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Drama der Syrien-Gespräche

Bombardiertes Syrien, torpedierte Waffenruhe: Der offene Streit zwischen Russland und den USA zieht das Bürgerkriegsland weiter abwärts.

Ums Leben rennen: Ein Mann rettet ein Kind nach einem Luftschlag in Kafr Batna ausserhalb von Damaskus.
Ums Leben rennen: Ein Mann rettet ein Kind nach einem Luftschlag in Kafr Batna ausserhalb von Damaskus.
AFP

Ungeachtet der Einstellung der Syrien-Gespräche zwischen den USA und Russland wollen die Vereinten Nationen weiter nach einer politischen Lösung für das Bürgerkriegsland suchen. Die UNO würde das syrische Volk «niemals dem Schicksal eines endlosen Gewaltkonfliktes überlassen», sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura am Montagabend in Genf. Eine neue Syrien-Resolution, über die im UN-Sicherheitsrat beraten wurde, lehnte Russland bereits ab.

Nach zwei Wochen heftiger Kämpfe um die syrische Stadt Aleppo hatten die USA ihre Gespräche mit Russland über eine Feuerpause am Montag für beendet erklärt. Die Geduld mit den Russen sei «am Ende», hiess es aus dem Weissen Haus. Es gebe nichts mehr, «worüber die USA und Russland noch sprechen können», sagte der Sprecher Josh Earnest. Die US-Regierung hatte bereits seit Tagen mit einem Abbruch gedroht, sollte Russland seine Luftangriffe auf Aleppo nicht einstellen.

Kämpfer auf der Seite der Regierung inspizieren ein Gebiet im Osten Aleppos, das sie Tags zuvor eingenommen haben. (27. November 2016)
Kämpfer auf der Seite der Regierung inspizieren ein Gebiet im Osten Aleppos, das sie Tags zuvor eingenommen haben. (27. November 2016)
George Ourfalian, AFP
Von Luftangriffen zerstörte Häuser in der Nachbarschaft Al-Shaar in Aleppo, Syrien. (18. November 2016)
Von Luftangriffen zerstörte Häuser in der Nachbarschaft Al-Shaar in Aleppo, Syrien. (18. November 2016)
Thiqa News via AP, Keystone
Anwohner berichteten, sie seien noch nie zuvor so heftig bombardiert worden.
Anwohner berichteten, sie seien noch nie zuvor so heftig bombardiert worden.
Keystone
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De Mistura zeigte sich «sehr enttäuscht» über den Abbruch der Gespräche. Die UNO werde aber trotzdem weiter «mit aller Kraft auf eine politische Lösung drängen» und zudem alles versuchen, um Hilfslieferungen zu den notleidenden Menschen in dem Bürgerkriegsland zu bringen.

Die syrischen Regierungstruppen werden in ihrer Grossoffensive zur Rückeroberung Aleppos massiv von der russischen Luftwaffe unterstützt. Das US-Aussenministerium warf ihr vor, zuletzt verstärkt auch zivile Ziele wie Krankenhäuser angegriffen zu haben. Neben Aleppo wurde am Montag auch die belagerte Stadt Douma heftig bombardiert. Anwohner und Aktivisten befürchten bereits, dass die Regierungstruppen in dem Vorort von Damaskus die nächste Grossoffensive starten.

Moskau bedauerte den Abbruch der Gespräche, wies jedoch Washington die Schuld zu. Die USA hätten sich nicht an die getroffenen Vereinbarungen gehalten, sagte Aussenamtssprecherin Maria Sacharowa. Die USA und Russland hatten Anfang September eine Feuerpause für Syrien vereinbart, die jedoch nach nur einer Woche kollabiert war. Eine Serie von Gesprächen zwischen US-Aussenminister John Kerry und seinem russischen Kollegen Sergei Lawrow blieb ohne Ergebnis.

Eine Serie von Gesprächen zwischen US-Aussenminister John Kerry und seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow über eine mögliche Wiederbelebung der Feuerpause verlief ergebnislos.
Eine Serie von Gesprächen zwischen US-Aussenminister John Kerry und seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow über eine mögliche Wiederbelebung der Feuerpause verlief ergebnislos.
AP Photo/Jason DeCrow, Keystone
Suchen einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg in Syrien: John Kerry (links) und Sergei Lawrow in Genf. (10. September 2016)
Suchen einen Ausweg aus dem Bürgerkrieg in Syrien: John Kerry (links) und Sergei Lawrow in Genf. (10. September 2016)
Fabrice Coffrini, AFP
Dazu gab es Pizza. (10. September 2016)
Dazu gab es Pizza. (10. September 2016)
Kevin Lamarque, AFP
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Ein von Frankreich eingebrachter Resolutionsentwurf, über den der UN-Sicherheitsrat am Montag in New York beriet, ruft zur Wiederherstellung der Feuerpause auf und verlangt ein Verbot militärischer Flüge über Aleppo. Mit dem Text, über den das mächtigste UN-Gremium möglicherweise noch diese Woche abstimmt, soll der Druck auf Russland erhöht werden.

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin erklärte jedoch, die Resolution werde nichts bringen. Sie biete «keine Chance», ein Ende der Kämpfe zu erreichen. Auch Vize-Aussenminister Gennadi Gatilow erklärte, Moskau werde den Resolutionsentwurf nicht unterstützen. Er liess aber offen, ob Russland von seinem Veto Gebrauch machen wird, um die Resolution zu verhindern.

Die US-Streitkräfte töteten unterdessen offenbar einen Kommandeur der jihadistischen Fateh-al-Sham-Front bei einem Luftangriff. Ahmed Salama Mabruk sei in der Provinz Idlib getötet worden, teilte die frühere Al-Nusra-Front mit. Das Pentagon erklärte zunächst nur, der ägyptische Extremist sei das «Ziel» eines Angriffs gewesen. Die Ergebnisse des Luftangriffs würden noch ausgewertet.

AFP/spu

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