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Ex-Präsident mischt die Karten neu

In letzter Minute kommt doch noch Spannung in die Präsidentenwahl im Iran: Ex-Präsident Rafsanjani stiehlt mit seiner Kandidatur allen anderen Bewerbern die Show.

Er will es noch einmal wissen: Der frühere iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani. (11. Mai 2013)
Er will es noch einmal wissen: Der frühere iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani. (11. Mai 2013)
Keystone

Mehr als 450 Kandidaten haben sich für die Präsidentschaftswahl am 14. Juni im Iran beworben. Ex-Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani reichte kurz vor Ablauf der Anmeldefrist seine Bewerbung ein.

Die Kandidatur des charismatischen Klerikers könnte den bislang spannungsarmen Wahlkampf auf den Kopf stellen. Der einstige Architekt der islamischen Republik war in den vergangenen vier Jahren de facto zum Oppositionsführer geworden, vor allem wegen seiner harschen Kritik an Präsident Mahmud Ahmadinejads Politik. Viele Menschen hoffen, er könne das Land nach acht Jahren Ahmadinejad aus der Krise führen.

Der erwartete Dreikampf zwischen Konservativen, Reformern und dem Lager Ahmadinejads könnte mit Rafsandschanis Bewerbung eine neue Dimension erhalten. Die Kandidaten der Reformer hatten schon zuvor bekannt gegeben, dass sie zugunsten Rafsandschanis zurücktreten würden.

Zweikampf erwartet

Auch im konservativen Lager gibt es viele Kandidaten, die einst politische Schützlinge Rafsandschanis waren und deren Rücktritt nicht auszuschliessen ist. Dementsprechend gibt es wohl, wie schon 2005, einen Zweikampf zwischen Rafsanjani und Ahmadinejad – diesmal aber ohne den Präsidenten selbst. Er darf laut Verfassung nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten.

Unter den Bewerbern sind auch 30 Frauen. Der Wächterrat überprüft laut Verfassung jeden der mehr als 450 Kandidaten auf ideologische Qualifikation, Loyalität zum System und akademische Bildung. Erst nach Bestätigung des Wächterrats, voraussichtlich gegen Ende des Monats, kann der Wahlkampf offiziell beginnen.

Laut Wahlgesetz kann sich jeder Iraner bewerben, der die drei Bedingungen erfüllt. Mehr als 90 Prozent sind daher Kandidaten ohne jeglichen politischen Hintergrund. Der Wächterrat wird sie von der Liste streichen. Beobachter rechnen am Ende mit etwa 30 Kandidaten.

«Maschaei ist Ahmadinejad»

Vor Rafsandschanis Bewerbung hatte es keine Überraschungen gegeben. Vom konservativen Lager bewarben sich Ex-Aussenminister Ali Akbar Welajati und der Teheraner Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf.

Welajati galt bis dahin als einer der Topfavoriten. Als Berater des obersten Führers, Ali Khamenei, hat er sehr gute Chancen, Nachfolger Ahmadinejads zu werden. Er kritisiert dessen Atompolitik und bezeichnet den Atomstreit als lösbar.

Aus Ahmadinejads Lager kam dessen Vertrauensmann Esfandiar Rahim Maschaei. Hand in Hand mit dem Präsidenten zeigte er sich bei seiner Registrierung siegessicher: «Ich verfolge exakt die gleiche Politik wie Ahmadinejad.»

Der Präsident fügte hinzu: «Maschaei ist Ahmadinejad, Ahmadinejad ist Maschaei.» Aus dem Reformlager bewarben sich der frühere Atomchefunterhändler Hassan Ruhani und Ex-Vizepräsident Mohammed Resa Aref.

SDA/rbi

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