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Es brodelt im Hause Ghadhafi

Die libysche Regierung ist gegen das Medienhaus des reformfreudigen Sohnes des Dikators, Saif al-Islam, vorgegangen. Muammar Ghadhafi liess die Behörden gewähren. Experten meinen den Grund dafür zu kennen.

Der Diktator und sein Sohn: Saif (links) gilt als der Liberalste in der Familie von Muammar Ghadhafi (rechts).
Der Diktator und sein Sohn: Saif (links) gilt als der Liberalste in der Familie von Muammar Ghadhafi (rechts).
Keystone

In Libyen ist ein Machtkampf im Gange, der auf Ghadhafis zweitältesten reformfreudigen Sohn Saif al-Islam abzielt. Insgesamt zwanzig Reporter, darunter zwei Ägypter und drei Tunesier, sind am letzten Freitagabend von libyschen Sicherheitskräften verhaftet worden. Das Pikante daran ist, dass alle Journalisten für die Zeitung «Oea Weekly» oder die Nachrichtenagenur «Libyapress» arbeiten, beides Produkte von Seif al-Islam Ghadafhis Medienhaus al-Ghad.

Über die Gründe der Verhaftung gibt es verschiedene Thesen. So soll das Medienhaus in einem Leitartikel der «Oea Weekly» die Rückkehr einiger geschasster Figuren der Revolution von 1969 gefordert haben, um die Korruption wirksam zu bekämpfen. Andere libysche Quellen der Nachrichtenagentur AFP vermuten, dass sich die Sicherheitsbehörde über eine Publikation der «Libyapress» geärgert habe, in der die Rückkehr und die Rehabilitation von Exilpolitikern verlangt wurde.

Muammar al-Ghadhafi blieb lange tatenlos, obwohl «Libyapress» eine offizielle Beschwerde beim Diktator eingereicht hatte. Erst drei Tage später ordnete Ghadhafi die Freilassung der Gefangenen an. «Es ist kaum zu glauben», sagt Ashour Shamis, Redaktor der Londoner Exil-Website «Akhbar-Libya», zur derzeitigen Situation gegenüber dem «Guardian». «Der Konfilkt zwischen Saif und seinen politischen Gegnern hat ein neues Niveau erreicht und der Vater scheint dabei genüsslich zuzuschauen.»

Der reformfreudige Ghadhafi

In der Vergangenheit hat sich Saif al-Islam selbst wiederholt kritisch über die libysche Politik geäussert und demokratische Reformen, sowie eine Privatisierung öffentlicher Betriebe im nordafrikanischen Land gefordert. Saif, der an der London School of Economics doktoriert hat, war zudem die treibende Kraft bei der Normalisierung der seit mehr als drei Jahrzehnten belasteten libysch-amerikanischen Beziehungen.

Die «Oea Weekly» ist das liberale Sprachrohr von Seif al-Islam, die auch so heikle Themen wie Korruption oder Menschenrechte anspricht. Der zweitälteste Sohn des Staatsführers hat zwar kein politisches Amt inne, übt aber mit seinem Medienhaus und einer Stiftung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung seinen Einfluss im Land aus.

Die Machtspiele der alten Garde

Experten beurteilen die Verhaftungswelle gegen Saifs Medienhaus als einen neuen Versuch der alten Garde, die Reformer zurückzudrängen. Laut dem «Guardian» soll Saif innerhalb des libyschen Machtapparates viele Feinde haben, die seinem Vater seit Jahrzehnten nahe stehen.

Dabei geht es auch um die Positionierung eines möglichen Nachfolgers des Diktators. Saif al-Islam wird immer wieder als potenzieller Erbe seines Vaters angesehen. Doch die alte Garde würde lieber Mu'tasim, den viertgeborenen an der künftigen Spitze sehen. Als ranghohes Militärmitglied und Berater des nationalen Sicherheitsapparates soll Mu'tasim in letzter Zeit stark an Profil gewonnen haben.

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