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Der Wortführer der persischen Strasse tritt ab

Kaum jemand kannte den kleinen Mann, der im Jahr 2005 überraschend zum iranischen Präsidenten gewählt wurde. Nach acht Jahren im Amt kennt ihn die ganze Welt – als isolierten Unruhestifter.

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Seine zweite Amtszeit war schwer: Der iranische Präsident  Mahmoud Ahmadinejad im Süden des Libanon. (14. Juni 2013)
Seine zweite Amtszeit war schwer: Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Süden des Libanon. (14. Juni 2013)
Reuters
Trafen sich zum Fussballspielen: Ahmadinejad und der bolivianisch Präsident Evo Morales in Teheran. (26. Oktober 2010)
Trafen sich zum Fussballspielen: Ahmadinejad und der bolivianisch Präsident Evo Morales in Teheran. (26. Oktober 2010)
Reuters
Auch dem syrischen Machthaber schüttelte er die Hand: Ahmadinejad mit Bashar al-Assad in Damaskus. (25. Februar 2010)
Auch dem syrischen Machthaber schüttelte er die Hand: Ahmadinejad mit Bashar al-Assad in Damaskus. (25. Februar 2010)
Reuters
Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz kam 2009 in Genf mit Ahmadinejad zusammen. (19. Juni 2009)
Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz kam 2009 in Genf mit Ahmadinejad zusammen. (19. Juni 2009)
Keystone
Sorgte für viel Wirbel: Ahmadinejad vor der UNO-Vollversammlung in New York. (3. Mai 2010)
Sorgte für viel Wirbel: Ahmadinejad vor der UNO-Vollversammlung in New York. (3. Mai 2010)
Reuters
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Als im Juni 2005 ein kleiner Mann im Anorak mit dem typischen Dreitagebart der Regimeanhänger die Präsidentenwahl im Iran gewann, waren nicht nur im Ausland viele überrascht. Zwar war Mahmoud Ahmadinejad da bereits zwei Jahre Bürgermeister von Teheran, doch landesweit fehlte es ihm lange an der nötigen Popularität. Selbst seine eigene Partei hob zunächst einen anderen Kandidaten aufs Schild. Nun, da er nach zwei vierjährigen Amtszeiten die Macht abgibt, ist er zwar erneut isoliert, doch seinen Namen kennt inzwischen die ganze Welt.

Wesentlich dazu bei trug seine angebliche Äusserung vom Oktober 2005, wonach Israel von der Landkarte radiert werden müsse. Inmitten der Debatte um das iranische Atomprogramm klang dies von einem Mann, der als radikal und irrational galt, als wolle der Iran aktiv in den Nahost-Konflikt eingreifen. Zwar hatte er eigentlich gesagt: «Das Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss aus den Annalen der Geschichte getilgt werden» - und damit auch nur Staatsgründer Ayatollah Khomeini zitiert. Doch die falsche Übersetzung liess sich nicht mehr einfangen.

Holocaust als Mythos

Ahmadinejad tat jedoch wenig, die internationale Empörung zu mindern. Vielmehr goss er weiter Öl ins Feuer und wiederholte bei jeder Gelegenheit seine Angriffe auf Israel. Im Dezember 2005 legte er noch nach, als er den Holocaust als Mythos bezeichnete. Zunächst ging sein Kalkül auf, sich damit als Wortführer der persischen Strasse zu positionieren. Doch als er ein Jahr später eine Konferenz notorischer Holocaust-Leugner organisierte, ging das auch vielen seiner Anhänger zu weit.

Selbst Konservative kritisierten, dass er damit unnötig die internationale Isolation seines Landes verschärfe. Auch sonst mehrte sich die Kritik am Präsidenten. Seine Behauptung, in direktem Kontakt mit dem Mahdi, dem schiitischen Messias, zu stehen, kam bei den Geistlichen nicht gut an. Sein Versuch, erstmals Frauen in Stadien zuzulassen, stiess ebenfalls auf Widerstand. Zudem mehrten sich die Konflikte mit dem Parlament und nicht zuletzt dem geistlichen Oberhaupt, Ayatollah Ali Khamenei.

Proteste niedergeschlagen

Vor der Präsidentenwahl im Juni 2009 war Ahmadinejad für viele Konservative keineswegs erste Wahl. Als der Reformer Mir Hossein Mussavi nach einem packenden Wahlkampf zu gewinnen drohte, scharten sie sich aber doch wieder hinter Ahmadinejad. Mit brutaler Gewalt liess Khamenei die Proteste niederschlagen, während Ahmadinejad die Demonstranten als «Staub und Dreck» verhöhnte. Die Reformbewegung im Iran wurde so gründlich zerschlagen, dass sie sich bis heute nicht erholt hat.

Die zweite Amtszeit gestaltete sich schwierig für Ahmadinejad. In den Jahren zuvor hatte er auf ausgedehnten Reisen durch die Provinzen mit beiden Händen Geld für neue Strassen, Schulen und Krankenhäuser verteilt. Doch nicht nur hatte dies den Staatshaushalt massiv belastet, sondern auch die Inflation in die Höhe getrieben. Viele moserten, der Präsident habe zwar sein Versprechen erfüllt, «die Öleinnahmen auf den Esstisch des Volkes» zu bringen, doch könne sich das Volk davon auch nicht mehr kaufen.

Zu der Wirtschaftskrise, die sich wegen der Verschärfung der Sanktionen zunehmend verschlimmerte, kamen heftige Spannungen mit Khamenei. Im Streit um die Absetzung des Geheimdienstministers Hejdar Moslehi kam es im April 2011 zur offenen Konfrontation. Auch mit dem Parlament lieferte sich der Präsident eine endlose Abfolge an Auseinandersetzungen. Wenn Ahmadinejad im Sommer sein Amt abgibt, ist er 57. Für den Ruhestand ist das zu jung, doch eine politische Zukunft für ihn ist derzeit schwer vorstellbar.

(AFP)

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