Fake News in Afrika

Afrika holt beim Ausbau von Internet und Mobilfunk rapide auf. Parallel dazu werden soziale Medien immer öfter für politische Manipulation missbraucht.

In Kenia sind soziale Medien für die Hälfte der Menschen die wichtigste Nachrichtenquelle. Foto: Yasuyoshi Chiba (AFP)

In Kenia sind soziale Medien für die Hälfte der Menschen die wichtigste Nachrichtenquelle. Foto: Yasuyoshi Chiba (AFP)

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Soziale Medien für politische Zwecke zu nutzen, gehört längst zum Alltag. Immer stärker nimmt allerdings auch der Missbrauch von Twitter, Facebook, Whatsapp oder Wechat zu. In 48 Ländern hat das Forschungsprojekt zur computerbasierten Propaganda an der Universität Oxford massive Manipulationsversuche dokumentiert. «Mächtige politische Akteure nutzen soziale Medien immer intensiver, um Zustimmung zu konstruieren, die öffentliche Meinung zu manipulieren und demokratische Prozesse zu untergraben», heisst es im jüngsten Bericht der Forscher. Sie sehen darin weltweit eine «kritische Bedrohung des öffentlichen Lebens».

In Afrika mögen Internet, Mobilfunk und Smartphones noch nicht so weit verbreitet sein wie in Asien. Aber der Kontinent holt rasant auf – und afrikanische Politiker haben die neuen Möglichkeiten längst entdeckt. Die Versuche, über soziale Medien die öffentliche Meinung zu beeinflussen, nehmen zu.

Die Oxford-Forscher haben in Ägypten, Angola, Kenia, Nigeria, Südafrika und Zimbabwe gross angelegte Kampagnen untersucht, mit denen Fake News verbreitet, politische Gegner diffamiert, Unruhe gestiftet oder Unterstützung simuliert wurde. Etwa in Kenia: Dort haben mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Mobiltelefonen, für etwa die Hälfte der Menschen sind soziale Medien die wichtigste Nachrichtenquelle.

Kampagnen untergraben fragile Demokratien

In dem ostafrikanischen Land tritt ein alter Bekannter in Erscheinung: Cambridge Analytica, jenes Unternehmen, das global berüchtigt wurde (und in Konkurs ging), weil es die US-Präsidentschaftswahlen 2016 durch den Missbrauch von Facebook-Daten beeinflusst haben soll. In Kenia, prahlte die Firma, habe sie 2017 den gesamten Wahlkampf von Präsident Uhuru Kenyatta gesteuert. Dazu gehörten fingierte Accounts in den sozialen Medien und die Manipulation von Suchergebnissen auf Google.

In Südafrika haben Fake News, massenhaft verbreitet von automatisierten Twitter-Accounts und gesteuert von einem britischen PR-Unternehmen, Spannungen zwischen Schwarzen und Weissen geschürt.

Solche Kampagnen untergraben ohnehin fragile demokratische Strukturen. Der gerade veröffentlichte Jahresbericht der Mo-Ibrahim-Stiftung zur afrikanischen Regierungsführung warnt, dass 70 Prozent der Afrikaner in Ländern leben, in denen politische Freiheiten in den letzten zehn Jahren weiter eingeschränkt wurden. Die Qualität der Regierungen wird mit durchschnittlich 49,9 Prozent bewertet. Damit hat sich die Lage nach Ansicht der Stiftung seit 2009 nur marginal verbessert.

«Es geht nicht schnell genug, um die wachsenden Erwartungen der jungen Afrikaner zu erfüllen.»Mo Ibrahim, Milliardär

Finanziert wird die Stiftung vom britisch-sudanesischen Milliardär Mo Ibrahim. Er schreibt, dass einige positive Trends in Afrika, etwa in der Wirtschaft, durch das Bevölkerungswachstum zunichtegemacht werden: «Es geht nicht schnell genug, um die wachsenden Erwartungen der jungen Afrikaner zu erfüllen, die auf dem Kontinent in der Mehrheit sind.»

Genau diese Jugend ist es, deren Hunger auf moderne Technologie die Verbreitung der sozialen Medien vorantreibt – und die zum Ziel von Twitterbots und Hetzkampagnen wird. Bei wachsenden gesellschaftlichen Spannungen bieten sich die sozialen Medien zwar auch als Plattform für Widerstand an. Aber das wissen auch die Machthaber.

Erstellt: 31.10.2018, 20:39 Uhr

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