Das marodeste Kriegsschiff der Welt

Russland besitzt einen einzigen Flugzeugträger, die Admiral Kusnezow. Nun schickt es ihn nach Syrien, doch es ist fraglich, ob es das Schiff überhaupt bis dorthin schafft.

Technisches Wunderwerk mit Schwächen: Die Admiral Kusnezow.

Technisches Wunderwerk mit Schwächen: Die Admiral Kusnezow. Bild: Keystone

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Die Admiral Kusnezow ist mit fast 2000 Mann unterwegs ins östliche Mittelmeer. Sie werde sich einer Flotte vor der syrischen Küste anschliessen, sagt der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu. Offenbar sollen Jets von dem Träger künftig Angriffe auf Stellungen des Islamischen Staates (IS) fliegen, damit käme das Schiff erstmals zum Kriegseinsatz. Allerdings gibt es Zweifel an der Tauglichkeit des Flugzeugträgers, der bisher vor allem wegen Pannen und endlosen Reparaturen Schlagzeilen gemacht hat.

Die Probleme begannen schon mit dem Namen für das technische Wunderwerk, das tief aus der Sowjetzeit stammt und Platz für rund 50 Kampfflugzeuge und Helikopter bietet. Zuerst sollte der Flugzeugträger «Sowjetunion» heissen, dann «Riga», nach der lettischen Hauptstadt. Später wurde er «Leonid Breschnew» getauft, nach dem alternden Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, und als er 1985 vom Stapel lief, hiess er dann «Tbilissi», nach der georgischen Hauptstadt. Fünf Jahre später wurde das Schiff schliesslich nach dem sowjetischen Flottenadmiral Nikolai Kusnezow benannt. Einsatzbereit war es noch immer nicht.

Ölpest verschuldet

Als 1991 die Sowjetunion auseinanderbrach, befand sich das Riesenschiff von einem Tag auf den anderen im falschen Land, denn der Flugzeugträger wurde in der Ukraine gebaut, Ankerplatz war Sewastopol auf der Krim, die nun ebenfalls plötzlich zur Ukraine gehörte. Deshalb wurde der Admiral schleunigst vom Schwarzen Meer in den russischen hohen Norden verlegt – in die nächste Werft. Erst 1995 konnte der Flugzeugträger offiziell in Dienst gesetzt werden.

Seither hält die Pannenserie an. Nach fast jeder Fahrt, die sich an zwei Händen abzählen lassen, musste das Schiff wieder geflickt werden. 2009 soll es eine Ölpest vor Irland verschuldet haben. 2012 blieb der Koloss vor der Küste Frankreichs einfach liegen. Schliesslich wurde eine Generalüberholung angekündigt, die Admiral Kusnezow sollte sozusagen neu gemacht werden und ein Upgrade bekommen. Die Arbeiten sollten bis 2017 dauern. Doch wegen des russischen Engagements in Syrien tauchte das Schiff vorzeitig wieder auf, wohl auf Druck von ganz oben. Präsident Wladimir Putin ist daran gelegen, auch zu Wasser Stärke zu markieren. Meist wird die Admiral Kusnezow von mehreren anderen russischen Schiffen und Schleppern begleitet – für alle Fälle.

Raketen- statt Flugzeugträger

Doch auch wenn es einsatzfähig ist, hat das Schiff seine Macken. Die Admiral Kusnezow besitzt keine Flugzeugkatapulte. Die Jets starten über eine simple Bogenrampe, welche die Flugzeuge sozusagen in den Himmel hebt. Dafür ist der Träger schwer bewaffnet, denn ursprünglich wurde er zur Verteidigung der umliegenden Schiffe und U-Boote gebaut, die Funktion als Flugzeugträger war zweitrangig. Ein Schwesterschiff im Rohbau wurde an China verkauft, dort umgebaut und erneuert; seit vier Jahren ist es im Einsatz.

Dass Russland mit der Admiral Kusnezow nicht mit den USA mithalten kann, gibt indirekt sogar Moskau zu. Letztes Jahr wurde ein Nachfolgemodell vorgestellt. Der neue Flugzeugträger soll bis zu 90 Bomber aufnehmen können – mehr als die grössten amerikanischen Schiffe. Er soll mit zwei Katapulten und zwei elektromagnetischen Beschleunigungsanlagen ausgerüstet werden.

Wie weit die Baupläne angesichts der russischen Finanzkrise gediehen sind, ist unklar. Die Admiral Kusnezow muss die russische Stellung auf den Weltmeeren wohl noch eine Weile halten. Nach dem Einsatz in Syrien ist jedenfalls der nächste Aufenthalt in der Werft geplant. Die Arbeiten sollen die Lebensdauer des Flugzeugträgers dann um weitere 25 Jahre verlängern.

Erstellt: 22.09.2016, 14:29 Uhr

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