Diese Auszeichnung war überfällig

Nadia Murad und Denis Mukwege werden für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt im Krieg geehrt.

Kämpfen auf unterschiedliche Weise, aber mit dem selben Fokus: Nadia Murad (links) und Denis Mukwege. Bild: Keystone

Kämpfen auf unterschiedliche Weise, aber mit dem selben Fokus: Nadia Murad (links) und Denis Mukwege. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die jesidische Aktivistin Nadia Murad und der kongolesische Gynäkologe Denis Mukwege kämpfen auf sehr unterschiedliche Weise und in sehr verschiedenen Weltgegenden für den Frieden. Doch ihr Fokus ist derselbe: Menschen, die sexuelle Gewalt im Krieg erleiden. Die Opfer dieser Gewalt sind stille Opfer – fast immer Frauen oder Kinder, fast immer völlig unbeteiligt an der Gewalt, die ihren Alltag ergriffen hat. Sie gehören zu den Gruppen, die Frieden am dringendsten nötig haben. Und auf die zu selten das Schlaglicht der Weltöffentlichkeit fällt.

Die Auszeichnung für Murad und Mukwege holt dies in gewisser Weise nach. Denis Mukwege, der im Ostkongo Vergewaltigungsopfer operiert und Tausende Frauen damit gerettet und ihnen wieder ein Leben in Würde ermöglicht hat, steht schon seit Jahren auf der Kandidatenliste. Das verwundert nicht. Das Problem sexueller Gewalt im Krieg ist nicht neu, auch Mukweges mutige Arbeit ist inzwischen auf der ganzen Welt bekannt.

Dass sie die Auszeichnung zusammen mit Mukwege erhält, hebt die Arbeit der beiden auf eine grundsätzliche Ebene. 

Dass Mukwege den Preis nicht allein erhält, lässt erkennen, dass man in Oslo das Thema global verstanden wissen will: als ein grausames Kriegsinstrument, das auf die Auslöschung der Opfer zielt und weltweit Konjunktur hat. Nadia Murad, eine junge Jesidin aus dem Irak, kann über diese Kriegswaffe aus der Opferperspektive erzählen. Und sie tut es, wo sie kann, so oft es geht – inzwischen als UNO-Sonderbotschafterin.

Dass sie die Auszeichnung zusammen mit Mukwege erhält, hebt die Arbeit der beiden auf eine grundsätzliche Ebene. Der Kampf gegen sexuelle Gewalt im Krieg braucht und verdient dies. Und nicht nur das: Die Aktivistin und der Arzt gehen mit ihrer Arbeit hohe persönliche Risiken ein. Mukwege erhält Morddrohungen, einen Anschlag im Jahr 2012 hat er knapp überlebt. Der Friedensnobelpreis kann für solche Menschen auch Schutz sein. Nicht zuletzt deshalb ist die Entscheidung des Osloer Komitees in diesem Jahr ein Volltreffer.

Erstellt: 05.10.2018, 20:36 Uhr

Artikel zum Thema

Sie hat die Hölle überlebt – und daraus berichtet

Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad war Geisel der Terrormiliz IS. Eine Begegnung. Mehr...

Vom IS gefangen genommen – jetzt erhält sie den Friedensnobelpreis

Die Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege und Nadia Murad werden für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt ausgezeichnet. Murad ist ein Opfer der Terrormiliz IS. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Rioja fasziniert mit neuer Vielfalt

Die Winzer aus der Region Rioja glänzen mit stetig zunehmender Finesse und Vielfalt. Neben Weissweinen sind auch Einzellagen, Orts- und Gebietsweine auf dem Vormarsch.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Blumen-Idylle: In Kathmandu, Nepal, fliegt ein Sommervogel von Blüte zu Blüte. (8. November 2019)
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...