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Dem kleinen Riesen schlägt Misstrauen entgegen

Das kleine Katar spielt in Libyen eine grosse Rolle. Und der König scheut den Kontakt zu Gesellen nicht, die im Westen als unappetitlich gelten. Das bereitet zunehmend Sorge – auch in Libyen selber.

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Der Monarch von Katar fördert die arabischen Revolutionen: Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani (r.) mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (l.) und dem britischen Premier David Cameron am Libyen-Gipfel in Paris (1. September 2011).
Der Monarch von Katar fördert die arabischen Revolutionen: Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani (r.) mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (l.) und dem britischen Premier David Cameron am Libyen-Gipfel in Paris (1. September 2011).
AFP

Der Krieg in Libyen hat das kleine Königreich Katar auf die politische Weltbühne katapultiert. Katar hat Waffen geliefert und libysche Rebellen im Kampf gegen Machthaber al-Ghadhafi nicht nur ausgebildet, sondern sogar aktiv unterstützt. Mirage-Kampfjets von Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani haben an den Nato-Luftschlägen teilgenommen. Seine Elitetruppen sollen laut dem «Wall Street Journal» sogar beim Sturm auf Ghadhafis Hauptquartier in Tripolis gesichtet worden sein. Katar wäre demnach heimlich in die kriegsentscheidende Lücke der Bodeneinsätze gesprungen, die westliche Regierungen nicht auszufüllen wagten.

Die Begeisterung in Washington, London und Paris war gross. Nach der Katar-Party wachen Diplomaten in den westlichen Hauptstädten nun aber offenbar mit einem Kater auf. Kopfweh bereiten laut dem «Guardian» und dem «Wall Street Journal» die Verbindungen der Katarer zu Islamisten.

Ein grosser Teil der Hilfe vom Golf wurde demnach über den Prediger Ali al-Sallabi ins Land geschleust – am libyschen Übergangsrat vorbei. Al-Sallabi hat gemäss dem «Guardian» auch dessen Führer Mahmoud Jibril öffentlich angegriffen. In Jibril schlummere ein Tyrann, befand der Kleriker am Fernsehen.

Kommandant an der Seite Bin Ladens

Mit Sorge blickten westliche Diplomaten auch auf den Militärführer der Region Tripolis, Abdel Hakim Belhaj. Der Kampfgenosse Osama Bin Ladens in Afghanistan führte von 1995 bis 98 eine Rebellenbewegung gegen Ghadhafi. Nach seiner Niederlage gegen das Regime schrieben er und al-Sallabi, der aus dem Exil in Katar zurückgekehrt war, an einer Schrift gegen gewalttätigen Islamismus mit.

Dennoch wächst der Argwohn gegenüber der Islamistenclique, die dank der Hilfe Katars in Libyen immer mächtiger wird. Auch im Land selber wird der Vorwurf der innenpolitischen Einmischung laut.

Vertraute des Kommandanten Belhaj beteuern gegenüber dem «Wall Street Journal» jedoch, dass er der Führung des Militärrats unterstehe und sämtliche Waffenlieferungen mit diesem abgesprochen seien.

Pragmatischer Erdgasgigant

Ein Blogger des «Time Magazines» gibt ironisch zu bedenken, dass Katar lediglich das tue, was westliche Regierungen seit jeher taten, wenn sie Regime stürzten. Dem kleinen Land, dessen Erdgasvorkommen zu den grössten der Welt gehören, werden Ambitionen im libyschen Gassektor nachgesagt.

Katar hat ausserdem schon lange eine pragmatische Politik betrieben und beispielsweise im Libanon und in Jemen zwischen verfeindeten Lagern zu vermitteln versucht. Das hat immer auch Kontakte zu umstrittenen Akteuren wie dem libanesischen Hizbollah miteingeschlossen, wie «Foreign Affairs» unterstreicht.

«Extremismus in zivile Existenzen verwandeln»

In der katarischen Hauptstadt Doha beteuern Regierungskreise, sie würden in Libyen nicht einzelne Gruppen gegenüber andern bevorzugen. Man unterstütze die Entwicklung hin zu einer Demokratie. Vor rund einem Monat hat der absolutistisch herrschende Monarch Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani seine Vision für die vom arabischen Frühling betroffenen Länder auf dem Haussender «Al Jazeera» dargelegt: «Ich glaube sie werden sehen, wie sich der Extremismus in zivile Existenzen und Zivilgesellschaft verwandeln wird».

Der Scheich glaubt, dass sich unter tyrannischen Regierungen herangezüchtete Islamisten für partizipatorische Politik begeistern liessen, wenn die arabischen Revolten das Versprechen von echter Demokratie und Gerechtigkeit erfüllen.

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