Dörfer in Indien angegriffen – über 60 Tote

In koordinierten Attacken haben Aufständische mehrere Dörfer im Norden Indiens gestürmt und wahllos Menschen erschossen.

Mehrere Menschen wurden verletzt: Eine Frau im Spital im Bundesstaat Assam.

Mehrere Menschen wurden verletzt: Eine Frau im Spital im Bundesstaat Assam. Bild: AFP

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Eine militante Gruppe hat im tiefen indischen Dschungel zahlreiche Siedlungen angegriffen. Wahllos töteten sie mindestens 61 Ureinwohner in ihren Strohhütten. Die Armee schickte zahlreiche Truppen in die schwer zugänglichen Gebiete im Bundesstaat Assam.

Die Täter gehören nach Polizeiangaben zu einer Gruppe militanter Bodo. Teile dieser Volksgruppe kämpfen im Bundesstaat Assam für mehr Autonomie. Indiens Präsident Pranab Mukherjee erklärte, «solche terroristischen und gewalttätigen Handlungen müssen mit starker Hand unterdrückt werden».

Nach Informationen des indischen Senders NDTV kamen die Angreifer in Armeeuniformen und mit Sturmgewehren, rissen die Türen der Strohhütten auf und begannen zu schiessen. Einige Bewohner, darunter viele Frauen, seien auch aus den Hütten gezerrt und aus nächster Nähe erschossen worden.

Die Angreifer seien in mehreren koordinierten Attacken in Dörfer gestürmt und hätten die Menschen wahllos erschossen, sagte der örtliche Polizei-Generalinspektor der Nachrichtenagentur dpa. In seinem Distrikt Kokrajhar an der Grenze zu Bhutan seien bislang 25 Leichen gefunden worden.

Im benachbarten Distrikt Sonitpur starben mindestens 36 Menschen. «Die meisten davon waren Frauen und Kinder», sagte die dortige Polizeichefin. Etliche Häuser wurden niedergebrannt.

Möglicher Vergeltungsschlag

Nach Angaben des Polizei-Generalinspektors handelt es sich bei den Angreifern um Mitglieder einer Gruppe namens Nationale Demokratische Front von Bodoland (NDFB - Songbijit). Diese lehnt Friedensgespräche einiger Bodo-Gruppen mit der Regierung ab.

Der Generalinspektor geht von einem Vergeltungsschlag aus, denn die Armee sei zuletzt vermehrt gegen die NDFB vorgegangen. Die Zeitung «Times of India» berichtete, die Aufständischen könnten die Dorfbewohner verdächtigt haben, Informationen über ihre Verstecke an die Sicherheitskräfte weitergegeben zu haben.

Premierminister Narendra Modi bezeichnete das Töten im Kurznachrichtendienst Twitter als «feigen Akt». Innenminister Rajnath Singh reiste nach Assam. Die Polizei erklärte, die Sicherheitskräfte gingen im Dschungel mit Grossaufgeboten gegen die Aufständischen vor.

Grenze nach Bhutan geschlossen

Alle Überlandstrassen seien abgeriegelt. Ausserdem haben örtliche Behörden Flüchtlingscamps für diejenigen eingerichtet, die sich in ihren Häusern nicht mehr sicher fühlten. Die Grenze nach Bhutan wurde laut indischen Medien geschlossen.

Die Toten sind Angehörige der indigenen Bevölkerung, die sich in Indien als Adivasi bezeichnen. Im Nordosten des Landes leben - zwischen Bangladesh und Burma, nur durch einen dünnen Streifen mit dem Rest des Landes verbunden - zahlreiche verschiedene Adivasi-Gruppen. Sie gehören nicht zu den in Kasten organisierten Hindus, sondern leben oft in traditionellen Stammesgemeinschaften.

Im Mai hatten Bodo-Aufständische in Assam ebenfalls Dutzende Menschen erschossen. Damals waren die Opfer muslimische Dorfbewohner. In dem an der Grenze zu Bhutan und Bangladesh gelegene Bundesstaat streiten sich Bodos, andere Ureinwohner und muslimische Siedler schon seit Jahrzehnten um Land, oftmals gewaltsam. (wid/sda)

Erstellt: 24.12.2014, 10:44 Uhr

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