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Empörung über Tötung von Hamas-Kameraleuten

Journalistenorganisationen sind empört über die gezielte Tötung von zwei palästinensischen Journalisten am letzten Dienstag. Für Israel sind die beiden Terroristen – und somit legitimes Angriffsziel.

Medien als Zielscheibe: Rauchwolke nach einem israelischen Raketenangriff auf ein al-Aqsa-Mediencenter in Gaza. (18. November 2012)
Medien als Zielscheibe: Rauchwolke nach einem israelischen Raketenangriff auf ein al-Aqsa-Mediencenter in Gaza. (18. November 2012)
Keystone

Am vergangenen Dienstag tötete die israelische Armee im Gaza-Streifen mit einem gezielten Raketenangriff zwei Kameramänner des Hamas-Senders al-Aqsa TV. Der Tod von Mohammed al Kumi und Hussam Salama wirft Fragen auf: Waren die beiden ein legitimes Ziel, weil sie für eine Terrororganisation arbeiteten, oder standen sie im Gegenteil als Kriegsberichterstatter unter besonderem Schutz durch das Völkerrecht?

al-Aqsa ist das Herzstück der Hamas-Medien, die seit 2004 aus einem kleinen Radiosender entstanden. Zu Beginn der israelischen Offensive zählte der Rundfunk- und Fernsehsender etwa 400 Beschäftigte. Die al-Aqsa-Journalisten geben nicht vor, objektiv zu sein. Schon die Verwendung bestimmter Kampfbegriffe macht deutlich, dass sie in Diensten der Hamas stehen. Der Sender berichtete in der vergangenen Woche in der Regel korrekt über Opferzahlen und lässt auch einige andere Stimmen aus dem politischen Spektrum der Palästinenser zu Wort kommen. Al Kumi und Salama wurden bei der Arbeit getötet, wie ihr Sender betont. Sie seien im Schifa-Krankenhaus gewesen, erklärte al-Aqsa-TV-Chef Mohammed Thuraja. Als sie spätnachmittags aufgebrochen seien, um ihr Material zu überbringen, sei ihr Wagen beschossen worden.

«Bestandteil der Hamas-Struktur»

Die israelische Militärsprecherin Avital Leibovich sagte ohne nähere Erläuterung, die beiden seien als Agenten der Hamas ins Visier genommen worden. Regierungssprecher Mark Regev sagte, wer für Hamas-Medien arbeite, könne nicht als Journalist betrachtet werden. «Sie sind ein Bestandteil der Hamas-Struktur, diese Tatsache kann niemand bestreiten», sagte Regev. «Alle, die direkt oder indirekt daran beteiligt sind, die israelische Zivilbevölkerung anzugreifen, sollten nicht meinen, sie blieben ungestraft.»

Menschenrechts- und Journalistenorganisationen reagierten empört und verwiesen auf den besonderen Schutz von Berichterstattern im Krieg durch das Völkerrecht. «Selbst wenn al-Aqsa der Hamas nahesteht, hätten diese beiden Journalisten nicht angegriffen werden dürfen, weil sie nicht an Kampfhandlungen beteiligt waren», kritisierte Reporter ohne Grenzen. Und Human Rights Watch hob hervor: «Zivile Rundfunkeinrichtungen werden nicht schon dadurch zu erlaubten militärischen Zielen, nur weil sie Pro-Hamas- oder Anti-Israel-Propaganda verbreiten.» al-Aqsa warf Israel vor, diejenigen mundtot machen zu wollen, die das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza dokumentierten.

Zahlreiche Mitarbeiter von al-Aqsa TV begleiteten gestern den Trauerzug für Mohammed al Kumi und Hussam Salama. «Mit Blut schreiben wir. Mit Blut filmen wir. Sie werden die Wahrheit nicht zum Schweigen bringen können», stand auf dem Kranz von Hamas-Regierungschef Ismail Hanijeh zur Beerdigung der Journalisten.

Propaganda aus dem Medienbunker

In Israel verlagert sich die Propagandaschlacht mittlerweile auf eine neue Ebene. Bei den Streitkräften leitet Sprecherin Leibovich als bekennende Twitter-Süchtige den Stab «Interaktive Medien», aus dem rund 30 Soldaten Kurznachrichten feuern. Und aus dem «Medienbunker» des Regierungspresseamts heraus posten Scharen junger Freiwilliger ihre Sicht der Dinge in die Welt. «Nicht wir haben unsere Bodentruppen losgeschickt, sondern die ihre! @IsraelUnderFire», verkündeten sie etwa nach dem Anschlag auf einen Bus in Tel Aviv in sozialen Netzwerken.

«Die Leute müssen sich an die Stelle der Israelis versetzen», erklärt der 22-jährige Natan Epstein. «Und glücklicherweise brauchen wir dafür nicht mehr die Hilfe der voreingenommenen Medien.» Sie sind nicht die einzigen, die die Medien im allgemeinen für antiisraelisch und propalästinensisch halten. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu selbst stärkte ihnen diese Woche den Rücken und lobte sie für ihren Einsatz an der Front der öffentlichen Meinung: «Eure Hilfe ist mehr als Gold wert dabei, die Lügenindustrie zu widerlegen.

(dapd)

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