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Die Hamas wären die Profiteure einer Wende in Ägypten

Die radikalislamische Organisation hofft auf den Sturz von Mubarak. Denn Ägyptens Präsident hat dem Gazastreifen den Hahn zugedreht. Ohne die Schmugglertunnels wären die Hamas ganz aufgeschmissen.

miw
Hass auf Palästinas Führung, Hoffnung auf die Revolte in Ägypten: Im Gazastreifen protestieren am 28. Januar Tausende Hamas-Anhänger gegen den palästinensischen Präsidenten Abbas.
Hass auf Palästinas Führung, Hoffnung auf die Revolte in Ägypten: Im Gazastreifen protestieren am 28. Januar Tausende Hamas-Anhänger gegen den palästinensischen Präsidenten Abbas.
Keystone
Angespannte Lage: Vermummte in Gaza City.
Angespannte Lage: Vermummte in Gaza City.
Keystone
Hetzt gegen Palästinas Präsident Mahmoud Abbas auf: Hamas-Führer Khalil Al-Halya.
Hetzt gegen Palästinas Präsident Mahmoud Abbas auf: Hamas-Führer Khalil Al-Halya.
Keystone
Die Stimmung ist geladen: Anhänger der Hamas vor der Aqsa Moschee.
Die Stimmung ist geladen: Anhänger der Hamas vor der Aqsa Moschee.
Reuters
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Die Palästinenser im Gazastreifen verfolgen die dramatische Entwicklung in Ägypten mit besonderem Interesse. Angesichts der Abschottung des von der radikalislamischen Hamas beherrschten Autonomiegebiets durch Präsident Hosni Mubarak kann ein Machtwechsel im Nachbarland in ihren Augen nur gut sein.

«Jeder in Gaza wartet auf einen Umbruch auf ägyptischer Seite, denn Ägypten ist die Lunge, durch die wir atmen», sagt ein Hamas-Funktionär. Seinen Namen möchte er nicht genannt wissen, weil er Order von oben hat, die sich überschlagenden Ereignisse nebenan nicht zu kommentieren. «Jeder Wandel in Ägypten würde sich in Gaza widerspiegeln.»

Wie Israel hatte auch Ägypten den Gazastreifen mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern weitgehend abgeriegelt, nachdem die Hamas 2007 dort die Macht übernommen hatte. Hunderte Schmugglertunnel unter der 15 Kilometer langen gemeinsamen Grenze hindurch bilden aber eine wichtige Versorgungsroute für Gaza. Entgegen frischer Hoffnungen auf eine Öffnung der Grenze jedoch wurde das Gebiet als Folge der Unruhen in Ägypten zunächst erst recht isoliert.

Autofahrer hamstern Sprit

Der Grenzübergang, der vor einigen Monaten im Rahmen einer leichten Lockerung der Blockade teilweise geöffnet worden war, wurde am Sonntag bis auf weiteres wieder geschlossen. Schmuggler berichten, dass der Warenstrom aus Ägypten, auch der Nachschub an billigem Kraftstoff, in den letzten Tagen unterbrochen ist. Die Einwohner von Gaza haben begonnen, Sprit zu hamstern, an den Tankstellen stehen die Autofahrer Schlange.

Dass Ägypten Israel dabei hilft, das palästinensische Territorium abzuriegeln, kommt in der arabischen Welt gar nicht gut an. Normalbürger und Hamas-Anhänger in Gaza hoffen darauf, dass jede künftige ägyptische Regierung unter diesem Druck die Blockade schnell lockern würde.

«Wenn in Ägypten Wolken aufziehen, regnet es in Gaza»

Im Flüchtlingslager Bureidsch zeigt sich der 29-jährige Chaled Nasser zuversichtlich. «Die alten Frauen sagen immer, wenn du in Ägypten Wolken am Himmel siehst, wird es in Gaza regnen. Es gibt gute Neuigkeiten», sagt der Taxifahrer, der in seinem Autoradio die Meldungen aus Kairo hört.

In Bureidsch tauchte am Sonntagmorgen auch einer der Gefängnisinsassen auf, die in Ägypten zu Tausenden ausgebrochen waren. Der 27 Jahre alte Hassan Waschah, nach eigenen Angaben wegen eines versuchten Anschlags in Israel zu zehn Jahren Haft verurteilt, berichtete, er sei inmitten von Chaos und Schiessereien vom Gefängnishof entkommen und habe sich durch einen der Tunnel zurück nach Hause geschlichen.

Angespannte Beziehungen zwischen Mubarak und den Hamas

Die Beziehungen der Hamas zur Regierung Mubarak waren nie einfach. Die Islamisten forderten Ägypten wiederholt heraus und weigerten sich beispielsweise, einem Vermittlungsvorschlag zur Teilung der Macht mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zuzustimmen. Auf einen kompletten Bruch mit Kairo wollten sie es indes nicht ankommen lassen, hat doch Mubarak den Schlüssel für das Tor nach Gaza in der Hand. Mubarak wiederum versuchte, die Hamas - einen Ableger der in Ägypten verbotenen Muslimbruderschaft - im Zaum zu halten, hielt aber zugleich Gesprächskanäle offen.

Im Westjordanland verfolgt die Autonomieregierung unter Abbas den Aufruhr in Ägypten voll Sorge. Würde Mubarak geschwächt oder gar gestürzt, verlöre Abbas seinen wichtigsten arabischen Schutzpatron. Seit er 2005 Präsident wurde, hat Abbas jede wichtige Entscheidung der Verhandlungen mit Israel mit Mubarak abgestimmt; er ist regelmässig zu Besuch in Kairo und verliess sich auf Ägypten als Mittler zur Hamas.

Der palästinensische Präsident hat es bislang vermieden, öffentlich Stellung zu beziehen, und sprach sich lediglich für Sicherheit und Stabilität in Ägypten aus. Eine kleine Solidaritätskundgebung für die dortige Protestbewegung vor der diplomatischen Vertretung Ägyptens im Westjordanland lösten seine Sicherheitskräfte am Sonntag schleunigst auf.

(dapd/ap)

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