Er traf Bin Laden zum Interview

Der Journalist Jamal Khashoggi hatte einst Kontakte bis ins saudische Königshaus. Gerüchten zufolge wurde er nun von 15 Agenten getötet.

Berichtete als einer der ersten über Al Quaida: Journalist und Blogger Jamal Khashoggi am WEF in Davos.

Berichtete als einer der ersten über Al Quaida: Journalist und Blogger Jamal Khashoggi am WEF in Davos. Bild: Keystone

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Jamal Khashoggi war klar, dass seine Kritik an Kronprinz Muhammad bin Salman sein Leben für immer verändern würde. Er werde wohl nicht mehr in seine Heimat Saudiarabien zurückkehren können, sagte der 59 Jahre alte Journalist der BBC, drei Tage bevor er im Konsulat des Königreichs in Istanbul verschwand. Er plante ein neues Leben: Er wollte seine türkische Verlobte heiraten – am Tag nach dem Besuch im Konsulat. Sie hatten ein Haus gekauft in Istanbul.

Es wäre eine weitere Wende seiner Karriere gewesen, in der Khashoggi zeitweise über beste Kontakte zur königlichen Familie verfügte – und dort doch immer wieder aneckte. Nach seinem Studium in den USA Anfang der Achtzigerjahre hatte er erst als Manager einer Buchladen-Kette gearbeitet, bevor er 1985 in den Journalismus wechselte. Er schrieb für saudische Zeitungen, berichtete über den Golfkrieg 1990 und aus Afghanistan.

Mehrmals interviewte er Osama Bin Laden, das erste Mal 1987 in Afghanistan, als der saudische Staatsangehörige noch mit Unterstützung Riads und westlicher Geheimdienste aufseiten der Mujahedin gegen die Sowjetunion kämpfte. 1988 veröffentlichte er eines der ersten Porträts über Bin Laden. Khashoggi traf ihn auch noch, als der schon zum Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida aufgestiegen war, das Anfang der 90er-Jahre mit Anschlägen auf US-Ziele von sich reden machte.

Diese Aufnahme einer Sicherheitskamera soll Khashoggi zeigen, wie er das saudische Konsulat in Istanbul betritt. Seither wurde er nicht mehr gesehen. Foto: Keystone

Diese Kontakte brachten ihm Probleme mit den Sicherheitsbehörden ein, führten zu Spekulationen, er habe für saudische oder amerikanische Geheimdienste gearbeitet. Weggefährten versichern, er sei zwar religiös gewesen in dieser Phase seines Lebens, habe aber nie mit den Jihadisten sympathisiert – mit der Muslimbruderschaft und dem politischen Islam dagegen schon.

Er liess alles zurück

Seiner Karriere in Saudiarabien tat all dies keinen Abbruch: Er stieg in Führungspositionen auf, wurde aber auch als Chef der Tageszeitung «al-Watan» zweimal gefeuert, weil er den Einfluss ultrakonservativer Kleriker geisselte. Zwischendurch, von 2003 bis 2006, diente er Prinz Turki al-Faisal als Berater, während der langjährige Geheimdienstchef Botschafter in London und Washington war. Khashoggi fungierte quasi als inoffizieller Sprecher Riads. Ein saudischer TV-Sender in Bahrain unter seiner Leitung musste dennoch kurz nach Sendebeginn schliessen – wegen eines Interviews mit einem Oppositionellen.

Im Herbst 2017 setzte sich Khashoggi in die USA ab; er fürchtete, verhaftet zu werden. Die Regierung hatte ihm da schon den Mund verboten. Er liess alles zurück: seine Heimat, sein Haus, seine Familie, deren bekanntestes Mitglied ein Cousin war, der 2017 gestorbene Waffenhändler Adnan Khashoggi.

Die Angehörigen wandten sich ab, seine Frau reichte die Scheidung ein. Offen ist, ob der Druck der Autoritäten dabei eine Rolle spielte. Der saudische Botschafter in den USA versicherte jüngst Journalisten: «Jamal hat im Königreich viele Freunde, mich eingeschlossen.» Trotz Meinungsverschiedenheiten habe man regelmässig Kontakt gepflegt. Man tue alles, um ihn zu finden. Die (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.10.2018, 07:55 Uhr

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