Die Macht der verbrannten Erde

Der Kreml muss garantieren, die Bombenangriffe auf zivile Gebiete in Syrien zu stoppen. Sonst macht die Fortführung der Friedensgespräche keinen Sinn.

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Zehntausende Zivilisten in Syrien sind auf der Flucht vor dem Trommelfeuer der russischen Luftwaffe, die den Weg freibombt für eine Soldateska aus Regierungstruppen und iranischen Offizieren, die libanesische Hizbollah-Milizionäre kommandieren und schiitische Söldner aus dem Irak und Afghanistan. Zehntausende andere, in Orten wie Talbiseh nördlich von Homs oder in den Vorstädten von Damaskus, können nicht fliehen. Das Regime hat sie eingekesselt und belagert sie, zum Teil seit Jahren.

Die russischen Kampfjets werfen tückische Streubomben ab, die syrische Armee verschiesst diese grausamen Waffen mit Raketen. Die deutsche Bundeskanzlerin zeigt sich entsetzt über das Leid der Menschen durch «Bombenangriffe vorrangig von russischer Seite». US-Aussenminister John Kerry sagt, nur lamentieren werde das Bombardement nicht stoppen. Das war es dann aber schon. Man beugt sich stillschweigend und beschämt der militärischen Logik von Wladimir Putin und Bashar al-Assad.

4,6 Millionen Syrer haben ihr Heimatland schon verlassen, weitere 6,5 Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht. Das Einzige aber, was den Syrienflüchtlingen wirklich helfen würde und den Exodus der Millionen stoppen kann, ist der Schutz vor der ­unterschiedslosen Gewalt aller Konfliktparteien – vor allem aber vor der Politik der verbrannten Erde, die das Regime seit Beginn dieses Konflikts verfolgt. Alle Hilfszusagen auf Geberkonferenzen kurieren nur die Symptome, so wichtig die Unterstützung auch ist. An die Ursachen kommt so keiner heran.

Wenn sich nun also am Donnerstag in München die Aussenminister im Wiener Format treffen, muss es darum gehen, dass der Kreml Garantien gibt, die Angriffe auf zivile Gebiete zu stoppen, und seinen Protegé Assad zwingt, die Belagerungsringe für humanitäre Hilfe zu öffnen. Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch von Genf ist sonst sinnlos. Kerry hat auch gesagt, man werde bald wissen, ob Moskau an ernsthaften Friedensgesprächen interessiert sei oder nicht. Einstweilen behält er noch für sich, was Washington zu tun gedenkt, wenn die Antwort Nein lautet.

Erstellt: 09.02.2016, 22:46 Uhr

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