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Der neue Bin Laden

Das Terrornetzwerk al-Qaida hat den Ägypter Ayman al-Zawahri zu seinem neuen Anführer ernannt. In einer Videobotschaft verkündete er bereits seine Ziele. Die USA haben Millionen für seine Ergreifung ausgesetzt.

Ayman al-Zawahri verbrachte viele Jahre an der Seite des ermordeten Terrorfürsten. Ein Bild von 1998.
Ayman al-Zawahri verbrachte viele Jahre an der Seite des ermordeten Terrorfürsten. Ein Bild von 1998.
Keystone
Es wird angenommen, dass sich al-Zawahri in der pakistanischen Grenzregion aufhält.
Es wird angenommen, dass sich al-Zawahri in der pakistanischen Grenzregion aufhält.
Keystone
Ein radikaler Prediger: Al-Zawahri verurteilte die Seebestattung von Bin Laden.
Ein radikaler Prediger: Al-Zawahri verurteilte die Seebestattung von Bin Laden.
Keystone
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Das «Generalkommando» von al-Qaida habe nach ausführlichen Debatten beschlossen, dass Ayman al-Zawahri der Nachfolger von Osama Bin Laden werden solle. Das geht aus einer Botschaft hervor, die heute von einer einschlägigen Islamisten-Website im Internet veröffentlicht wurde. Er solle als «Emir» der Organisation den Heiligen Krieg fortsetzen.

Das Terrornetzwerk kündigte an, auch unter der neuen Führung den Heiligen Krieg gegen die USA und Israel fortzusetzen. Der ägyptische Arzt Zawahri war die rechte Hand Bin Ladens, der am 2. Mai von einem US-Spezialkommando in Pakistan getötet wurde. Zawahri gilt als einer der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, aber auch auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania. Die US-Behörden haben für seine Ergreifung eine Belohnung von 25 Millionen Dollar ausgesetzt.

Die al-Qaida nimmt die Ernennung Zawahris gleichzeitig zum Anlass, um ihre Position zu verschiedenen grundlegenden Fragen darzustellen. In der Botschaft heisst es unter anderem: «Wir bereiten uns vor für den Heiligen Krieg gegen die ungläubigen Invasoren und an ihrer Spitze die Kreuzfahrer aus den USA und ihr Mündel Israel sowie gegen jeden Herrscher, der sie unterstützt.» Ausserdem erklärten die Terroristen: «Wir loben die arabischen Revolutionen in Ägypten, Tunesien, Libyen, im Jemen, in Syrien und in Marokko, und wir ermutigen auch die anderen muslimischen Völker, ihre korrupten Regime zu stürzen.»

Videobotschaft nach Bin-Laden-Tod

Erst gerade vor einer Woche würdigte Ayman al-Zawahri den ermordeten Terrorchef Osama Bin Laden als «Pionier des Jihad», wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site mitteilte. «Wir müssen den Weg des Jihad fortsetzen, um die Besatzer aus dem Land des Islam zu vertreiben», sagte Zawahri in der Botschaft. Bin Laden werde den USA, Israel und ihren Verbündeten auch nach seinem Tod Angst einflössen. Der Ägypter rief «alle Mujahedin in Afghanistan, Pakistan, im Irak, in Somalia, auf der arabischen Halbinsel und im islamischen Maghreb» auf, ihre Bemühungen im Kampf gegen den Westen zu verdoppeln. Ausserdem schwor er dem Anführer der radikalislamischen Taliban, Mullah Omar, erneut seine Treue.

Das ebenfalls auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Intelcenter erklärte, der Zeitraum zwischen der Tötung Bin Ladens bei einer US-Kommandoaktion in Pakistan Anfang Mai und der Veröffentlichung des Videos sei mit 39 Tagen relativ kurz. Normalerweise brauche Zawahri im Durchschnitt 64 Tage für eine Antwort, was in der Regel auf Sicherheitsgründe zurückzuführen sei. Die schnelle Reaktion sei ein «offensives Bemühen», seine Nachricht zu Bin Ladens Tod schnell in die Welt zu setzen.

Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vermutet

Ayman al-Zawahri, der in der kommenden Woche 60 Jahre alt wird, wurde in Ägypten als Sohn einer Familie der oberen Mittelklasse geboren. Sein Vater war Professor für Pharmakologie an der Universität von Kairo, sein Grossvater war Imam. Zawahri wurde nach dem Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat am 6. Oktober 1981 bei einer Razzia verhaftet. Im Gefängnis wurde er schwer gefoltert. Nach seiner Entlassung schloss er sich in Afghanistan Osama Bin Laden an, wo er zu seinem Stellvertreter aufstieg. Al-Zawahri wird heute irgendwo im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet vermutet. In dem 28 Minuten langen Video war er in weissem Gewand, mit Turban und Kalaschnikow zu sehen.

Vor etwa einem Monat hatten Islamisten in Pakistan berichtet, der Ägypter Saif al-Adel solle für eine Übergangszeit neuer Anführer der Terroristen werden. Anschliessend solle es umfangreiche Beratungen darüber geben, wer langfristig die Nachfolge Bin Ladens antreten solle. Die Authentizität der neuen Al-Qaida-Botschaft liess sich nicht überprüfen. Der Inhalt und die Art und Weise, wie sie veröffentlicht wurde, legt jedoch die Vermutung nahe, dass sie tatsächlich von der Führungsebene des Terrornetzwerkes stammt.

SDA/ dapd/ AFP/jak

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