Frankreichs Anti-Terror-Operation in Mali

Gilt der Angriff auf das Hotel in Bamako vor allem Frankreich? Seine Armee kämpft in Afrika schon lange gegen Jihadisten – ein schwieriges Unterfangen.

Terrorbekämpfung in der Sahelzone: Ein französischer Soldat im Kriegseinsatz in Mali.

Terrorbekämpfung in der Sahelzone: Ein französischer Soldat im Kriegseinsatz in Mali. Bild: Keystone

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Im Hotel in der malischen Hauptstadt Bamako, das von Jihadisten angegriffen wurde, logieren mehrheitlich Leute aus dem Westen, hauptsächlich Franzosen. Das ist kaum ein Zufall: Der Terrorakt dürfte sich gezielt gegen Frankreich richten. Denn die frühere Kolonialmacht ist verhasst in Mali und in der Sahelzone. Schon länger sind die Franzosen im Kampf gegen Jihadisten in dieser Region präsent.

2012 hatten Islamisten den Norden Malis unter Kontrolle gebracht und waren nach Süden vorgestossen. Daraufhin griff die ehemalige Kolonialmacht Frankreich ein und vertrieb die Extremisten. Im Norden des Landes blieben diese aber weiter aktiv und verübten auch immer wieder Anschläge. Um die Lage in Mali und seinen Nachbarstaaten in den Griff zu bekommen, startete die französische Armee 2014 die langfristige Anti-Terror-Operation Barkhane. Sie konzentriert sich auf die Sahelzone, das Gebiet zwischen der Sahara im Norden und der fruchtbareren Savanne im Süden (siehe Karte). 3500 Soldaten hat Frankreich dafür unter anderem in Mali und im Tschad postiert.

Illegale Handelsströme aufdecken

Wie eine Reportage des französischen Magazins «Le Point» zeigt, ist es eine neue Form von Krieg, mit der sich Frankreich in Afrika konfrontiert sieht. Die Soldaten haben es nicht mit einer grossen, aber zugleich greifbaren Armee zu tun, sondern mit einer Vielzahl von jihadistischen Gruppen, zum Beispiel der al-Quaida im Magreb. Es handelt sich um einen weit zerstreuten Feind, der in lockeren Netzwerken organisiert ist. Ein solcher Feind ist schwierig auszumerzen. Wie beim IS in Syrien muss man seine Finanzströme aufdecken und versuchen, seine Nachschublieferungen zu unterbinden.

Die Sahelzone ist ein Gebiet mit wichtigen Handelsrouten – und ein Umschlagplatz für illegale Güter. Aus westafrikanischen Staaten wie Guinea wird Kokain auf seinem Weg nach Europa durch die Sahelzone bis nach Libyen geschleust. Es kommt ursprünglich aus Südamerika. Bei der grössten Beschlagnahmung durch französische Soldaten wurden zudem 1,4 Tonnen Hasch und Cannabisharz sichergestellt. Jihadisten-Gruppen schmuggeln es auf einer zweiten Route von Marokko durch Mauretanien und vorbei an Algerien in die Sahelzone, damit es schliesslich ebenfalls nach Libyen gelangt. Von dort aus finden wiederum Waffen Absatz in den Süden nach Mali, Niger, den Tschad oder in den Nordosten Nigerias, wo die Terrormiliz Boko Haram Schrecken verbreitet. Von den illegalen Geschäften in der Region profitieren also gerade auch Terroristen.

Drogen

Waffen

Einflusszone Boko Haram

Operation «Barkhane»

Die französische Armee hat deshalb Kontrollpunkte an besonders stark frequentierten oder strategischen Orten eingerichtet. Neben den grossen Stützpunkten in N’Djamena (Tschad), Niamey (Niger) und Gao (Mali) kontrolliert sie auch auf den Pässen Anaï zwischen Libyen und Algerien, Tazerzait zwischen Niger und Mali, Adrar Bous zwischen Algerien und Niger, Salvador an der Schnittstelle der drei Länder Algerien, Libyen und Niger, Toumo zwischen Libyen und Niger sowie Korizo zwischen dem Tschad und Niger (siehe Karte). Zusätzlich fliegen Überwachungsflugzeuge und Drohnen über diesen strategischen Zonen. Dennoch ist die Kontrolle über das riesige Gebiet sehr schwierig.

Überschaubarer Erfolg

Laut Julien Brachet, einem Migrationsexperten, der auf die Mobilität im Raum Sahara spezialisiert ist, hat die Präsenz der Franzosen die Lage vor Ort verändert. So sei es heute nicht mehr so einfach möglich, Drogen durch die Wüste zu schmuggeln, sagte er zu «Le Point». Andererseits, so Brachet, habe die durch die Kontrollen verursachte Verlangsamung des traditionellen Handels von Mehl, Öl oder Tomatenmark auch negative Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Frankreich will mit seiner Barkhane-Operation verhindern, dass in der Sahelzone ein weiteres Jemen entsteht, wo sich der Terrorismus ausgebreitet hat, oder ein weiteres Somalia, vor dessen Küste immer wieder französische Schiffe von Piraten gekapert wurden. Der Erfolg der Einsätze ist allerdings überschaubar: «Le Point» bilanzierte diesen Sommer, dass in über einem Jahr lediglich 62 Mitglieder bewaffneter Terroristengruppen gefangen genommen und 66 getötet werden konnten. Zudem wurden 200 Tonnen Waffen und Munition beschlagnahmt und vernichtet.

Erstellt: 20.11.2015, 15:05 Uhr

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