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Die vermeintliche Wunderwaffe gegen anstürmende Jihadisten

Angesichts des Vormarschs der Isis-Kämpfer im Irak schliessen die USA eine militärische Intervention nicht mehr aus. Möglich ist der Einsatz von Drohnen. Doch die Hightech-Fluggeräte haben ihre Grenzen.

Tödliche Jäger: Eine Drohne des Typs Predator über Kalifornien. (7. Januar 2012)
Tödliche Jäger: Eine Drohne des Typs Predator über Kalifornien. (7. Januar 2012)
US-Luftwaffe, Reuters
Kleinere Drohnen können von Hand gestartet werden...
Kleinere Drohnen können von Hand gestartet werden...
Vasily Fedosenko, Reuters
Die technischen Daten der Reaper-Drohne.
Die technischen Daten der Reaper-Drohne.
TA-Grafik mt
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Nach den Blitzeroberungen im Norden des Iraks marschiert die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) in Richtung Bagdad, wo die Regierung von Nouri al-Maliki einen zunehmend hilflosen Eindruck macht. Die Regierung bittet die 2011 abgezogenen Amerikaner schon seit Monaten um Unterstützung. Bisher wurden Anfragen aus Bagdad negativ beschieden. Doch angesichts des eskalierenden Konflikts hat nun in Washington ein Umdenken eingesetzt: US-Präsident Barack Obama befasst sich mit einer Bitte Iraks, die islamistischen Kämpfer mit Drohnenangriffen zu bekämpfen.

Doch die unbemannten Fluggeräte sind offensichtlich nicht so rasch einsatzbereit, wie es nun im Irak notwendig wäre. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Pentagonkreise berichtet, braucht es «höchste geheimdienstliche Fähigkeiten und Expertise», bevor Drohnen effizient eingesetzt werden können. Nötig sind zunächst zuverlässige Informationen darüber, wo sich der Gegner aufhält und am wirksamsten angegriffen werden kann. Dann müssen die Fluggeräte, die teilweise aus den USA gesteuert werden, ihrer Mission gemäss installiert werden. All dies braucht Zeit. Bis die Drohnen im Irak gegen die Isis-Rebellen effizient eingesetzt werden könnten, dauert es angesichts der akuten Krisenlage zu lange. Premier Maliki braucht rasch Hilfe.

Ethisch umstritten und kontraproduktiv

Unabhängig vom Faktor Zeit sind Drohnen aus verschiedenen Gründen sehr umstritten. Die USA halten die Hightech-Fluggeräte, die Predator oder Reaper heissen, als Mittel der modernen Kriegsführung, gerade im Kampf gegen den Terror in Afghanistan oder Pakistan. Trotz Präzisionstechnik töten Drohnen nicht nur al-Qaida-Terroristen oder Taliban-Kämpfer, sondern auch viele unschuldige Menschen. Allein in Pakistan wurden in den letzten sechs Jahren über 2000 Menschen getötet, darunter sollen Hunderte Zivilisten gewesen sein. Der Einsatz von Drohnen ist auch völkerrechtlich höchst umstritten, weil er sozusagen in einem rechtsfreien Raum erfolgt.

Ausserdem sind viele Kritiker der Ansicht, dass Drohnenangriffe politisch kontraproduktiv sind. Und dies könnte auch im Irak passieren. «Wenn sie, wie angedroht, Drohnen gegen Isis einsetzen, schaffen sie eine Situation wie im Jemen, die völlig aussichtslos ist», sagt der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Dort sei durch die Drohnenangriffe ein Opferkult entstanden und das Feindbild USA gestärkt worden. «Greifen die Amerikaner ein, werden nur die Islamisten gestärkt.»

Jihadisten rücken weiter vor

Die Isis-Rebellen sind inzwischen weiter auf die Hauptstadt Bagdad vorgerückt. In Bagdad rechnet die Bevölkerung seit Tagen mit einem Einmarsch der Islamisten. Die Strassen sind weitgehend menschenleer. Aus drei Richtungen treffen Nachrichten über ein Vordringen der Aufständischen ein – aus der Provinz Anbar im Westen, aus der Provinz Salaheddin im Norden und aus der Provinz Diala im Osten. Die Zahl der kampfbereiten Jihadisten in den Regionen nördlich von Bagdad wird auf 10'000 bis 15'000 geschätzt.

Die Regierungs- und Sicherheitstruppen zählen rund 500'000 Mann, die unter Waffen stehen. Die USA unterstützen den Irak mit 14 Milliarden US-Dollar und zusätzlicher militärischer Ausstattung – darunter Kampfjets, Helikopter und Waffen. Zudem haben das US-Militär und irakische Soldaten kürzlich ein gemeinsames Anti-Terror-Training in Jordanien begonnen. Bis Ende 2014 sind weitere Jet- und Helikopterlieferungen geplant an die irakische Armee, der bis dato eine durchschlagkräftige Luftwaffe fehlt.

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