Der neue IS-Anführer?

Schon vor dem Tod von Abu Bakr al-Baghdadi soll sein Nachfolger bestimmt worden sein. Sein Name: Abdullah Qardash. Sein Übername: Professor und Zerstörer.

Langjährige Weggefährten: Abu Bakr al-Baghdadi und Abdullah Qardash.

Langjährige Weggefährten: Abu Bakr al-Baghdadi und Abdullah Qardash.

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Nach dem Ende seines Kalifats ist nun auch Abu Bakr al-Baghdadi tot. Doch der Islamische Staat (IS) lebt im Untergrund weiter, sowohl in Syrien als auch im Irak. Der IS zählt weltweit zahlreiche Anhänger, die auch Terroranschläge verüben. Und nach Baghdadis Tod soll er bereits einen neuen Anführer haben. Baghdadis Nachfolger an der Spitze des IS heisst Abdullah Qardash, wie «Newsweek» berichtet. Das US-Magazin beruft sich auf Geheimdienstkreise im Nahen Osten.

Qardash ist ein langjähriger Weggefährte von Baghdadi. Dieser soll Qardash bereits im Sommer zu seinem Nachfolger bestimmt haben. Der Gesundheitszustand des selbsternannten Kalifen Baghdadi hatte sich laufend verschlechtert, nachdem er letztes Jahr bei Kämpfen im syrischen Hajin verwundet worden war. Die Meldung über die Nachfolgeregelung in der Führung des IS hatte die Amaq News Agency am 7. August 2019 verbreitet. Die Amaq News Agency ist der Nachrichtenkanal der Terrormiliz IS.

Baghdadi in US-Gefangenenlager kennengelernt

Gemäss einer Analyse von Remy Mahzam, Terrorismus-Forscher an der Nanyang Technological University in Singapur, soll Qardash dem Quraysh-Stamm angehören und damit ein Nachfahre der Familie des Propheten sein – eine zentrale Voraussetzung, um zum Leader des IS aufzusteigen. Allerdings werde Qardash weniger ein religiöser und spiritueller Führer sein als vielmehr der Chef der Organisation und Logistik innerhalb des IS.

Qardash, dessen genaues Alter nicht bekannt ist, stammt aus dem Irak. Im Zuge des Kriegs der USA gegen das Regime von Saddam Hussein landete Qardash im Jahr 2003 im berüchtigten US-Gefangenenlager Camp Bucca in Basra. Dort lernte er Baghdadi und andere Extremisten kennen. Der Absolvent von Islamstudien in Mosul hatte als Offizier in der irakischen Armee gedient. Qardash hatte seine Terroristenkarriere bei der al-Qaida als Kommissar für Religionsfragen und Scharia-Richter begonnen.

Die frühere Gefängnisbekanntschaft mit Baghdadi führte Qardash schliesslich zum IS, wo er die beiden Übernamen «Professor» und «Zerstörer» erhielt. In den Reihen des IS gilt er als populär, aber auch als grausam gegen interne Gegner. Sicherheitsexperten beschreiben ihn als «brutalen Ideologen und Entscheidungsträger». Bisher gibt es keine öffentlichen Äusserungen des mutmasslich neuen IS-Anführers. Es ist unklar, ob sich Qardash in Syrien aufhält. Dort werden jedenfalls weitere Spitzenleute des IS vermutet.

Einsatz gegen IS-Spitze läuft weiter

Nach Baghdadis Tod läuft der Einsatz in Syrien gegen IS-Führungsleute weiter. US-Truppen und die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sind inzwischen auf der Suche nach einem von Baghdadis wichtigsten Beratern, Abul-Hasan al-Muhadschir. Dies teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Al-Muhadschir hatte den Job von IS-Propagandachef Abu Mohammed al-Adnani übernommen, der im August 2016 durch einen US-Luftangriff getötet worden war. Als IS-Sprecher ist al-Muhadschir die Stimme der Terrormiliz. Er rief Anhänger und Sympathisanten im Westen in Audiobotschaften dazu auf, Anschläge zu verüben.

Erstellt: 28.10.2019, 20:58 Uhr

Auf hoher See bestattet

Die sterblichen Überreste des Anführers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, sind auf hoher See bestattet worden. Dies verlautete am Montag aus dem Pentagon. Genauere Angaben zu Ort und Verlauf der Bestattung al-Bagdadis wurden aber nicht gemacht.

Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Mark Milley, hatte zuvor bei einer Pressekonferenz gesagt, die «Beseitigung» von al-Bagdadis Überresten sei «angemessen» gehandhabt worden und abgeschlossen. (sda)

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