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Das neue Gesicht Libyens

In den vergangenen Tagen verkündete der Chef des Übergangsrates stets die Erfolge der Rebellen. Zuvor war Jalil drei Jahre lang Ghadhafis Justizminister. Schon damals sperrte er sich gegen Libyens Machthaber.

kpn
Kämpfte schon immer gegen Unterdrückung: Mustafa Abdel Jalil während seiner Rede in Benghazi. (22. August 2011)
Kämpfte schon immer gegen Unterdrückung: Mustafa Abdel Jalil während seiner Rede in Benghazi. (22. August 2011)
AFP

Vor einem halben Jahr war der Mann mit dem dünnen grauen Bart und der Halbglatze im Ausland kaum bekannt. Doch mit dem Aufstand gegen Libyens Machthaber Muammar al-Ghadhafi wurde der Chef des oppositionellen Nationalen Übergangsrates, Mustafa Abdel Jalil, zum Gesicht des Widerstands.

In den vergangenen Tagen trat der 59-Jährige immer wieder vor die Medien, um die Erfolge der Rebellen zu verkünden. So war er es, der am Sonntag die Festnahme von Gaddafis Sohn Saif al-Islam bekanntgab.

Dabei war Jalil drei Jahre lang Ghadhafis Justizminister. Schon in dieser Zeit tat er nicht alles, was der für die blutige Unterdrückung seiner Gegner bekannte Revolutionsführer von ihm verlangte. So zeigte der Jurist sich bereit, Gefangene aus dem berüchtigten Gefängnis Abu Salim freizulassen, das allerdings nicht seinem Ministerium, sondern dem Geheimdienst unterstand.

NGO beeindruckt

Jalil sei als Minister wahrscheinlich der «unabhängigste Geist der Regierung» gewesen, meint auch Malcolm Smart, Leiter der Nahost- und Nordafrikaabteilung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

«Sicher war er drei Jahre lang Minister einer Regierung mit einer langen Geschichte von Menschenrechtsverletzungen. Dennoch scheint er, als er im Amt war, auf eine Verbesserung hingearbeitet zu haben», fasst Smart die Amtszeit Jalils zusammen.

Mit seinem Einsatz für die Gefangenen von Abu Salim war Jalil bereits vor Jahren eine Art Vorreiter des Aufstands gegen al-Ghadhafi. Denn die berüchtigte Haftanstalt war es, die schliesslich im Februar die Proteste auslöste: Demonstranten forderten die Freilassung eines Anwalts von Familien, deren Angehörige 1996 bei einer Schiesserei in dem Gefängnis ums Leben kamen.

Die Fronten gewechselt

Im Januar 2010 waren die Zustände in Abu Salim auch der Grund für den Minister, sein Amt aufzugeben. Bei der Jahrestagung des Parlaments, die vom Fernsehen übertragen wurde, kündigte er seinen Rücktritt an. Wegen «Behinderung» durch den Staatsapparat könne er die unschuldigen Gefangenen von Abu Salim nicht freilassen, sagte er damals.

Doch al-Ghadhafi verweigerte dem Reformer den Abgang, der dann ein Jahr später erfolgte. Als Ghadhafis Truppen in der Rebellenhochburg Benghazi auf friedliche Demonstranten schossen, wechselte Jalil Mitte Februar endgültig die Seiten. Er gründete zusammen mit anderen den Nationalen Übergangsrat als Organisation für die Kräfte der Opposition.

Von Sarkozy anerkannt

Einen ersten Erfolg verzeichnete Jalil, als der französische Präsident Nicolas Sarkozy ihn am 10. März im Elysée-Palast empfing und den Nationalen Übergangsrat als legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannte.

Eine Woche später begannen die Luftangriffe auf Stellungen der Truppen Ghadhafis, dessen Herrschaft nun vor dem Zusammenbruch steht. «Das Ende ist sehr nahe, mit Gottes Hilfe», sagte Jalil am Samstag.

(SDA)

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