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Der dänische Doppelagent, die kroatische Blondine und der getötete Topterrorist

Fiktion oder Realität? Ein dänischer Kleinkrimineller wird zum Doppelagenten und soll für die CIA einen der meistgesuchten Al-Qaida-Terroristen orten. Mit der Hilfe einer westlichen Frau.

Wurde von einer US-Drohne getötet: Der in den USA geborene Anwar al-Awlaki. (Archvbild)
Wurde von einer US-Drohne getötet: Der in den USA geborene Anwar al-Awlaki. (Archvbild)
Keystone

Anwar al-Awlaki war einer der weltweit meistgesuchten Terroristen. Geboren in den USA, wurde er im Jemen zu einem der prominentesten Sprecher und Planer der al-Qaida. Der dänische Kleinkriminelle Morten Storm – ein Mann, der sich in radikalen islamistischen Kreisen bewegte – erzählte nun in langen Interviews der dänischen Zeitung «Jyllands Posten» seine abenteuerliche Geschichte über den Tod al-Awlakis.

Demnach habe er während eines Aufenthaltes im Jemen im Jahr 2006 das Vertrauen al-Awlakis gewonnen. Drei Jahre später sei der Terrorist mit einem Anliegen an ihn gelangt. «Er fragte mich, ob ich eine Frau aus dem Westen kennen würde, welche er heiraten könne. Ich denke, ihm fehlte jemand, mit dem er seine auch vom Westen geprägte Gedankenwelt teilen konnte», sagt Storm gegenüber «Jyllands Posten». Al-Awlaki habe zwar bereits zwei arabische Ehefrauen gehabt, die beide in Sanaa lebten. Doch der Terrorist suchte offenbar eine weisse Konvertitin, die ihm auch in seinen Verstecken Gesellschaft leisten konnte.

Die Suche auf Facebook

Nachdem Storm den Auftrag erhalten habe, sei er auf Facebook auf eine Fan-Gruppe des Geistlichen gestossen. Daraufhin habe er eine Anfrage platziert, in der er «Hilfe für al-Awlaki» verlangte. Ein paar Tage später habe sich eine 33-jährige blonde Frau aus Kroatien gemeldet und gefragt, was er denn brauche. Aminah, so ihr Name, war erst kürzlich zum Islam konvertiert. Es wäre eine Ehre für sie, den bekannten Geistlichen heiraten zu dürfen, soll sie gesagt haben. Im November 2009 verlangte al-Awlaki von Storm schliesslich ausführlichere Informationen über seine potenzielle Braut.

Da entschloss sich Storm nach eigenen Angaben dazu, die Angelegenheit dem dänischen Geheimdienst zu melden. Dieser leitete die Angelegenheit an die CIA weiter – die darin eine willkommene Gelegenheit gesehen habe, den flüchtigen Terroristen ausfindig zu machen. Der Plan der CIA habe darin bestanden, einen Sender in Aminahs Koffer zu platzieren. «Aminah sollte die Geheimdienste zu al-Awlaki führen. Es war allen klar, dass er getötet werden sollte», sagte Storm gegenüber der dänischen Zeitung.

250'000 Dollar für geleistete Dienste

Der Plan der CIA sei schliesslich fehlgeschlagen. Aminah, so Storm, verbrachte mehrere Wochen in Sanaa, bevor sie den radikalen Geistlichen traf. Sie wurde von einem Boten abgeholt, der ihr den Koffer abnahm – aus Sicherheitsgründen. Kurz darauf heiratete Aminah al-Awlaki irgendwo in der Wüste des Jemen. Erst 2011 wurde al-Awlaki gefunden und von einer US-Drohne getötet.

Storm selber scheint nach Angaben von CNN seither im Untergrund zu leben – nach mehreren Todesdrohungen durch radikalislamische Kreise. Für seine Dienste habe ihn die CIA mit 250'000 US-Dollar belohnt.

Weder die CIA noch der dänische Geheimdienst haben zu den Aussagen von Storm bisher Stellung bezogen. Die Geschichte wäre tatsächlich auch höchst unglaubwürdig – wenn Storm der dänischen Zeitung nicht Material präsentiert hätte, das seine Aussagen stützt. So hat er Videos gezeigt, die zwischen al-Awlaki und seiner potenziellen Frau ausgetauscht worden sind. Zudem hat er der dänischen Zeitung Reisedokumente übermittelt, die zeigen, dass er zur fraglichen Zeit im Jemen war. Und nicht zuletzt fotografierte er einen Koffer, in welchem 250'000 Dollar in bar deponiert waren und offenbarte Insiderwissen.

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