Omans «Vater» stirbt und bestimmt Nachfolger

Sultan Qabus bin Zayd regierte seit 1970 das Land auf der Arabischen Halbinsel und hielt es aus allen grossen Krisen heraus.

Der Sultan war vom Westen unterstützt: Qabus bin Said während eines Treffens mit US-Aussenminister Mike Pompeo in Muskat. (14. Januar 2019)

Der Sultan war vom Westen unterstützt: Qabus bin Said während eines Treffens mit US-Aussenminister Mike Pompeo in Muskat. (14. Januar 2019) Bild: Andrew Caballero-Reynolds/Keystone

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Sultan Qabus baute den Oman fast aus dem Nichts in einen modernen Staat um. Nun starb der so geliebte wie absolute Herrscher. Er hinterlässt keine Nachkommen. Aber einem sagenumwobenen Umschlag.

Wenn ein absoluter Herrscher stirbt und seine Untertanen weinen, macht das erst einmal skeptisch. Gehirnwäsche, Zwang, Schauspielerei? Im Oman ist die Trauer dagegen echt. Denn das Volk liebte seinen «Vater». Und das, obwohl den Omanis echte Mitbestimmung verwehrt blieb. Sultan Qabus starb nach schwerer Krankheit und fast 50 Jahren als Herrscher des arabischen Staates.

Als er sich am 23. Juli 1970 an die Macht putschte und seinen Vater aufs Altenteil verbannte, hatte das Land gerade einmal zehn Kilometer asphaltierte Strasse. «Es gab keine Gärten, keine Strassen, kein (elektrisches) Licht», sagte ein Taxifahrer, während sein voll klimatisierter Wagen über eine der perfekt geteerten Fahrbahnen in der Hauptstadt Maskat glitt.

Die Strassen sind nur ein Beispiel für die Errungenschaft der Ära Qabus. Die medizinische Versorgung wurde kostenlos und erreicht in den Städten sogar westliches Niveau. Auch Schulen sind beitragsfrei. Zudem wurden Renten für Alte, Witwen und Waisen sowie ein Mindestlohn eingeführt. Erdöl hat den Oman und seine Bewohner wohlhabend, aber nicht so grössenwahnsinnig wie andere Golfstaaten gemacht.

Viel Fingerspitzengefühl

Stabilität und Wohlstand liessen Qabus zum unumstrittenen Alleinherrscher werden. Und das, obwohl er seinem Volk Freiheitsrechte verwehrte, für die in anderen Ländern Aufstände losbrachen. Die Medien im Sultanat sind gelenkt, politische Mitbestimmung gibt es nur eingeschränkt - auch wenn der Herrscher es mit viel Fingerspitzengefühl verstand, auf die Bedürfnisse der verschiedenen Teile der Gesellschaft einzugehen.

Menschenrechtsorganisationen kritisieren die begrenzte Meinungs- und Versammlungsfreiheit. So berichtete Human Rights Watch von Haftstrafen für Facebook- und Twitter-Nutzer, die angeblich Gott oder den Sultan beleidigt hätten. Doch im Oman blieb es auch während des Lauffeuers der arabischen Aufstände 2011 vergleichsweise ruhig. Der Herrscher erliess kleinere Reformen. Das Jahr der Umstürze zog unbeschadet an ihm vorbei.

«Schweiz des Nahen Ostens»

Qabus baute das Land auch zu einem führenden Mittler der internationalen Diplomatie aus. Über viele internationale Konflikte wurde im und mit dem Oman verhandelt. So wurde die Basis für den Atomdeal mit dem Iran auch im Sultanat geschaffen. Voraussetzung dafür war, dass sich der Oman einen Namen als «Schweiz des Nahen Ostens» gemacht hatte und als neutral gilt.

«Das Sultanat hat eine gute Beziehung mit allen Ländern. Dies ist einer der Eckpfeiler für die Beziehung des Omans mit allen Ländern», sagte Aussenminister Jusuf Bin Alawi dazu. Ein phrasenhaftes Zitat. Trotzdem aber auch ein zutreffendes.

Qabus zeigte sich in den vergangenen Jahren kaum noch öffentlich und schickte meistens seine Minister. In der 2011 eröffneten prachtvollen schneeweissen Oper Maskats blieb ein Stuhl seit Jahren leer: der mit rotem Samt überzogene Opernthron des Sultans. Zeitweise musste Qabus sich in Garmisch-Partenkirchen behandeln lassen. In die bayerische Stadt reiste Qabus gerne, dort besass er ein Haus - und kam bis kurz vor seinem Tod immer zurück. Der Mann mit dem akkurat gestutzten weissen Bart litt Medienangaben zufolge an Krebs.

Liebe erst einmal verdienen

Der kinderlose Qabus hatte für den Tag der Tage auch mit einem im Sultanat legendären Brief vorgesorgt. Darin legte er fest, wer sein Nachfolger werden soll. Der mit Siegeln verschlossene Umschlag wurde am Samstag im Verteidigungsrat des Landes feierlich geöffnet und dann der letzte Wille des Verstorbenen verlesen: Neuer Herrscher ist sein 65 Jahre alter Cousin Haitham bin Tarik Al Zayd, bisher Kulturminister. Noch am Samstag legte er seinen Eid ab.

Der neue Sultan steht vor grossen Herausforderungen. Ähnlich wie in Saudiarabien besteht sein Haushalt zum allergrössten Teil aus Ölgeld, das eines Tages ausgehen wird. Die Region bleibt zudem konfliktreich. Die Iran-Krise und den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen erlebt der Oman aus unmittelbarer Nähe. Wie sein Vorgänger will auch Sultan Haitham als Vermittler auftreten und gute Beziehungen zu allen pflegen. Auf ihn wartet viel Arbeit. Und ein Volk, dessen Liebe er sich erst einmal verdienen muss. (roy/sda)

Erstellt: 11.01.2020, 03:41 Uhr

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