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Einstiger Verbündeter fällt Assad in den Rücken

In einem Interview hat ein syrischer Ex-Beamter Assads Regime scharf kritisiert. Die Verantwortung für die Gewalt in Syrien liege alleine bei den Sicherheitskräften. Zudem prophezeit er der Regierung den Zerfall.

Soll den Rückhalt von Ministern und Offizieren nicht mehr haben: Syriens Präsident Bashar Assad.
Soll den Rückhalt von Ministern und Offizieren nicht mehr haben: Syriens Präsident Bashar Assad.
Reuters

Das syrische Regime zeigt erste Auflösungserscheinungen. Diesen Schluss lassen Interviews zu, welche der frühere oberste Finanzkontrolleur des Ministerpräsidenten und des Verteidigungsministeriums, Mahmud al-Hadsch Hamad, gab. Arabische Fernsehsender strahlten Interviews mit dem Ex-Beamten aus, der sich nach Ägypten abgesetzt hatte. Al-Hadsch Hamad kritisierte darin das Regime von Präsident Bashar Assad massiv.

Die Verantwortung für die Gewalt gegen Demonstranten liege bei den Sicherheitskräften und zwar «konkret beim Militärgeheimdienst, bei der Direktion des Allgemeinen Geheimdienstes und beim Geheimdienst der Luftwaffe», sagte Hamad.

Minister wollen sich lossagen

Die Regierung hat nach seiner Darstellung damit nichts zu tun. Die Mitglieder des Kabinetts seien «Gefangene, die ohne Begleitung der Sicherheitskräfte keinen Schritt mehr machen dürfen», sagte Hamad.

Viele Minister wollten sich vom Regime lossagen, sie harrten aber aus, weil sie Angst hätten, dass ihren Angehörigen etwas angetan werden könnte. Das Gleiche gelte für viele führende Offiziere. Wie sich Al-Hadsch Hamad mit seiner Familie nach Kairo absetzen konnte, wurde nicht gesagt.

Staatsfernsehen: Häftlinge freigelassen

Das syrische Staatsfernsehen berichtete am Donnerstag, 552 Häftlinge seien freigelassen worden. Die Freilassung politischer Gefangener ist einer der Schlüsselpunkte im Friedensplan der Arabischen Liga.

Bereits Ende Dezember hatten die Behörden laut dem Staatsfernsehen 755 Häftlinge freigelassen, die in die Proteste gegen Assad «verwickelt» gewesen sein sollen.

Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wurden damals jedoch hunderte politische Gefangene nicht freigelassen, sondern vor den Beobachtern der Arabischen Liga versteckt.

Regimegegner berichteten, am Donnerstag hätten die Sicherheitskräfte bis zum Mittag zehn Menschen getötet. Die meisten Tote habe es in Deir as-Saur nahe der irakischen Grenze gegeben. Unter den Toten sei ein Polizist, der aus Protest gegen die Schüsse auf Demonstranten den Dienst quittiert habe.

UNO-Angaben zufolge wurden seit Beginn der Proteste gegen Assad im März mehr als 5000 Menschen getötet. Das sogenannte Koordinationskomitee der Revolution sprach am Mittwoch von 6150 Menschen, die seit Beginn des Aufstands ums Leben kamen.

SDA/kpn

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