Der Feind in meinem Handy

Ob Kronprinz bin Salman Jeff Bezos ausspionierte, ist nicht sicher. Dass er es könnte, schon. Und das ist brandgefährlich.

Saudiarabien gehört zu den grossen Kunden auf dem Spionagesoftware-Markt: Kronprinz Muhammad bin Salman. Foto: Keystone

Saudiarabien gehört zu den grossen Kunden auf dem Spionagesoftware-Markt: Kronprinz Muhammad bin Salman. Foto: Keystone

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Noch ist nicht bewiesen, dass der saudische Kronprinz Muhammad bin Salman das Handy des reichsten Mannes der Welt, des Amazon-Gründers Jeff Bezos, abhören liess. Zu den Fragen, welche die Justiz und die inzwischen eingeschalteten Vereinten Nationen jetzt zu klären haben, gehört, ob eine Ausspähung womöglich mit einem per Whatsapp versandten manipulierten Video begann, das der Saudi am 1. Mai 2018 an Bezos schickte. Und ob der Grund für eine derartige Spionageaktion war, dass Bezos in der ihm gehörenden «Washington Post» den saudischen Regimekritiker Jamal Khashoggi schreiben liess. Khashoggi wurde nur fünf Monate nach Eingang der Nachricht auf Bezos’ Handy im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet.

Bewiesen ist allerdings bereits, dass das saudische Königshaus und etliche andere Autokratien zu den grossen Kunden auf einem inzwischen auf geschätzte zwölf Milliarden Dollar schweren Markt gehören, auf dem man eben solche Spionagesoftware ganz einfach kaufen kann. Sie erlaubt es, mit einer einfachen Textnachricht oder sogar mit einem Anruf, den man nicht einmal beantworten muss, einen Computer oder ein Handy zu infizieren und dann komplett auszulesen. Oder das Mikrofon und die Kamera einzuschalten und das Gerät als Wanze zu benutzen. James Bonds Q hätte es nicht besser gekonnt.

«Solche Software ist heute nicht weniger gefährlich, als Waffen es sind.»

Solche Schadsoftware ist inzwischen auf den Handys von Dissidenten, Menschenrechtsanwälten und Journalisten entdeckt worden. In einem kühnen Schritt hat sich im vergangenen Jahr Whatsapp entschieden, genau deshalb die NSO-Group, ein israelischer Anbieter solcher Software, zu verklagen.

Das ist gut so, aber es reicht nicht aus. Solche Software ist heute nicht weniger gefährlich, als Waffen es sind. Weder die Entwicklung noch ihr Verkauf gehören in private Hände. In einem ersten Schritt braucht es eine strikte Aufsicht über diese Cybersöldner. Wer seine Technik verkauft, um Dissidenten oder auch Jeff Bezos abzuhören, muss die Lizenz verlieren und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Erstellt: 23.01.2020, 18:47 Uhr

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