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Der Mann, der Ghadhafi fand, ist tot

Omar Shaaban war dabei, als der libysche Diktator in Sirte gefunden und getötet wurde. Nun ist der 22-Jährige selber tot. Ein weiterer Beweis, dass die Ghadhafi-Getreuen immer noch nicht aufgegeben haben.

fko
Riesige Wut über den Tod ihres Kollegen: Die Milizen aus Misrata nehmen den Sarg von Omar Shaaban in Empfang. (25. September 2012)
Riesige Wut über den Tod ihres Kollegen: Die Milizen aus Misrata nehmen den Sarg von Omar Shaaban in Empfang. (25. September 2012)
Reuters

Omar Shaaban ist der Mann, der Ghadhafi im Oktober 2011 aus einem Abwasserrohr zerrte – dem Rohr, in dem er sich am Schluss des libyschen Aufstands vor den Rebellen versteckt gehalten hatte. Der 22-Jährige gehörte zur Al-Ghiran-Brigade, die den ehemaligen Diktator in seiner Geburtsstadt Sirte aufspürte.

Nach dem Tod Ghadhafis wurde die Al-Ghiran-Brigade in die reguläre staatliche Armee integriert und nach Bani Walid versetzt. Vor drei Monaten dann wurden Shaaban und mehrere seiner Truppenkollegen von Ghadhafi-Anhängern in einen Hinterhalt gelockt und entführt. «Sie wurden alle misshandelt, aber Omar Shaaban traf es am härtesten», erzählt ein Militärangehöriger aus Misrata in einem Bericht des arabischen TV-Senders al-Jazeera.

Fahnen des alten Regimes wehen noch

Als Shaaban im September wieder freigelassen wurde, war er laut dem Bericht gelähmt und in sehr schlechter körperlicher Verfassung. Man beschloss, ihn zur Behandlung nach Paris zu bringen – wo er anfangs der Woche starb.

Der Tod von Omar Shaaban wirft auch ein Schlaglicht auf die Stadt Bani Walid: Viele ihrer Einwohner sind laut Medienberichten immer noch eng mit dem Ghadhafi-Regime verbunden und akzeptieren die neue Regierung nicht. Die Spannungen in Bani Walid wurden deshalb als Testfall für die neue libysche Führung bezeichnet.

Auch im neusten Bericht aus der Region werden libysche Kämpfer zitiert, laut denen noch immer in vielen Quartieren die grüne Fahne des Ghadhafi-Regimes gehisst ist. Die Stadt im Norden des Landes war eine der letzten Hochburgen der Anhänger Ghadhafis. Sie wurde erst im September 2011 von den Rebellen eingenommen.

Das libysche Parlament befürchtet nun, dass die Milizen aus Misrata sich zu einem Rachefeldzug nach Bani Walid aufmachen könnten, um den Tod Shaabans zu sühnen. Sie wollen deshalb darauf verzichten, die Entführer des jungen Mannes zu verfolgen und zu bestrafen. Die Wut der Milizen darüber ist riesig. Bei der Beerdigung Shaabans in Misrata anfangs der Woche machten sie ihrem Unmut mit Sprechchören Luft: «Misrata will Bani Walid auslöschen.»

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