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Empörung über Nazi-Vergleich in Israel

Ultraorthodoxe Juden demonstrieren gegen die ihrer Meinung nach einseitige Berichterstattung. Ihre Mittel des Protests lösen eine Kontroverse aus.

«Dasselbe, was in Deutschland passiert ist»: Demonstranten in Anzügen der Häftlinge aus den Konzentrationslagern. (31. Dezember 2011)
«Dasselbe, was in Deutschland passiert ist»: Demonstranten in Anzügen der Häftlinge aus den Konzentrationslagern. (31. Dezember 2011)
AFP

Etwa 1500 ultraorthodoxe Juden haben gestern im Jerusalemer Stadtteil Mea Schearim gegen eine ihrer Meinung nach feindselige Berichterstattung über sie in den Medien protestiert.

Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, trugen einige von ihnen, darunter auch Kinder, den gelben Judenstern aus der Nazizeit und Anzüge von Insassen der Konzentrationslager während des Holocaust. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht.

Teilnehmer der Demonstration verglichen Israel Medienberichten zufolge mit Nazi-Deutschland. «Was hier (in Israel) passiert, ist genau dasselbe, was in Deutschland passiert ist», zitierte die Zeitung «Jerusalem Post» einen Demonstranten. «Wir fühlen uns in Israel wie im Vorkriegsdeutschland», wurde ein anderer Mann zitiert.

«Missbrauch des Holocausts»

Mit diesem Vergleich lösten die Demonstranten empörte Reaktionen aus. Avner Schalev, Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, sagte dem israelischen Radio am Sonntag: «Dieser Missbrauch des Holocausts ist inakzeptabel und verstösst gegen grundlegende jüdische Werte.»

Schalev verurteilte das Verhalten der Demonstranten scharf. Sie verletzten die Gefühle von Holocaust-Überlebenden und das Gedenken an die Judenvernichtung.

Regierung soll sich nicht einmischen

Die Demonstranten wehrten sich auch gegen die ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Einmischung des Staates in ihren religiösen Lebensstil. Auf Transparenten stand: «Zionisten sind keine Juden», «Zionismus ist Rassismus» und «Orthodoxe Juden fordern die Anwesenheit internationaler Einheiten zu ihrem Schutz». Polizisten wurden als «Nazis» beschimpft.

Das ursprüngliche Ziel der Demonstration von Männern und Knaben in dem ultraorthodoxen Stadtteil war, gegen die Haftstrafe für ein Mitglied ihrer Gemeinschaft zu protestieren. Diesem war vorgeworfen worden, Angriffe auf einen religiösen Buchladen initiiert zu haben, der den Hardlinern im Stadtteil nicht religiös genug war.

Wie die ultraorthodoxe Nachrichtenseite «Kikar Haschabbat» berichtete, sollte der Protest aber vor allem der Verurteilung der negativen Berichterstattung in den Medien über die ultraorthodoxen Juden dienen.

Spannungen mit liberaleren Juden

Israelische Medien hatten zuletzt über Vorfälle aus der Stadt Beit Schemesch berichtet, wo es zu Zwischenfällen mit den Haredim genannten ultraorthodoxen Juden gekommen war. Dabei ging es um Vorfälle von Diskriminierung von Frauen. Die Haredim setzen sich für eine rigorose Geschlechtertrennung an öffentlichen Orten ein.

Frauen werden von diesen aufgefordert, vor den Synagogen auf die andere Strassenseite zu wechseln, in Bussen und Strassenbahnen hinten zu sitzen, sich im Supermarkt in getrennte Schlangen an der Kasse zu stellen sowie bei Wahlen verschiedene Wahlurnen zu benutzen.

Dagegen formiert sich zunehmend Widerstand in der liberalen Mehrheitsbevölkerung und sogar auch in ultraorthodoxen Kreisen.

SDA/kle

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