Ein Mord, na und?

US-Präsident Donald Trump zögert damit, Saudiarabien im Fall Khashoggi zu kritisieren – und steht damit in einer langen Tradition.

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Die Herrscher von Saudiarabien tun viel dafür, um sich in Washington in ein gutes Licht zu rücken. Sie investieren in teure PR-Berater, sie spenden an einflussreiche Thinktanks, sie finanzieren üppige Konferenzen. Das Geld könnten sich die Saudis sparen. Ihr bester Lobbyist sitzt im Weissen Haus. Als Donald Trump zuletzt Fragen nach der Verantwortung Saudiarabiens für den wahrschein­lichen Mord am Journalisten Jamaal Khashoggi beantworten musste, stellte er sich vor die Kameras und wiederholte eifrig die Dementis aus Riad: Sie bestreiten es!

So war das schon beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Einmischung in die US-Wahlen? Putin sagt, er habe damit nichts zu tun, und für Trump ist das gut genug. Das Terrorregime in Nordkorea? Kein Wort dazu von Trump, seit er von Kim Jong-un schmeichelhafte Briefe erhält. Dann wird aus einem brutalen Diktator einer, dem Trump öffentlich die Liebe erklärt. Wenn er sich nur einen einzigen persönlichen Deal verspricht, wird der US-Präsident zum Pressesprecher der Autokraten dieser Welt.

Dass er das auch dann so handhabt, wenn ein verbündeter Staat einen Regimekritiker foltert und umbringt, ist ungeheuerlich. Doch was Saudiarabien betrifft, steht Trump in einer langen Tradition der US-Aussenpolitik, die gegenüber Riad Interessen über ­moralische Grundsätze stellt. Egal, ob Menschenrechtsverstösse, Beteiligung an den Anschlägen vom 11. September oder Export von islamistischem Extremismus: In Washington haben Politiker aus beiden Parteien den Saudis bisher noch jedes Verhalten verziehen.

Im Fall von Trump sind es die Waffenverkäufe, die ihn bisher von einer entschlossenen Reaktion auf das Verschwinden Khashoggis abgehalten haben – und die Tatsache, dass er seine ganze Nahostpolitik an die Saudis gekoppelt hat. Ein toter ­Journalist soll daran nichts ändern. Falls sich die USA doch noch zu einer Antwort durchringen, wird das auf den Druck aus dem Kongress und aus Trumps eigenem Kabinett zurückzuführen sein – aber nicht auf die Instinkte des Präsidenten.

Erstellt: 16.10.2018, 22:45 Uhr

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