Zum Hauptinhalt springen

Ein reicher Geschäftsmann für Libyens Zukunft

Auf Abdel Rahim al-Kib, den neuen Übergangs-Regierungschef in Libyen, wartet ein Berg von Aufgaben. Eine seiner Stärken: Mit dem Erdöl-Geschäft kennt er sich bestens aus.

kle
«Weder liberal noch islamistisch»: Abdel Rahim el Kib nach der Wahl.
«Weder liberal noch islamistisch»: Abdel Rahim el Kib nach der Wahl.
AFP

Ein Wissenschaftler soll Libyen nach dem Ende des blutigen Konflikts um das nordafrikanische Land in eine bessere Zukunft führen. Die Wahl des Nationalen Übergangsrates fiel gestern auf Abdel Rahim al-Kib, einen bislang wenig bekannten Hochschullehrer und Geschäftsmann. Er löst Mahmud Jibril ab, eines der bekanntesten Gesichter der libyschen Rebellen. Auf al-Kib wartet ein Berg von Aufgaben, insbesondere die Bildung einer Regierung und die Vorbereitung der Wahl einer verfassunggebenden Versammlung.

«Mann der Mitte»

Al-Kib sei ein «Mann der Mitte, weder liberal noch islamistisch», heisst es im Übergangsrat. Er sei «geachtet» und habe «Erfahrung», die ihm beim Wiederaufbau des Landes nützlich sein werde. Beides sind wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Mission in dem politisch zersplitterten Land, dessen Wirtschaft nach dem gewaltsamen Sturz von Ex-Machthaber Muammar al-Ghadhafi brach liegt.

Gleich nach seiner Wahl, die er im ersten Durchgang mit 26 von 51 Stimmen für sich entschied, sagte al-Kib vor Journalisten, er wolle «eine Nation bauen, die Menschenrechte respektiert» und ihre Verletzung nicht dulde. «Aber wir brauchen Zeit», ergänzte er. Al-Kib kündigte an, gemeinsam mit den Anhängern des Übergangsrates Stabilität und Entmilitarisierung voranzutreiben.

Libyen muss abrüsten

Die Abrüstung ist eine besonders wichtige Aufgabe. Die zahlreichen schwer bewaffneten Ghadhafi-Gegner müssen in eine professionelle Armee integriert werden. Hinzu kommen die jüngst entdeckten Giftgas-Bestände Ghadhafis, die unschädlich gemacht und entsorgt werden müssen.

Al-Kib war der pro-demokratischen Revolutionsbewegung in Libyen bereits kurz nach ihrem Ausbruch im Februar beigetreten. Als Akademiker und reicher Geschäftsmann unterstützte er den Nationalen Übergangsrat nicht nur finanziell, sondern auch mit seinen Erfahrungen aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Kenntnisse im Energiesektor

Geboren wurde al-Kib 1950 in Tripolis, seine angesehene Familie stammt aus Sabratha, einer Küstenstadt 70 Kilometer westlich der libyschen Hauptstadt. Als Oppositioneller verbrachte er einen Grossteil seines Lebens im Ausland. In den USA wurde er in den frühen 1980er Jahren zum Elektroingenieur ausgebildet. Später lehrte er an verschiedenen Hochschulen, unter anderem in den USA und in Tripolis. In den Vereinigten Arabischen Emiraten arbeitete er für das staatliche Ölinstitut.

Im Jahr 2005 gründete al-Kib eine eigene Firma, die Internationale Gesellschaft für Energie und Technologie in Libyen. Seine Kenntnissen im Energiesektor dürften dem Regierungschef beim Wiederaufbau der für Libyen so wichtigen Ölindustrie von Nutzen sein. Die Ölproduktion war in den vergangenen acht Monaten des bewaffneten Konflikts zusammengebrochen.

Als neuer Regierungschef muss al-Kib nun zunächst eine Übergangsregierung bilden. Nach dem Fahrplan des Übergangsrates soll dies spätestens bis zum 23. November erfolgen, genau einen Monat nach der offiziellen Befreiungserklärung Libyens. Diese Übergangsregierung soll dann die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung vorbereiten, die höchstens acht Monate später stattfinden soll. Die ersten Parlamentswahlen nach der Ära Ghadhafi sollen binnen Jahresfrist folgen.

(AFP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch