem Angriff stecken?
Infrage kommen die al-Qaida im Maghreb (Aqmi) oder eine Splittergruppe davon. Sehr unwahrscheinlich ist, dass die Angreifer dem Islamischen Staat (IS) angehören. Der IS ist nicht aktiv in Mali. Die Al-Qaida-Ableger verüben immer wieder Anschläge.

Was ist die Botschaft dieses Terrorakts?
Dieser Angriff richtet sich gegen den Westen und insbesondere gegen Frankreich. Im Hotel Radisson logieren mehrheitlich Leute aus dem Westen, hauptsächlich Franzosen. Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist verhasst in Mali und in der Sahelregion. Anfang 2013 starteten die Franzosen eine Offensive gegen radikale Islamisten und Rebellen im Norden des Landes und vertrieben diese aus den Städten Timbuktu und Gao. Nach einem Militärputsch vor drei Jahren hatten zunächst Tuareg-Rebellen und später Islamisten Malis Norden unter Kontrolle gebracht.

Wie ist die allgemeine Lage in Mali?
Seit der Intervention der Franzosen vor zweieinhalb Jahren ist die Anti-Terror-Operation «Barkhane» in Gang. In Mali sind etwa tausend französische Soldaten stationiert. Das Land hat wieder eine international anerkannte Regierung. Insgesamt hat sich die Situation seit 2013 beruhigt. Die Sicherheitslage im Norden des Landes ist aber weiterhin sehr prekär. Die Islamisten haben sich zwar zurückgezogen, sie verüben aber immer noch regelmässig Anschläge. Ausserdem gibt es Übergriffe von Tuareg-Rebellen, die zeitweise mit den Islamisten zusammengearbeitet hatten.

Ist es ein neues Phänomen, dass die Jihadisten auch im Süden Malis angreifen?
Nein. Im letzten März gab es in der Hauptstadt Bamako einen Anschlag auf ein Restaurant, das bei Ausländern beliebt ist. Und im August stürmten Jihadisten ein von den Vereinten Nationen genutztes Hotel in der Stadt Sévaré. Bei den beiden Anschlägen in Bamako und Sévaré kamen fast 20 Menschen ums Leben.

Warum haben die Extremisten gerade jetzt in Bamako zugeschlagen?
Man kann nur darüber spekulieren: Wenn die al-Qaida tatsächlich hinter dem Angriff auf das Hotel Radisson in Bamako steckt, könnte dies eine Reaktion sein auf die Anschläge des IS in Paris, um zu zeigen, dass sie auch noch da ist. Die al-Qaida und der IS sind rivalisierende Terrorgruppen. Punkto Rekrutierung neuer Anhänger und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit stehen sie in Konkurrenz zueinander.

Erstellt: 20.11.2015, 12:34 Uhr

Johannes Dieterich ist Afrika-Korrespondent von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

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