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Den eigenen Mörder gefilmt?

Assads Truppen schiessen scheinbar wahllos auf Gegner des syrischen Regimes. In einem dramatischen Video filmte ein Mann offenbar genau jenen Heckenschützen, der gleich auf ihn schiessen wird.

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Es sind offenbar die letzten Szenen, die ein Amateurfilmer dreht, kurz bevor er von einer Kugel getroffen wird. Laut dem «Guardian» und «Spiegel online» sind die Aufnahmen in Homs, der drittgrössten Stadt Syriens, entstanden. Das Video wird über Youtube verbreitet.

Von einem Balkon aus gefilmt, schwenkt die Kamera über die Häuser. Aus den Gassen sind immer wieder Hilfeschreie und Schüsse zu hören. Kurz darauf ist ein Mann zu sehen, wie er seine Waffe direkt auf die Kamera richtet. Ein Schuss und der Filmer fällt mitsamt Kamera zu Boden – er schreit und stöhnt. Was aus dem Mann geworden ist, ist unklar.

Die Authentizität dieser Bilder ist kaum zu überprüfen. Allerdings sind Amateuraufnahmen die einzigen Bilddokumentationen, die den Konflikt in Syrien zeigen. Die internationale Presse ist im Land nicht zugelassen. Auch die syrischen Flüchtlinge in den türkischen Lagern werden abgeschirmt und erhalten gegenüber den Korrespondenten einen Maulkorb.

Panzer rücken ins Grenzgebiet vor

Nach den Unruhen am Wochenende gehen die Regimetreuen Sicherheitskräfte wieder repressiver gegen die Aktivisten vor. Syrische Panzer sind heute in ein Dorf nahe der türkischen Grenze gerollt und haben dort gemäss Augenzeugen das Feuer eröffnet. Sechs Menschen seien in Kfar Rumah verletzt worden. Nach Einschätzung der Aktivisten gehen die Streitkräfte wegen zahlreicher Desertionen und der Massenflucht von Bewohnern in die Türkei mit aller Härte gegen die Protestbewegung in der Region Dschabal al Sawija vor.

Die Heereseinsätze zur Niederschlagung dauern dort seit einer Woche an. Aber auch aus anderen Regionen werden weiterhin gewaltsame Zusammenstösse gemeldet. In einem Vorort von Damaskus, Hadschar Aswad, wurden nach Angaben des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte in der Nacht zum Montag zwei Demonstranten erschossen und acht weitere verwundet. In der mittelsyrischen Stadt Hama seien 20 Personen verhaftet worden.

Berichte der Flüchtlinge bringen Regierung in Bedrängnis

Die Flucht von bisher 10'000 Bewohnern des Grenzgebiets in die Türkei ist für die Regierung peinlich, weil die Berichte der Flüchtlinge die Angaben von Menschenrechtlern im Exil und im Untergrund über das repressive Vorgehen der Sicherheitskräfte zu bestätigen scheinen. Seit Mitte März wurden den Aktivisten zufolge mehr als 1400 Menschen - die meisten davon unbewaffnete Demonstranten - bei Zusammenstössen getötet. Die Regierung bestreitet diese Angaben und macht bewaffnete Banden und ausländische Verschwörer für die Unruhen verantwortlich.

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