Ein geschickter Strippenzieher

Der ehemalige iranische Präsident Rafsanjani ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er war ein Freund der Reformer.

Revolutionär der ersten Stunde: Ali Akbar Rafsanjani.

Revolutionär der ersten Stunde: Ali Akbar Rafsanjani. Bild: Raheb Homavandi/Reuters

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Der Präsident soll geweint haben am Totenbett: Der Verstorbene war, trotz seiner wechselvollen und widersprüchlichen Lebensgeschichte, einer der namhaftesten Unterstützer der Reformer in der Islamischen Republik – und damit ein Hoffnungsträger. Das erklärt, weshalb der iranische Präsident Hassan Rohani Tränen in den Augen gehabt haben soll, als er ins Teheraner Märtyrer-Hospital kam, um als einer der Ersten von Ali Akbar Rafsanjani Abschied zu nehmen. Im Mai wird gewählt, Rohani will wieder antreten. Aber er wird sich ohne Ayatollah Rafsanjani, einen der geschicktesten Strippenzieher der undurchsichtigen iranischen Innenpolitik, schwertun.

Revolutionär der ersten Stunde

Rohani, der für einen vorsichtigen Reformkurs steht, muss nun ohne den bis zu seinem Tod mächtigen Politiker und schwerreichen Geschäftsmann Rafsanjani gegen die Konservativen antreten. Sie sind nicht zuletzt durch den Wahlsieg des Iran-Hassers Donald Trump ohnehin auf dem Vormarsch. Das «politische Chamäleon» Rafsanjani wäre genau der Mann gewesen, der hinter den Kulissen den Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Machtzentren der Islamischen Republik moderiert hätte.

Rohani, der für einen vorsichtigen Reformkurs steht, muss nun ohne den bis zu seinem Tod mächtigen Politiker Rafsanjani gegen die Konservativen antreten.

Der mit 82 Jahren an einem Herzschlag verstorbene schiitische Geistliche war ein Revolutionär der ersten Stunde, bevor er in den letzten Lebensjahren immer offener zu einem Unterstützer der Reformer wurde. Der Sohn eines wohlhabenden Pistazienhändlers wurde 1934 geboren. Unter dem Schah war er als islamistischer Agitator mehrfach inhaftiert und gefoltert worden. Die Revolution des Ayatollah Ruhollah Khomenei hat er mit ihren Siegen und ihren Verbrechen entscheidend mitgestaltet. Er war Innenminister, galt mit seinen Geschäftsbeziehungen als «Khomeneis Bankier», war am Ende des achtjährigen Kriegs gegen den Irak Saddam Husseins ein Jahr lang Oberbefehlshaber der iranischen Armee.

Rafsanjani hatte immer grossen, gelegentlich mässigenden Einfluss auf den allmächtigen schiitischen Oberrevolutionär Khomenei. Nach dessen Tod übernahm er das neu geschaffene Amt des Staatspräsidenten. Er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau des vom Krieg gegen den Irak zerstörten Landes und die Wirtschaftspolitik. Rafsanjani versuchte, die Beziehungen zu den beiden «Satan-Staaten, den USA und der UdSSR», zu normalisieren. Er soll aber in seiner Amtszeit auch für das Attentat auf führende kurdisch-iranische Oppositionelle in einem Restaurant in Wien mitverantwortlich gewesen sein.

Nach dem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt wechselte Rafsanjani in den Expertenrat, eines der einflussreichsten Gremien der Islamischen Republik. Später wurde er einer der mächtigsten Widersacher des Populisten-Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad und befürwortete das Atomabkommen.

Erstellt: 08.01.2017, 21:24 Uhr

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