Zum Hauptinhalt springen

Syrische Regierung soll Fassbomben abgeworfen haben

Syrische Truppen haben ihre schweren Angriffe auf die Rebellen-Enklave Ost-Ghuta fortgesetzt. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 300. Emmanuel Macron fordert eine Waffenruhe.

sda
Die Lage in Syrien spitzt sich weiter zu: In Ost-Ghuta sollen bereits über 300 Menschen gestorben sein. (Video: Reuters)

Nach einer kurzen Kampfpause in der Nacht habe der Beschuss mit Raketen und die Bombardierung des Gebiets von Ost-Ghuta im Umland der syrischen Hauptstadt am Morgen wieder zugenommen, teilte die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Dabei seien aus Helikoptern auch Fassbomben abgeworfen worden.

Ärzte ohne Grenzen (MSF) meldete am Mittwoch, von ihrer Organisation unterstützte Kliniken in Ost-Ghuta hätten einen Massenandrang mit hunderten Verletzten und Toten gemeldet. In den vergangenen drei Tagen seien 13 dieser Gesundheitseinrichtungen angegriffen und dabei zerstört oder beschädigt worden. Die medizinische Versorgung in der Region verschlechtert sich dadurch weiter massiv. Auch am Mittwoch seien 24 Zivilisten bei Luftangriffen getötet und 200 weitere verletzt worden, teilte die in Grossbritannien ansässige Organisation mit, die ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort bezieht.

Die am Sonntag begonnenen Bombardements von Ost-Ghuta sind Teil einer seit einigen Monaten verstärkten Kriegsführung an mehreren Fronten, mit welcher der von Russland unterstützte Präsident Baschar al-Assad den Sieg in dem fast siebenjährigen Bürgerkrieg erzwingen will. Sie gehören zu den massivsten Angriffen seit Kriegsbeginn.

Offenbar auch Damaskus unter Beschuss

Ein Kommandant der Allianz aus Regierungstruppen und verbündeten Milizen erklärte, mit der Bombardierung solle Beschuss von Damaskus aus dem Rebellengebiet heraus unterbunden werden. Zudem bereite man damit eine Bodenoffensive vor. «Die Offensive hat noch nicht begonnen. Das ist vorbereitende Bombardierung», sagte der Kommandant der Nachrichtenagentur Reuters.

Laut staatlichen Medien schlugen in Damaskus aus dem Rebellengebiet abgefeuerte Granaten ein und verletzten am Mittwoch zwei Menschen. Am Dienstag seien durch ähnlichen Beschuss mindestens sechs Menschen getötet worden. Nach russischen Angaben wurde ein Beobachtungszentrum für den Waffenstillstand getroffen. Ost-Ghuta ist das letzte grössere von Rebellen kontrollierte Gebiet nahe der Hauptstadt Damaskus. In dem seit 2013 von Regierungstruppen eingeschlossen Gebiet leben 400'000 Menschen. Die Uno hat eine Feuerpause gefordert und die jüngsten Angriffe, bei denen auch Krankenhäuser und zivile Einrichtungen zerstört wurden, aufs Schärfste verurteilt. Solche Angriffe könnten als Kriegsverbrechen eingestuft werden, erklärte die Uno.

Auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron forderte eine Waffenruhe. «Unter dem Vorwand des Kampfs gegen dschihadistische Terroristen hat sich das Regime entschlossen, zusammen mit einigen seiner Verbündeten die Zivilbevölkerung und offenbar einige seiner Gegner anzugreifen», sagte Macron.

Die syrische Armee und Russland haben erklärt, keine Zivilisten ins Visier zu nehmen. Zudem bestritten sie den Einsatz von Fassbomben, die wegen ihrer verheerenden Sprengkraft und Splitterwirkung von den Vereinten Nationen geächtet sind.

Türkei greift weiter Kurden in Afrin an

Unterdessen setzte die Türkei ihre Angriffe auf die zum grössten Teil von der kurdischen YPG-Miliz kontrollierte nordwestsyrische Region Afrin fort. Auch die wichtigste Stadt in der Region sei dabei Ziel gewesen, teilte die Beobachtungsstelle mit. Am Mittwoch flog die türkische Luftwaffe nach Angaben der Kurdenmiliz Angriffe auf eine Stadt.

