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Drohende Eskalation in der Sahelzone

Malische Truppen haben Tuareg-Zivilisten ins Visier genommen. Aus Libyen zurückgekehrte Kämpfer führen die grösste Offensive seit Jahren für ihre Autonomie. Über 120'000 Menschen sind auf der Flucht.

Auch der Westen ist dabei: Ein Soldat einer US-Spezialeinheit trainiert malische Soldaten für den Kampf gegen die Tuareg-Separatisten. (10. Mai 2010)
Auch der Westen ist dabei: Ein Soldat einer US-Spezialeinheit trainiert malische Soldaten für den Kampf gegen die Tuareg-Separatisten. (10. Mai 2010)
Keystone

Bei einem Luftangriff der Armee auf ein Lager der Volksgruppe der Tuareg sind im Norden Malis fast ein Dutzend Menschen verletzt worden. Ein junges Mädchen starb an ihren Verletzungen. Bei den Verwundeten handle es sich fast ausschliesslich um Frauen und Kinder, teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gestern mit.

«Wir fordern alle Konfliktparteien auf, sich mit der Anwendung von Gewalt zurückzuhalten und zwischen Konfliktteilnehmern und Zivilisten zu unterscheiden», sagte Michel Olivier Lacharité, der Programm-Manager von Ärzte ohne Grenzen für Mali. Die Helfer warnen vor einer Eskalation des sich seit Wochen intensivierenden Konflikts.

Schüsse aus dem Helikopter

Das Lager sei am Mittwoch von Schüssen aus einem Helikopter getroffen worden. Teams von Ärzte ohne Grenzen und das malische Gesundheitsministerium stellten eine Notfallversorgung zur Verfügung und überwiesen zwei der Verletzten in das Spital in Kidal. Seit dem Beginn des Konflikts zwischen den Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen, der vor rund einem Monat neu aufgeflammt war, waren etwa 20 Familien aus der Stadt Kidal im Norden des westafrikanischen Landes in das Camp geflohen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mittlerweile über 126'000 Menschen auf der Flucht. Seit Beginn der Auseinandersetzungen Mitte Januar seien 61'400 Menschen innerhalb Malis in andere Regionen geflüchtet, teilte das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) mit. 65'000 weitere hätten sich in den Nachbarländern Mauretanien, Burkina Faso, Niger und Algerien in Sicherheit gebracht. Unterdessen seien 7563 Menschen aus dem Niger, die bisher in Mali lebten, in ihre Heimat zurückgekehrt.

Schwierige Versorgung der Flüchtlinge

Die Nachbarländer und Hilfsorganisationen hätten begonnen, die Flüchtlinge mit Unterkünften, Wasser, Nahrung und Hygieneartikeln zu versorgen, erklärte OCHA in der senegalesischen Hauptstadt Dakar. «Dennoch reicht das bei Weitem nicht aus.» Viele Flüchtlinge müssten ausgerechnet in solchen Regionen versorgt werden, die ohnehin schon unter der Nahrungsmittelkrise in der Sahelzone litten.

Die für Autonomie kämpfenden Tuareg hatten Mitte Januar im Norden Malis ihre grösste Offensive seit 2009 gestartet. Verstärkung erhielten sie offenbar von zurückgekehrten Rebellen, die in Libyen für Ex-Machthaber Muammar al-Ghadhafi gekämpft hatten. Seither kamen bei Angriffen auf mehrere Städte zahlreiche Menschen ums Leben. Das Nomadenvolk der Tuareg zählt rund 1,5 Millionen Menschen, die in Algerien, Burkina Faso, Libyen, Mali und im Niger leben.

Hilfsappell der UNO

Angesichts der andauernden Kämpfe haben die Vereinten Nationen einen Hilfsappell an die internationale Gemeinschaft gerichtet. Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) rief zu Hilfen von umgerechnet rund 27 Millionen Euro auf, um den zehntausenden Flüchtlingen helfen zu können.

Gebraucht würden Notunterkünfte, Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Sanitäranlagen. Den Angaben zufolge versorgte das UNHCR bisher rund 22.000 Menschen im Niger, in Burkina Faso und Mauretanien.

SDA/ami

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