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Die Türkei ist kaum wiederzuerkennen

Wie der Putschversuch, der Ausnahmezustand und die Massenverhaftungen das Land verändert haben. Eine Zwischenbilanz.

Putschversuch mit Folgen: Am 16. Juli war es die türkische Zivilgesellschaft, die das Militär stoppte. Foto: Anadolu Agency, Getty Images
Putschversuch mit Folgen: Am 16. Juli war es die türkische Zivilgesellschaft, die das Militär stoppte. Foto: Anadolu Agency, Getty Images

Der Ausnahmezustand

Morgens um 4 Uhr auf der Küstenstrasse. Es sind nur ein paar Taxis unterwegs, als die schwarze Limousine zum Überholen ansetzt. Das Schiebedach geht auf, zwei Frauen schieben sich mit ihren Oberkörpern durch die Öffnung und schwenken rote Türkei-Fahnen. Seit dem Putschversuch feiert das Land den Kampf für die Demokratie, überall und zu jeder Zeit. Die Türkei lebt nun seit zwei Wochen unter dem Ausnahmezustand. Erdogan kann per Dekret regieren, dem Parlament muss er seine Entscheidungen lediglich im Nachhinein vorlegen. Er nutzt die neuen Befugnisse, um das Militär und den Staat umzubauen. Im Alltag spürt man noch vergleichsweise wenig von diesen grossen Umwälzungen. Das wird sich ändern, wenn die Sommer­ferien im September zu Ende gehen und die Schüler sich an neue Schulen und Lehrer gewöhnen müssen. Neu ist in dem Land ein Gefühl, das bisher nicht so stark ausgeprägt war: Misstrauen. Noch weiss niemand, wie gross die Verschwörung tatsächlich war.

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