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Der Tiger brüllt wieder

Nawaz Sharifs Muslimliga triumphierte bei den Wahlen in Pakistan. Der schwerreiche Stahlbaron feiert damit ein Comeback auf der politischen Bühne – obwohl sein Verhältnis zur Demokratie unklar ist.

Comeback eines Exilanten: Nawaz Sharif winkt an einer Wahlkampfveranstaltung seinen Anhängern zu. (5. Mai 2013)
Comeback eines Exilanten: Nawaz Sharif winkt an einer Wahlkampfveranstaltung seinen Anhängern zu. (5. Mai 2013)
AFP
Siegesgewiss: Der pakistanische Ex-Premierminister Nawaz Sharif lässt sich am Wahlabend von seinen Anhängern feiern. (11. Mai 2013)
Siegesgewiss: Der pakistanische Ex-Premierminister Nawaz Sharif lässt sich am Wahlabend von seinen Anhängern feiern. (11. Mai 2013)
Keystone
Der bisherigen Regierung droht eine Niederlage: Ein Pakistaner gibt seine Stimme per Fingerabdruck ab. (11. Mai 2013)
Der bisherigen Regierung droht eine Niederlage: Ein Pakistaner gibt seine Stimme per Fingerabdruck ab. (11. Mai 2013)
Reuters
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«Der Tiger brüllt wieder», lautet eine der Schlagzeilen am Tag danach. Sie gilt dem pakistanischen Ex-Premier Nawaz Sharif, dessen konservative Muslimliga bei den Parlamentswahlen in Pakistan verblüffend deutlich triumphierte. Verblüffend nicht zuletzt, weil der schwerreiche Stahlbaron schon zwei Mal aus dem Amt gejagt worden war: 1993 vom damaligen Präsidenten, 1999 vom Militär. Nach 14 Jahren zwischen Gefängnis, Exil und Opposition feiert Sharif nun ein bemerkenswertes Comeback.

Ausgerechnet eine historische Wahl, bei der erstmals eine pakistanische Zivilregierung am Ende ihrer Amtszeit auf demokratischem Wege abgelöst wurde, verhilft dem 63-Jährigen wieder ans politische Ruder. Dabei ist sein Verhältnis zur Demokratie alles andere als eindeutig: Sharif begann seine politische Laufbahn unter einer Militärdiktatur, seine beiden Amtszeiten als Premierminister wurden durch Korruptionsvorwürfe überschattet.

Er machte Butto das Leben schwer

Die politischen Anfänge Sharifs fallen in die Zeit von General Zia Ul Haq, der Pakistan von 1977 bis 1988 mit harter Hand regierte. Der Militärdiktator ernannte den Spross einer reichen Unternehmerdynastie zum Finanzminister der Provinz Punjab – nicht zuletzt, weil Sharifs Familie für ihre Abneigung gegen den Clan des hingerichteten Premierministers Zulfiqar Ali Bhutto bekannt war. Kein Wunder also, dass Sharif fortan der Bhutto-Tochter Benazir das Leben schwer machte, die nach General Zias Tod Premierministerin des Landes geworden war.

Nachdem Benazir Bhutto 1990 zurücktreten musste, übernahm Sharif die Regierungsgeschicke in Islamabad. Doch nach drei Jahren überwarf sich der ehrgeizige Politiker mit Staatspräsident Ghulam Ishaq Khan und wurde seinerseits entlassen. Zunächst avancierte wieder Bhutto zur Regierungschefin. Als sie 1996 über Korruptionsvorwürfe stolperte, errang Sharif erneut einen rauschenden Wahlsieg und die Zweidrittelmehrheit im Parlament. So gestärkt, legte er sich mit der Armee an und machte Pervez Musharraf 1998 zum Militärchef. Doch der putschte ihn nur ein Jahr später aus dem Amt.

Zu lebenslanger Haft verurteilt

Hatte Sharif soeben noch mit den Muskeln gespielt und Pakistan als Atommacht etabliert, begann sein Stern jetzt zu sinken. Ein Militärgericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft, Sharif ging ins Exil. Als er 2007 nach sieben Jahren in seine Heimat zurückkehrte, sagte er Musharraf gemeinsam mit seiner früheren Erzrivalin Bhutto den Kampf an – und setzte nach deren Ermordung seine Mission zunächst gar gemeinsam mit ihrem Witwer Asif Ali Zardari fort.

Gemeinsam drängten sie die Musharraf-Anhänger bei den Parlamentswahlen 2008 aus der Regierung und den Militärherrscher ein Jahr darauf schliesslich aus dem Präsidentenamt. Doch das Bündnis mit Zardaris Volkspartei PPP zerbrach, Sharif verliess die Koalition und begann einen neuen Feldzug gegen den früheren Partner.

Jetzt muss er liefern

Für den Westen bleibt der stets sorgsam frisierte Mitte-Rechts-Politiker eine schwer kalkulierbare Grösse. Zwar stellte er die US-Militärstrategie gegen das Terrornetzwerk Al-Qaida öffentlich infrage und warb für Friedensgespräche mit den pakistanischen Taliban. Doch zu den heftig umstrittenen US-Drohnenangriffen äusserte er sich weit weniger kritisch als sein ärgster Wahlkonkurrent Imran Khan.

Bei den Wählern konnte Sharif mit seiner Wirtschaftskompetenz punkten, doch das heutige Pakistan ist nicht mehr dasselbe wie zu Beginn seiner letzten Amtszeit 1997: Konjunktur und Währung schwächeln, regelmässige Stromausfälle verärgern die Industrie – und ohne frische Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) dürfte das Land bald pleite sein. Das hinderte Sharif freilich nicht daran, im Wahlkampf eine neue Autobahn zwischen den Metropolen Lahore und Karachi sowie den Start eines Hochgeschwindigkeitszuges zu versprechen. Die Erwartungen sind hoch, jetzt muss er liefern. Sonst droht der brüllende Tiger ein drittes Mal als Bettvorleger zu landen.

AFP/rbi

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