Zum Hauptinhalt springen

Die Nigerianer pendeln zu Fuss nach Lagos

Die Regierung hat Motorradtaxis verboten. Jobs gehen verloren, die Arbeiter kommen zu spät.

Bernd Dörries, Kapstadt
Aus Sicht der Regierung waren die Motorradtaxis eine Gefahr für Leib und Leben. Foto: George Osodi (Keystone)
Aus Sicht der Regierung waren die Motorradtaxis eine Gefahr für Leib und Leben. Foto: George Osodi (Keystone)

Als im vergangenen Jahr eine ­Liste der Städte veröffentlicht wurde, in denen die Menschen die meiste Zeit im Stau verbringen, schwankten manche Bewohner von Nigerias Metropole Lagos zwischen Verwunderung und Enttäuschung, weil ihre Stadt nicht in der Liste auftauchte. ­Lokale Medien wiesen darauf hin, dass die Bewohner von Lagos im Schnitt 1560 Stunden jährlich im Stau verbringen, weit mehr als ihre Leidensgenossen in Moskau, die mit nur 210 Stunden an der Spitze der Rangliste stehen.

Seit Anfang Februar hat sich die Lage für viele in Lagos nun nochmals verschlechtert, sie stehen zwar nicht mehr im Stau, müssen dafür aber viele Stunden zur Arbeit laufen, weil die Regierung die Nutzung von Motorradtaxis und motorisierten Drei­rädern verboten hat. Die Okada und Keke genannten Fahrzeuge waren die einzige Möglichkeit für Hunderttausende Pendler, wenigstens einigermassen pünktlich zur Arbeit zu erscheinen.

Motorradtaxis gehören in fast allen afrikanischen Ländern zum Alltag.

Aus Sicht der Regierung waren die Motorradtaxis aber eine Gefahr für Leib und Leben. Zu Zehntausenden seien die Fahrzeuge täglich ausgeschwärmt und für den Tod von 600 Menschen in den vergangenen vier Jahren verantwortlich. Damit soll nun Schluss sein. Seitdem wird in lokalen Medien über den Unmut der Pendler berichtet, Tausende Fahrer verloren ihren Job und demonstrierten.

Es ist eine einschneidende Entscheidung, Motorradtaxis gehören in fast allen afrikanischen Ländern zum Alltag. In Uganda, einem Land mit 42 Millionen Einwohnern und so gut wie keinem öffentlichen Nahverkehr, soll es 300'000 Motorradtaxis ­geben. Sie sind oft das einzige Fortbewegungsmittel – und kosten nur einige Rappen.

Der Stau ist Teil von Lagos

Die Behörden in Lagos bedauern zwar den Verlust vieler Arbeitsplätze, die Sicherheit der Passagiere habe aber Vorrang. «Wir haben unsere Fahrer sehr intensiv ausgebildet und mit einer Technologie ausgerüstet, mit der sie schlechte Strassenabschnitte vermeiden können. Unsere Unfallrate liegt unter 0,1 Prozent», sagt hingegen Fahim Saleh, der Gründer von Gokada, einer kleinen Firma, deren 2000 Motor­räder per App bestellt werden konnten.

Etwa zehn Millionen Franken hatten internationale Investoren in die Motorradtaxi-Firmen in Nigeria investiert, die nun bis zu 10'000 Fahrer entlassen mussten. Einige Unternehmen planen, in Fähren zu investieren, die in der Küstenstadt zwischen den Geschäftsvierteln auf den vorgelagerten Inseln und dem Festland operieren.

Viele Bewohner der Stadt bezweifeln, dass sich so die Verkehrsprobleme lösen lassen, eine Stadt ohne Chaos ist für sie schlicht nicht vorstellbar. In Lagos im Stau zu stehen und nigerianische Musik zu hören, sei wie «an der Ägäis ‹Homer› zu lesen», sagte der nigerianisch-amerikanische Schriftsteller Teju Cole.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch