Wenn nicht die UNO, wer sonst?

Der gewaltsame Tod von zwei Mitarbeitern rückt die Weltorganisation ins Zwielicht. Nicht nur im Kongo.

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Der Verdacht, der im Kongo von Anfang an bestand, hat sich erhärtet: Die beiden UNO-Experten, die im März 2017 in der Provinz Kasai gewaltsam zu Tode kamen, sind nicht von Rebellen ermordet worden,sondern von der Armee oder vom Geheimdienst. Das legen die Recherchen internationaler Medien nahe. Die Schwedin Zaida Catalán und der Amerikaner Michael Sharp waren in der Konfliktregion unterwegs, um die zahlreichen Massaker zu untersuchen. Dabei wurden sie in eine Falle gelockt.

Wie in jedem
Kongo-Konflikt gibt 
es auch im Kasai 
nicht Gute und Böse –
sondern nur Böse.

Offenbar handelte es sich um eine Operation unter falscher Flagge: Die Morde sollten der Miliz Kamuina-Nsapu angehängt werden, um den Einsatz der Regierungstruppen im Kasai zu rechtfertigen. Hier war und ist die Opposition gegen Präsident Joseph Kabila besonders stark und das Vorkommen von Diamanten besonders hoch. Tatsächlich haben Kamuina-Nsapu-Milizionäre – Erkennungsmerkmale: rote Stirnbänder und Enthauptungen – den Kasai terrorisiert. Ohne Einschränkung lässt sich das aber auch von den Regierungssoldaten sagen, die plündern, brandschatzen und vergewaltigen. Wie in jedem Kongo-Konflikt gibt es nicht Gute und Böse – sondern nur Böse.

Mit einem wichtigen Unterschied: Kabilas Truppen sind ein Partner der UNO, die im Kongo-Kinshasa die grösste Blauhelm-Mission betreibt. Diese Zusammenarbeit will die UNO nicht gefährden: Sie ignorierte alarmierende Hinweise, liess den lokalen Behörden deren Pseudo-Ermittlungen durchgehen, und im Untersuchungsbericht werden die Regierungstruppen kaum erwähnt. Das grenzt an Kungelei mit Kabila, einem Autokraten, der sein Land ausraubt und verarmen lässt, obwohl es steinreich wäre.

Eigentlich verfolgt die UNO hehre Ziele wie die Einhaltung des Völkerrechts oder den Schutz der Menschenrechte. Setzt sie sich jedoch nicht einmal für Gerechtigkeit ein, wenn es ums Schicksal der eigenen mutigen Mitarbeiter geht, ist das Signal fatal. António Guterres scheint es erkannt zu haben, der UNO-Generalsekretär hat neue Ermittlungen zum Mord im Kongo in Auftrag gegeben. Der Schaden aber ist angerichtet.

Erstellt: 28.11.2018, 22:20 Uhr

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