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Droht dem Irak ein neuer Bürgerkrieg?

Machtkampf in westlichen Provinz: Regierungssoldaten bekämpfen islamische Extremisten, die zwei Städte in der Region unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Diese machen derweil Werbung unter den Einwohnern.

Auslöser der Gewalt war die Räumung eines Protestlagers: Muslimische Kämpfer in der westirakischen Stadt Ramadi. (31. Dezember 2013)
Auslöser der Gewalt war die Räumung eines Protestlagers: Muslimische Kämpfer in der westirakischen Stadt Ramadi. (31. Dezember 2013)
Reuters

Im Westen des Iraks haben sich Sicherheitskräfte wieder Gefechte mit al-Qaida-Kämpfern geliefert. Die Extremisten hätten nach wie vor die Kontrolle über die Stadt Falludscha in der Provinz Anbar und über einige Viertel der Provinzhauptstadt Ramadi, erklärte ein Regierungssprecher, Dhari al-Rischawi. Die Sicherheitskräfte und verbündete Stammeskämpfer hätten ihre Kampagne gegen al-Qaida verstärkt.

Irakische Soldaten und ihre Verbündeten unter den Sunniten umstellten den Angaben zufolge Falludscha und feuerten Artillerie auf eine Stellung ab, in der bis zu 150 Extremisten stationiert waren. Soldaten seien auch nach Ramadi vorgestossen. Wie viele Menschen bei den seit Mittwoch andauernden Gefechten ums Leben kamen, war zunächst nichts bekannt.

Nach Angaben eines Milizenchefs sind aber 62 islamistische Aufständische getötet worden. Scheich Ahmed Abu Rischa von der Sahwa-Miliz sagte der Nachrichtenagentur AFP, 16 Mitglieder der Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) seien in Chaldijah getötet worden, 46 weitere in der Stadt Ramadi selbst. Unter den Getöteten sei auch der Islamisten-Chef in der Provinz Al-Anbar, Abu Abderrahman al-Bagdadi.

Hochburgen sunnitischer Extremisten

Kämpfer des al-Qaida-Ablegers Islamischer Staat im Irak und der Levante waren am Mittwoch in Falludscha und Ramadi eingefallen. Dafür nutzten sie den Umstand, dass sich irakische Soldaten auf Bitten der Sunniten in der Provinz zurückzogen.

Ein Bewohner von Falludscha berichtete am Freitag, al-Qaida-Kämpfer hätten an den Freitagsgebeten an einer Strasse der Stadt teilgenommen. Einer der Kämpfer habe die Bewohner um Unterstützung gebeten und Schutz vor Regierungstruppen angeboten. «Wir sind Eure Brüder vom Islamischen Staat im Irak und der Levante», riefen Extremisten, die in gestohlenen Polizeiwagen durch die Strassen fuhren, über Lautsprecher. «Wir sind hier, um Euch vor der Regierung zu schützen. Wir fordern Euch auf, uns zu unterstützen.»

Falludscha und Ramadi waren bereits zu Zeiten der US-Invasion im Irak Hochburgen sunnitischer Extremisten. Auch die Bevölkerung der wüstenähnlichen Provinz Anbar an der Grenze zu Syrien und Jordanien ist überwiegend sunnitisch, doch viele Stammesführer heissen al-Qaida nicht gut. Von ihnen versucht die schiitisch geführte Regierung des Iraks, ihrerseits Unterstützung zu bekommen.

Mehrere Polizisten getötet

Für die Regierung von Ministerpräsident Nuri Al-Maliki ist der Einfall der al-Qaida-Kämpfer in den beiden Städten ein herber Rückschlag. Al-Maliki versucht bisher verzweifelt, die Unzufriedenheit unter der sunnitischen Minderheit im Land gegenüber den dominierenden Schiiten einzudämmen. Sunnitische Demonstranten prangern mit ihren Protesten seit Monaten an, diskriminiert zu werden.

Nach der Räumung eines sunnitischen Protestlagers im vergangenen April nahm die Gewalt seitens sunnitischer Extremisten schlagartig zu. Seitdem kamen nach Angaben der Vereinten Nationen bei Anschlägen und Angriffen 7818 Zivilisten ums Leben. Allein im Dezember waren es 661 Zivilisten und 98 Mitglieder von Sicherheitskräften.

Schon gestern hatte es um Falludscha schwere Kämpfe gegeben. Kampfflugzeuge der Regierung nahmen Stellungen der Extremisten unter Beschuss. Heute wurden zwei Polizisten getötet und sechs weitere verletzt, als ihre Patrouille ausserhalb von Falludscha von Bewaffneten angegriffen wurde, wie aus Polizei- und Medizinerkreisen verlautete.

Zwei Vorfälle hatten den Ärger von sunnitischen Politikern und Extremisten auf Schiiten kürzlich neu geschürt: Die irakischen Behörden liessen vergangene Woche den umstrittenen sunnitischen Geistlichen Wathik al-Batat verhaften, der unter dem Verdacht des Terrorismus' steht. Zudem ordnete die Regierung an, ein sunnitisches Protestlager nach vorheriger Verständigung mit den Demonstranten aufzulösen.

AFP/AP/ajk

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