Der Bundesrat soll sich in der UNO gegen Menschenrechtsverletzungen in Syrien einsetzen. Von der Türkei unterstützte Soldaten feiern die verkündete Einnahme der syrischen Stadt Afrin. (18. März 2018)
Der Bundesrat soll sich in der UNO gegen Menschenrechtsverletzungen in Syrien einsetzen. Von der Türkei unterstützte Soldaten feiern die verkündete Einnahme der syrischen Stadt Afrin. (18. März 2018)
Aref Tammawi/EPA, Keystone
2017 war laut Unicef das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien. Allein in dieser Zeitspanne wurden 910 Mädchen und Jungen getötet und 361 weitere verwundet.
2017 war laut Unicef das schlimmste Jahr für Kinder in Syrien. Allein in dieser Zeitspanne wurden 910 Mädchen und Jungen getötet und 361 weitere verwundet.
Ammar Suleiman, AFP
Durch den Bürgerkrieg in Syrien haben mehr als 1,5 Millionen Menschen bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten. Ein Mann sitzt in Trümmern der Stadt Hamouria, die von den Rebellen gehalten wird. (9. März 2018)
Durch den Bürgerkrieg in Syrien haben mehr als 1,5 Millionen Menschen bleibende seelische oder körperliche Schäden erlitten. Ein Mann sitzt in Trümmern der Stadt Hamouria, die von den Rebellen gehalten wird. (9. März 2018)
Abdulmonam Eassa, AFP
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist ins Ausland geflüchtet oder innerhalb Syriens vertrieben worden. Ein Mann fährt durch die Stadt Hamouria in der Region Ost-Ghuta. (9. März 2018)
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist ins Ausland geflüchtet oder innerhalb Syriens vertrieben worden. Ein Mann fährt durch die Stadt Hamouria in der Region Ost-Ghuta. (9. März 2018)
Abdulmonam Eassa, AFP
Wie aus einem Unicef-Bericht hervorgeht, gibt es in Syrien 86'000 Menschen, denen als Folge des Krieges Gliedmassen amputiert werden mussten. Zerbombte Häuser in der Stadt Douma in Ost-Ghuta. (5. März 2018)
Wie aus einem Unicef-Bericht hervorgeht, gibt es in Syrien 86'000 Menschen, denen als Folge des Krieges Gliedmassen amputiert werden mussten. Zerbombte Häuser in der Stadt Douma in Ost-Ghuta. (5. März 2018)
Amer Almohibany, AFP
Ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht. Blick auf die Stadt Arbin in Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus während sie von Regierungstruppen bombardiert wird. (11. März 2018)
Ein Ende des Kriegs ist nicht in Sicht. Blick auf die Stadt Arbin in Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus während sie von Regierungstruppen bombardiert wird. (11. März 2018)
Ammar Suleiman, AFP
Ein Fahrzeug der Vereinten Nationen fährt durch Duma. (5. März 2018)
Ein Fahrzeug der Vereinten Nationen fährt durch Duma. (5. März 2018)
Amer Almohibany, AFP
Das türkische Militär beschoss das Kurdengebiet Afrin mit Artillerie.
Das türkische Militär beschoss das Kurdengebiet Afrin mit Artillerie.
Abdulmonam Eassa, AFP
Syrische Regierungskräfte waren in Afrin eingerückt.
Syrische Regierungskräfte waren in Afrin eingerückt.
George Ourfalin, AFP
Die syrischen Regierungstruppen wollen sich dem Kampf gegen die türkische Armee anschliessen.
Die syrischen Regierungstruppen wollen sich dem Kampf gegen die türkische Armee anschliessen.
Omar Haj Kadour, AFP
In Ost-Ghuta griff die syrische Armee Stellungen der Rebellen an.
In Ost-Ghuta griff die syrische Armee Stellungen der Rebellen an.
Amer Almohibany, AFP
1 / 13

Ein YPG-Vertreter und ein Kommandant der nach Afrin eingerückten regierungstreuen schiitischen Milizen wiesen türkische Darstellungen zurück, sie seien nach Angriffen der Türkei und ihrer verbündeten syrischen Rebellen auf dem Rückzug. Vielmehr habe man das Feuer gegen die von der Türkei unterstützten Rebellen erwidert. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, wiederholte die Drohung gegen Syrien wegen dessen Unterstützung der YPG, die von der Türkei als verlängerter Arm der in der Türkei verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK bekämpft wird.

Jedwede Unterstützung der «YPG-Terrororganisation bedeutet, dass sie direkt Partei für terroristische Organisationen ergreifen und daher legitime Ziele für uns werden», sagte Kalin.

(fur/chk)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch