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Der neue Darling des rechten Lagers in Israel

Seit die israelische Partei Jüdisches Heim Naftali Bennet zum Spitzenkandidaten machte, erlebt sie einen Höhenflug. Das Kernthema des 40-jährigen Senkrechtstarters ist die vielkritisierte Siedlungspolitik.

Smart und steinreich: Der Spitzenkandidat der Splitterpartei Jüdisches Heim, Naftali Bennet.
Smart und steinreich: Der Spitzenkandidat der Splitterpartei Jüdisches Heim, Naftali Bennet.
Reuters

Ausgestattet mit gewinnendem Lächeln, autoritärer Stimme und stramm rechter Agenda ist Naftali Bennett in rasantem Tempo zum neuen Darling der israelischen Nationalreligiösen aufgestiegen. Nur zwei Monate nachdem er als Spitzenkandidat der Splitterpartei Jüdisches Heim gekürt wurde, werden dieser bei den Parlamentswahlen am 22. Januar bis zu 14 Sitze prognostiziert; derzeit stellt sie nur drei Abgeordnete in der Knesset.

Dieser Zuwachs geht auf Kosten der konservativen Likudpartei von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und der ultranationalistischen Partei Unser Haus Israel von Avigdor Lieberman. Beide sind für die vorgezogene Wahl eine Listenverbindung eingegangen. Diese dürfte zwar stärkste Kraft bleiben, wird aber nach aktuellen Vorhersagen bis zu zehn ihrer 43 Mandate abgeben müssen.

Internetunternehmen für Millionen verkauft

Der 40 Jahre alte Bennett hatte Netanyahu als Kabinettschef gedient, bis er sich mit ihm überwarf. Der Sohn von US-Einwanderern schaffte es danach der zuletzt siechen Gruppierung Jüdisches Heim neues Leben einzuhauchen, die von 1948 bis 1992 allen Regierungskoalitionen angehörte. Das Jüdische Heim bildete die religiöse Strömung innerhalb der zionistischen Bewegung, die mehrheitlich weltlich geprägt war. Bei den letzten Wahlen 2009 bekam sie aber nur noch drei Knessetsitze.

Nun bildet sie die Plattform für die Blitzkarriere des smarten und steinreichen Naftali Bennett, der ein erfolgreiches Internetunternehmen aufbaute, das er 2005 für 145 Millionen Dollar (110 Millionen Euro) verkaufte. Sein sorgsam poliertes Image als Ex-Offizier eines Spezialkommandos bringt ihm auch Sympathien bei einem Teil der wehrpflichtigen Jugend ein.

Gute Listenplätze

Zugleich vergrösserte er das Wählerpotenzial der Partei, indem er Mitstreitern unterschiedlicher Richtungen gute Listenplätze verschaffte: So ist der Rabbiner Elijahu Bendahan als orientalischer Jude ein Novum in einer Partei, die sich bislang aus europäischen Aschkenasim rekrutierte; gut positioniert ist auch die junge laizistische Politikerin Ajelet Schaked, die aus dem weltoffenen Tel Aviv stammt. Bennett sicherte sich zugleich zum extrem rechten Rand hin ab, indem er eine Listenverbindung mit der Nationalunion schmiedete.

Das Kernthema des Senkrechtstarters Bennett, der lange Jahre als oberster Funktionär des Rates der jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland fungierte, ist die Siedlungspolitik. Als Bennett im Mai 2012 den Likud verliess, gründete er die Bewegung «Die Israelis», die weltlich und religiös motivierte Nationalisten zusammenführen will und seinen «Bennett-Plan» fördern soll.

Gegner der Zweistaatenlösung

Dieser sieht vor, dass Israel 60 Prozent des Westjordanlandes annektiert, während die Palästinensische Autonomiebehörde in den restlichen Gebieten erweiterte Befugnisse erhält. Dieses Konstrukt wird von den Palästinensern strikt abgelehnt, weil der dann von ihnen verwaltete Flickenteppich keine eigene Staatlichkeit zulassen würde.

Bennett ist sowieso ein entschiedener Gegner der Zweistaatenlösung, was ihn klar rechts von der Likudpartei positioniert, die diese Option nicht grundsätzlich ablehnt. Gegenüber AFP äussert er als sein Nahziel für die Wahlen: «Ich befürworte, dass Netanyahu Regierungschef bleibt. Aber wir müssen stark genug sein, ihn an einer Koalition mit Linksparteien zu hindern.»

Hebräisch, Englisch und Französisch

Der gewiefte PR-Stratege, der die sozialen Netzwerke auf Hebräisch, Englisch und Französisch nutzt, provozierte vor drei Wochen mit der Aussage, er würde als Soldat einem Befehl, jüdischen Siedlungen zu räumen, nicht nachkommen. Nachdem unter anderem der Ministerpräsident ihm vorgeworfen hatte, er zersetze mit solchen Äusserungen die Streitkräfte, ruderte Bennett zwar zurück. Doch die Umfragen schlugen danach noch mehr zu seinen Gunsten aus.

So kommentierte Jossi Verter in der linksliberalen Zeitung «Haaretz», Netanyahu habe seine Attacke auf Bennett dermassen überzogen, dass dieser «dadurch vollends zum Darling des rechten Lagers erhoben wurde, quasi zum Führer einer alternativen Rechten.»

AFP/wid

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