Zum Hauptinhalt springen

Der Boden des Terrors ist nicht die Religion, sondern die Politik

Vor dem 11. September 2001 war der Islam im Westen kein grosses Thema. Seither ist er allgegenwärtig. Als Religion des Schreckens.

Für die spanische Regierung von Premier José María Aznar war der Fall klar: Bereits nach den ersten Meldungen über die Explosionen in Madrid benannte sie die ETA als erste Verdächtige. Dies, obwohl die Handschrift der al-Qaida deutlich erkennbar war: Bei der Anschlagsserie auf Pendlerzüge im Grossraum Madrid starben 191 Menschen, 2051 wurden verletzt, 82 davon schwer. Drei Wochen später sprengte sich der mutmassliche Rädelsführer Serhane Ben Abdelmajid bei einer Razzia in Madrid in die Luft. Dabei starben auch sechs seiner Komplizen und ein Polizist.
Für die spanische Regierung von Premier José María Aznar war der Fall klar: Bereits nach den ersten Meldungen über die Explosionen in Madrid benannte sie die ETA als erste Verdächtige. Dies, obwohl die Handschrift der al-Qaida deutlich erkennbar war: Bei der Anschlagsserie auf Pendlerzüge im Grossraum Madrid starben 191 Menschen, 2051 wurden verletzt, 82 davon schwer. Drei Wochen später sprengte sich der mutmassliche Rädelsführer Serhane Ben Abdelmajid bei einer Razzia in Madrid in die Luft. Dabei starben auch sechs seiner Komplizen und ein Polizist.
Paul White, Keystone
Es war der 1. September und der erste Schultag im neuen Schuljahr an der Mittelschule Nr. 1 in Beslan, Nordossetien. Eine Gruppe von mindestens 33 teilweise maskierten und schwer bewaffneten Personen stürmte die Schule. Nach offiziellen Angaben handelte es sich um tschetschenische Terroristen. Sie brachten mehr als 1100 Kinder und Eltern in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endete nach drei Tagen in einer Tragödie: Bei der Stürmung des Gebäudes durch russische Sicherheitskräfte starben 331 Geiseln.
Es war der 1. September und der erste Schultag im neuen Schuljahr an der Mittelschule Nr. 1 in Beslan, Nordossetien. Eine Gruppe von mindestens 33 teilweise maskierten und schwer bewaffneten Personen stürmte die Schule. Nach offiziellen Angaben handelte es sich um tschetschenische Terroristen. Sie brachten mehr als 1100 Kinder und Eltern in ihre Gewalt. Die Geiselnahme endete nach drei Tagen in einer Tragödie: Bei der Stürmung des Gebäudes durch russische Sicherheitskräfte starben 331 Geiseln.
Sergei Chirikow, Keystone
Ende 2001 hatten die amerikanischen Truppen die radikalislamischen Taliban gestürzt und aus Kabul vertrieben. Inzwischen sind sie längst zurück. Ende Juni griff ein Selbstmordkommando das Luxushotel Interkontinental an. Die Extremisten kamen mit Sprengstoffgürteln, Raketen und Gewehren. Sie wollten nur eines: töten. Angeblich suchten sie gezielt nach Ausländern. Nach stundenlangen Gefechten gelang es der Nato, die Attacke mit Kampfhelikoptern niederzuschlagen. Zehn Menschen – alles Afghanen – kamen bei den Kämpfen ums Leben.
Ende 2001 hatten die amerikanischen Truppen die radikalislamischen Taliban gestürzt und aus Kabul vertrieben. Inzwischen sind sie längst zurück. Ende Juni griff ein Selbstmordkommando das Luxushotel Interkontinental an. Die Extremisten kamen mit Sprengstoffgürteln, Raketen und Gewehren. Sie wollten nur eines: töten. Angeblich suchten sie gezielt nach Ausländern. Nach stundenlangen Gefechten gelang es der Nato, die Attacke mit Kampfhelikoptern niederzuschlagen. Zehn Menschen – alles Afghanen – kamen bei den Kämpfen ums Leben.
S. Sabawoon, Keystone
1 / 4

Wer sucht, wird im Koran rasch fündig. Besonders beliebt ist der fünfte Vers der neunten Sure, des neunten Kapitels der heiligen Schrift der Muslime. Der sogenannte Schwertvers dient sämtlichen islamistischen Terrorfürsten als Rechtfertigung für ihr blutiges Handwerk. Er lautet: «Und wenn die heiligen Monate vorbei sind, dann tötet die Heiden, wo immer ihr sie findet. Greift sie, umzingelt sie, und lauert ihnen überall auf.» Auch Osama Bin Laden (1957-2011), der Begründer des Terrornetzwerks al-Qaida, zitierte den Schwertvers. In der 1996 verkündeten «Kriegserklärung gegen die amerikanischen Soldaten» interpretierte er die göttlichen Worte als Freipass für einen globalen heiligen Krieg gegen Ungläubige und Abtrünnige, als Schlachtruf für einen Kampf, der erst mit der Weltherrschaft des Islam ein Ende findet. 1998 ging Bin Laden noch weiter und erklärte selbst das Töten von Zivilisten zur göttlichen Pflicht eines jeden Muslims. Dabei unterschied er nicht mehr zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Weil angeblich alle Welt vom richtigen Glauben abgefallen war, galten jetzt auch Muslime, die Bin Ladens fundamentalistische Ansichten nicht teilten, als legitime Ziele seines Kampfs.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.