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«Er schien verwirrt zu sein»

Für Anhänger des Ghadhafi-Regimes ist Saif al-Islam der letzte Hoffnungsträger. Dabei soll sich der Sohn des ehemaligen Machthabers in einem psychisch labilen Zustand befinden. Nun wolle er sich gar freiwillig stellen.

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«Sie fühlen sich nicht sicher, dort wo sie sind. Und sie fühlen sich auch nicht sicher, irgendwohin zu gehen»: Saif al-Islam al-Ghadhafi.
«Sie fühlen sich nicht sicher, dort wo sie sind. Und sie fühlen sich auch nicht sicher, irgendwohin zu gehen»: Saif al-Islam al-Ghadhafi.
Reuters

Der vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchte Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Ghadhafi, Saif al-Islam, ist laut Angaben eines hochrangigen Militärs der libyschen Übergangsregierung bereit sich zu stellen. Zusammen mit dem ehemaligen Geheimdienstchef des Ghadhafi-Regimes, Abdullah al-Senussi, wolle Saif al-Islam sich dem Internationalen Gerichtshof ergeben.

Der 39-Jährige Sohn, der als Nachfolger Muammar al-Ghadhafis gehandelt wurde, sehe eine Gefängniszelle in Den Haag als sicherste Option, sagte Abdel Majid Mlegata von den Streitkräften des Übergangsrats laut Reuters. «Sie fühlen sich nicht sicher, dort wo sie sind. Und sie fühlen sich auch nicht sicher, irgendwohin zu gehen», sagt Mlegata.

In Den Haag weiss man nichts von den angeblichen Plänen Saif-al Islam al-Ghadhafis und al-Senussis, schreibt die Nachrichtenagentur weiter. Demnach konnte auch sonst niemand die Information bestätigen.

«Er schien verwirrt zu sein»

Saif al-Islam al-Ghadhafi hatte sich noch letzte Woche in Bani Walid befunden, sagte ein gefangen genommener Mitstreiter des Ghadhafi-Sohns gegenüber Reuters. Die Wüstenstadt hatte ähnlich wie die Hafenstadt Sirte lange Widerstand geleistet. «Er war nervös», erzählte al-Senussi Sharif al-Senussi, einer von Saif al-Islams Wachmännern über seinen Chef. «Er hatte ein Satellitentelefon und rief seinen Vater viele Male an.» Saif al-Islam habe seine Bodyguards immer wieder gebeten, niemandem zu sagen, wo er sich befinde. «Er hatte Angst vor Granateneinschlägen. Er schien verwirrt zu sein.»

Anhänger des Regimes setzen ihre Hoffnung unterdessen auf den einzigen Ghadhafi-Spross, der nicht tot ist oder sich im Exil befindet. Auf einer Internetseite riefen sie den «heiligen Krieger» Saif al-Islam auf, sie anzuführen. Ausserdem planten Angehörige des Warfalla-Stammes in Bani Walid einen Aufstand, wie ein Bewohner des Ortes gegenüber Reuters sagte.

Geheimdienstchef schon in Niger?

Gestern hiess es, Saif al-Islam befinde sich in der Wüste im Süden Libyens und er soll auf dem Weg nach Niger sein. Ein ranghohes Mitglied der Tuareg, Rissa ag Boula, sagte der Nachrichtenagentur AP, Saif al-Islam wolle offenbar über Algerien ins Land kommen. Er werde dabei von Tuareg geleitet, die zu den grössten Anhängern Ghadhafis zählten. «Wenn er hier ankommt, wird ihn die Regierung anerkennen. Allerdings muss die Regierung auch ihren internationalen Pflichten Rechnung tragen», erklärte Boula mit Blick auf den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs.

Der einstige Geheimdienstchef al-Senussi könnte schon in Niger sein. Ein Berater des nigrischen Präsidenten, der auch als ranghohes Mitglied der Volksgruppe gilt, erklärte am Mittwoch, al Senussi sei in einem von Fahrern der Tuareg geleiteten Konvoi ins Land gekommen. Al-Senussi verstecke sich unweit der nigrisch-algerischen Grenze, hiess es.

Bereits im September war ein weiterer Sohn des Exmachthabers, Saadi al-Ghadhafi, nach Niger geflüchtet. Die Regierung des westafrikanischen Landes hat erklärt, Mitglieder des Ghadhafi-Regimes würden ohne Garantien für ihre Sicherheit nicht an Libyen ausgeliefert.

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