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Die Schlepper des Todes

Italienische Ermittler haben Drahtzieher der Flüchtlingsüberfahrten im Mittelmeer identifiziert. Mitgeschnittene Telefongespräche dokumentieren Skrupellosigkeit und Zynismus der Menschenschmuggler.

«Mein Amerika habe ich in Libyen gefunden», sagte Ermias Ghermay in einem Telefongespräch. Der 38-jährige Äthiopier, der in Tripolis lebt, zeigte sich begeistert über den Gang seiner Geschäfte, die ihn zu einem sehr reichen Mann gemacht haben. Das Business von Ghermay ist, Flüchtlinge von Libyen nach Europa zu schleusen. Aufgrund von abgehörten Telefongesprächen der italienischen Polizei gilt Ghermay als einer der Chefs der Menschenschmuggler, die für die Libyen-Route verantwortlich sind, wo am letzten Wochenende schätzungsweise 800 Menschen ertranken.

Sein wichtigster Komplize in Libyen ist Yehdego Medhane, ein 34-jähriger Eritreer, der ebenfalls von Tripolis aus operiert. Seine Frau und sein Sohn leben in Schweden, wo sie als Flüchtlinge aufgenommen wurden. Wie Ghermay geht es auch Medhane finanziell sehr gut. Bei jeder Überfahrt von Flüchtlingen nach Sizilien kassiert er durchschnittlich 80'000 Dollar. «Im letzten Jahr habe ich fleissig gearbeitet. Ich habe bestimmt 7000, 8000 Personen abreisen lassen», sagte Medhane in einem Telefongespräch. Der Eritreer hat Getreue um sich geschart, die ihn respektvoll den «General» nennen. Der 34-Jährige vergleicht sich gerne mit dem einstigen Diktator Muammar al-Ghadhafi. «Ich habe einen Führungsstil wie Ghadhafi, niemand ist stärker als ich», wird er zitiert.

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