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Die Hamas zeigt sich unbeeindruckt von israelischer Offensive

Israelische Truppen zerstören Tunnel und Raketen-Infrastruktur der Hamas. Bei der Offensive wurden bereits 55 Personen getötet, darunter acht Mitglieder einer Familie. Die Hamas will unbeirrt weiterkämpfen.

Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
Feiern sich als Sieger: Palästinenser in Gaza-Stadt nach der Einigung auf die Waffenruhe. (26. August 2014)
AP Photo/Khalil Hamra, Keystone
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
Jubel in Gaza-Stadt: Eine Familie in einem Auto. (26. August 2014)
AP Photo/Adel Hana, Keystone
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Public Viewing der besonderen Art: Israelis sitzen auf einem Sofa auf einem Hügel der Stadt Sderot und blicken in Richtung Gazastreifen. (12. Juli 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone
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Nach zehn Tagen mit mehr als 2000 Luftangriffen treibt Israel nun seine Bodenoffensive im Gazastreifen mit unnachgiebiger Härte voran. Soldaten zerstörten gestern Raketenabschussrampen und Tunnel der radikalislamischen Hamas, Panzer deckten die Region mit Geschosssalven ein, und immer wieder kam es zu Gefechten mit palästinensischen Kämpfern.

Diese Videoaufnahmen wurden vom israelischen Militär veröffentlicht. (The Israel Defense Force (IDF))

Seit Beginn der Angriffe in der vergangenen Woche sind nach palästinensischen Angaben mehr als 300 Palästinenser umgekommen, ein Grossteil davon Kinder, Frauen und andere unbeteiligte Zivilisten. Bei Luftangriffen auf das Küstengebiet in der Nacht zum Samstag starben nach jüngsten Angaben von Rettungskräften weitere elf Palästinenser.

Bei der am Donnerstagabend gestarteten Bodenoffensive wurden 55 Menschen getötet. Beim Beschuss durch israelische Panzer sind offenbar acht Mitglieder einer Familie getötet worden. Zwei Männer, zwei Frauen und vier Kinder seien in ihrem Haus in Beit Hanun im Norden des Küstengebiets gestorben, sagte der Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte, Aschraf al-Kudra. Das israelische Militär berichtete von 20 toten Extremisten. Es habe nur wenig Widerstand gegeben und die Zerstörung der Tunnel komme gut voran, hiess es.

Netanyahu wies das Militär an, sich auf eine «erhebliche Ausweitung» der Militäraktion vorzubreiten. Die Streitkräfte sollten dem Netzwerk von Tunneln der Hamas einen Schlag versetzen. Dies sei allein mit Luftangriffen nicht möglich, sagte Netanyahu vor einer Kabinettssitzung in Tel Aviv.

«Wir haben uns dazu entschlossen, die Operation zu beginnen, nachdem andere Option ausgeschöpft waren, und tun dies im Bewusstsein, dass ohne diese Operation der Preis, den wir zahlen werden, sehr hoch sein kann», fügte Netanyahu hinzu. «Es wird nicht schnell vorbei sein», sagte auch der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Izchak Aharonowitsch. «Wenn wir weitermachen müssen, werden wir weitermachen.»

Die internationale Gemeinschaft bemüht sich um Deeskalation und UN-Generalsekretär will persönlich in den Nahen Osten kommen, um sich für eine Waffenruhe einzusetzen. Ban werde am Samstag in die Region reisen, sagte der stellvertretende UN-Generalsekretär Jeffrey Feltman bei einer kurzfristig einberufenen Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates in New York.

Die israelischen Truppen beklagen ein Opfer seit Beginn der Bodenoffensive. Wie der Soldat zu Tode kam, war zunächst unklar. Der militärische Flügel der Hamas erklärte, er habe israelische Einheiten bei der Stadt Beit Lahija beschossen und Opfer verursacht. Nach israelischen Medienberichten könnte der Soldat jedoch versehentlich von eigenen Truppen getötet worden sein.

Hamas gibt sich unnachgiebig

Die Hamas, die in den vergangenen Tagen mehr als 1500 Raketen auf Israel abgefeuert hatte, zeigt sich bislang unbeeindruckt. «Die Bodenoffensive macht uns keine Angst», sagte Sprecher Sami Abu Suhri. «Wir werden die Besatzungsarmee im Schlamm von Gaza ertränken.» Die Hamas hat bereits mehrere israelische Grossoperationen überstanden, darunter auch eine dreiwöchige Bodenoffensive im Jahr 2009. Allerdings gilt die Hamas heute als schwächer, mit weniger regionaler und internationaler Unterstützung.

Auch die Organisation islamischer Jihad meldete sich: «Das palästinensische Volk im Gazastreifen wird sich dem Feind nicht ergeben und wird nicht die weisse Flagge hissen», sagte ein Sprecher im palästinensischen Radio. Man halte sich alle Optionen offen, solange «der Feind nicht auf die Forderungen des Widerstands reagiert».

Die Offensive ist nach israelischen Angaben nicht befristet. In den vergangenen Tagen waren 48'000 Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen zusammengezogen worden, am Donnerstagabend gab die Regierung grünes Licht für 18'000 weitere Reservisten.

Über dem Nachthimmel flackerten Feuer

Schon kurz nach Beginn der israelischen Bodenoffensive spielten sich vor Ort offenbar dramatische Szenen ab. «Jede Minute schlagen Panzergranaten ein», sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörde im Gazastreifen. Das gesamte Küstengebiet stehe unter Beschuss. Vom Meer aus würde zudem auf Polizeiposten geschossen. Über dem Nachthimmel flackerten Feuer, dichter Rauch stieg auf. Krankenwagensirenen heulten.

Der israelische Regierungssprecher Mark Regev sagte, Bodentruppen in den Gazastreifen zu schicken, sei für Israel keine leichte Entscheidung gewesen. Doch sei dies nötig gewesen, um der strategischen Bedrohung durch die Tunnel zu begegnen, über die «Terroristen in Israel eindringen und Massentod auslösen» könnten. Im Übrigen habe «die Hamas die Tür zu einer diplomatischen Lösung verschlossen».

«Hamas benutzt Krankenwagen gefüllt mit Kindern»

Nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef waren mindestens 59 der bisherigen Opfer Kinder – rund ein Fünftel der Toten. 40'000 Palästinenser suchten Schutz in den Lagern der Flüchtlingshilfsorganisation UNRWA. Israel wirft der Hamas vor, Kinder und andere Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu gebrauchen.

Die Hamas benutze Krankenwagen gefüllt mit Kindern, um sich durch den Gazastreifen zu bewegen, sagte der israelische UN-Botschafter Ron Prosor bei der Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats. Der palästinensische Botschafter Rijad Mansur drohte damit, Israel vor internationalen Gerichten zur Rechenschaft zu ziehen, sollte der Sicherheitsrat die Zivilisten nicht schützen.

AP/AFP/bru/rub

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