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Explosionen zur Gebetszeit – 29 Tote im Libanon

Bei zwei Bombenanschlägen in der libanesischen Stadt Tripoli sind 29 Menschen ums Leben gekommen, 350 weitere wurden verletzt.

Die Anschläge galten Moscheen: Ein brennendes Auto in Tripoli.
Die Anschläge galten Moscheen: Ein brennendes Auto in Tripoli.
Reuters

Bei zwei Autobombenanschlägen in der libanesischen Stadt Tripoli sind mindestens 29 Menschen getötet worden. Mehr als 350 weitere wurden bei den Explosionen am Freitag verletzt, wie das Gesundheitsministerium berichtete. Ziele waren zwei sunnitische Moscheen. Die Detonationen ereigneten sich zur Gebetszeit im Abstand von nur fünf Minuten.

Zuletzt hatten sich Autobombenanschläge vor allem gegen Schiiten gerichtet. So waren bei einem Anschlag vergangene Woche auf eine Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz in Beirut ebenfalls 29 Menschen getötet und weitere 300 verletzt worden.

Anschlag auf Moschee

Die Hizbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg offen an der Seite der Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad. In Tripoli leben überwiegend Sunniten.

Die erste Bombe ging vor der Takwa-Moschee hoch, dem Sitz von Scheik Salem Rafei. Der salafistische Imam ist als Kritiker der schiitischen Hisbollah-Miliz bekannt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur wurde er nicht verletzt. Die zweite Detonation ereignete sich im Stadtteil Mina, fünf Meter vom Eingang der Salam-Moschee entfernt. Auch der dortige Imam ist als erbitterter Gegner der Hizbollah und der syrischen Regierung bekannt.

Die Hizbollah verurteilte die Bluttaten und sprach den «Brüdern» in Tripoli ihr Beileid aus.

UNO verurteilt Anschläge

Der UNO-Sicherheitsrat hat die Autobombenanschläge in der nordlibanesischen Stadt Tripoli scharf verurteilt. In einer einstimmig verabschiedeten Erklärung bezeichneten die 15 Mitgliedsländer des höchsten UNO-Gremiums die blutigen Attacken am Freitag als «Terrorakte».

Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der Sicherheitsrat appellierte an alle politischen Kräfte in dem Land, sich nicht in den Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien hineinziehen zu lassen.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon Ban verurteilte die Anschläge «scharf». Er rief alle Libanesen auf, «Zurückhaltung zu zeigen, vereint zu bleiben und den Staatsinstitutionen, insbesondere den Sicherheitskräften, zu helfen, Ruhe und Ordnung in Tripoli und im ganzen Land zu wahren».

Eine terroristische Stellung

Nach einem Raketenbeschuss aus dem Libanon nahmen israelische Kampfflugzeuge ein Ziel südlich der Hauptstadt Beirut unter Beschuss. Der Luftangriff am Freitag habe einer «terroristischen Stellung zwischen Beirut und Sidon» gegolten und sei eine Reaktion auf die Raketenangriffe auf Nordisrael am Donnerstag, teilte das Militär mit. Es war der erste israelische Luftangriff auf den Libanon seit 2006.

Rames Mustafa, ein Vertreter der Volksfront zur Befreiung Palästinas, sagte, eine israelische Rakete sei gegen 04.00 Uhr morgens in der Küstenstadt Naame 16 Kilometer südlich von Beirut eingeschlagen. Es habe keine Opfer gegeben.

Am Donnerstag waren vier Raketen aus Libanon auf Israel abgefeuert worden. Drei schlugen in Israel ein, eine wurde abgefangen. Niemand wurde verletzt. Die israelischen Streitkräfte sprachen von einem «isolierten Zwischenfall». Zu dem Anschlag bekannten sich Abdullah-Assam-Brigaden, eine im Libanon ansässige und dem Terrornetzwerk al-Qaida nahe stehende Gruppe.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu teilte in einer Videobotschaft mit, das Militär handle an allen Fronten, im Norden und im Süden, um die Bürger zu schützen. «Wir handeln verantwortlich», sagte er. Doch müsse klar sein: Wer Israel verletze, werde selbst verletzt.

AFP/sda/wid/mw/chk

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