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Der Sudan griff im Morgengrauen an

Der Sudan hat offenbar Luftangriffe auf die Stadt Bentiu im südsudanesischen Bundesstaat Unity gestartet. Die Region ist besonders reich an Erdölvorkommen.

Der Konflikt ums Öl: Das verlassene Dorf Trogi im umstrittenen sudanesischen Grenzgebiet von Süd-Kordofan.
Der Konflikt ums Öl: Das verlassene Dorf Trogi im umstrittenen sudanesischen Grenzgebiet von Süd-Kordofan.
AFP

Im Morgengrauen seien «fünf Bomben über Bentiu abgeworfen» worden, sagte der südsudanesische Vize-Informationsminister Atem Yaak Atem der Nachrichtenagentur AFP. Offenbar war demnach eine strategische Brücke Ziel der Angriffe. Diese verbindet die Stadt in der Grenzregion mit einer Strasse Richtung Norden. Verletzt wurde aber niemand.

Bentiu liegt etwa 60 Kilometer von der Grenze zum Sudan entfernt. In dem wegen seiner reichen Ölvorkommen umstrittenen Grenzgebiet liefern sich beide Seiten seit Tagen heftige Kämpfe. Städte waren bisher aber nicht angegriffen worden. Vize-Minister Atem warf dem Sudan vor, «Vorwände für einen Krieg zu suchen». Das Land habe die Unabhängigkeit des Südens im vergangenen Juli nie gebilligt, sagte er.

Kämpfe um Heglig

Gestern hatte Khartum dem Süden die schwerste Verletzung der territorialen Integrität seit dessen Unabhängigkeit vorgeworfen. Das sudanesische Parlament sprach sich für einen Abbruch der Verhandlungen mit dem Süden über ein Sicherheitsabkommen aus. Südsudanesische Truppen (SPLA) hätten nach schweren Kämpfen die Ortschaft Heglig eingenommen, teilte der sudanesische Informationsminister Abdulla Ali Masar am Mittwoch in Khartum mit.

Bei dem dreifachen Angriff auf Heglig sei die SPLA von «ausländischen Truppen» und der sudanesischen Befreiungsfront der Rebellen in Darfur sowie einer nördlichen SPLA-Gruppe unterstützt worden, sagte Masar weiter. Nach ihrem Eindringen hätten sie Zivilisten und Unternehmen ausgeplündert. Der Südsudan will seine Soldaten nicht aus der ölreichen Grenzstadt Heglig abziehen. Präsident Salva Kiir erklärte derweil am Donnerstag vor dem Parlament, die Streitkräfte wollten auch die umstrittene Region Abyei wieder einnehmen, wenn die Vereinten Nationen den Sudan nicht zum Rückzug aufforderten.

Heglig befindet sich rund 100 Kilometer östlich der umstrittenen Region Abjei, deren Status nach der Abspaltung Südsudans vom Norden noch immer ungewiss ist. Nach einem Urteil des Ständigen Schiedshofs in Den Haag aus dem Jahr 2009 liegt Heglig jedoch in der Region Südkordofan und damit im Sudan. Allerdings beansprucht der Südsudan die Ortschaft für sich. Die Ölanlagen von Heglig steuern rund die Hälfte zur Ölproduktion des Sudans bei.

Streit um das Öl

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon rief unterdessen beide Seiten zu Deeskalation und Zurückhaltung auf, wie sein Sprecher Martin Nesirky mitteilte. Ban habe mit dem südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir telefoniert. Dabei habe er ein unverzügliches Gipfeltreffen mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir vorgeschlagen, um die Spannungen abzubauen, hiess es weiter.

EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton zeigte sich «tief besorgt» über die Eskalation des bewaffneten Konfliktes. Die Besetzung von Heglig durch südsudanische Soldaten sei «nicht hinnehmbar», das Gleiche gelte für die Bombardierung südsudanesischen Territoriums durch die Streitkräfte des Sudans. Die EU-Aussenbeauftragte rief beide Regierungen auf, ihre Soldaten sofort hinter die eigenen Grenzen zurückzuziehen und ihren Konflikt friedlich zu lösen.

Der Südsudan ist reich an Erdölvorkommen, jedoch darauf angewiesen, das Öl über Pipelines durch den Norden exportieren zu können. Der Unabhängigkeit des Südsudan war ein zwei Jahrzehnte langer Bürgerkrieg zwischen der sudanesischen Zentralregierung und dem überwiegend christlichen Süden des Landes vorausgegangen. Bis zu einem Friedensabkommen im Jahr 2005 starben zwei Millionen Menschen.

AFP/dapd/jak

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