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Exodus aus dem IS-Kalifat

Ausländische Kämpfer des IS flüchten in zunehmender Zahl aus Raqqa in Syrien. Das nahende Ende des Kalifats birgt aber Gefahren.

Das Kalifat verliert immer mehr Gebiete: IS-Anhänger in Raqqa, der Noch-Hochburg der Jihadisten.
Das Kalifat verliert immer mehr Gebiete: IS-Anhänger in Raqqa, der Noch-Hochburg der Jihadisten.
Reuters

Im Krieg gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien beginnt bald die entscheidende Schlacht um Raqqa. Eine von den USA unterstützte kurdisch-arabische Allianz hat die syrische Hauptstadt des selbst ernannten Kalifats weitgehend eingekesselt. Raqqa ist seit 2014 unter Kontrolle des IS, dessen Herrschaftsgebiet kontinuierlich schrumpft. Im benachbarten Irak ist eine Anti-IS-Koalition auf gutem Wege, die Jihadisten-Hochburg Mosul zu befreien.

Der Zerfall des Kalifats auch in Syrien hat offensichtlich einen Exodus von ausländischen IS-Kämpfern und -Sympathisanten ausgelöst, wie die britische Zeitung «The Guardian» berichtet. Immer mehr Kämpfer flüchteten aus Raqqa und versuchten, in die Türkei einzureisen.

Druck auf IS bedeutet Terrorgefahr für Europa

Unter den Flüchtenden befinden sich nicht nur desillusionierte IS-Angehörige, sondern auch weiterhin hoch motivierte Kämpfer, die über die Türkei nach Europa reisen wollen, um dort Terroranschläge auszuüben. Experten warnen schon seit einiger Zeit vor diesem Szenario. «Europa muss wachsam sein», sagt Shiraz Maher, Forscher beim International Centre for the Study of Radicalisation am King’s College in London. «Mit dem zunehmenden Druck auf den IS steigt die Terrorbedrohung in Europa.»

Szenen aus dem Alltag in der IS-Hochburg Raqqa aus dem Jahr 2014. (Video: Youtube/WSJ)

Von den schätzungsweise 10'000 Auslandskämpfern des IS stammen 1700 bis 2000 aus Westeuropa. Rund 1500 europäische IS-Kämpfer sind bereits zurückgekehrt. Nach dem Ende des IS-Kalifats werden allerdings nicht sämtliche Kämpfer aus Europa auf einen Schlag zurückkehren. Sie werden sich zunächst in die Türkei absetzen. Später werden diese Leute entweder nach Westeuropa zurückkehren, in der Türkei bleiben oder in einem anderen Konflikt auf der Seite von anderen Islamisten kämpfen.

Ende des Kalifats ist nicht das Ende des IS

Vor der finalen Offensive der von Kurden dominierten Anti-IS-Koalition auf Raqqa sollen sich hochrangige Vertreter des selbst ernannten Kalifats in Richtung Deir-Ez-Zor abgesetzt haben, wie mehrere Medien berichten. Die von den IS-Jihadisten belagerte Stadt Deir-Ez-Zor befindet sich etwa 140 Kilometer südöstlich von Raqqa.

Wenn der IS seine Hochburgen Raqqa und Mosul verliert, wird das Kalifat zusammenbrechen. Danach wird sich der harte Kern des IS – nach Einschätzung des Londoner Experten Shiraz Maher – in die Wüste zurückziehen, um sich auf die nächste Phase seines Kriegs vorzubereiten. Sobald das Kalifat verschwinde, würden sich die Jihadisten mit lokalen Aufständen bemerkbar machen.

Ein Ende des Kalifats als Herrschaftsgebiet bedeutet also nicht zwingend ein Ende des IS und anderer Jihadisten. Vor 2010 war die Organisation, die als Islamischer Staat bekannt werden sollte, schon einmal im Irak vernichtet worden und später wiederauferstanden.

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