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Er ist der neue Star im Vatikan

Der charismatische Streetworker Gonzalo Aemilius wird neuer Privatsekretär von Papst Franziskus. Der Uruguayer mag Rock ’n’ Roll und benutzt Twitter.

«Das schöne neue Gesicht» des Vatikans: Gonzalo Aemilius.
«Das schöne neue Gesicht» des Vatikans: Gonzalo Aemilius.

Frische Gesichter fallen hier besonders auf, denn alte Männer dominieren die Kurie, die Leitung und Verwaltung der römisch-katholischen Kirche. Das Schicksal von Newcomern am Heiligen Stuhl ist durchaus vergleichbar mit hiesigen «Tagesschau»-Sprecherinnen: Ab einem gewissen Alter verschwinden sie hinter den Kulissen, um Jüngeren Platz zu machen.

Im Vatikan sind die Aushängeschilder männlich. Das bekannteste von ihnen, Georg Gänswein, früher auch «George Clooney des Vatikans» genannt, muss jetzt mit 63 Jahren dem 40-jährigen Gonzalo Aemilius aus Montevideo weichen. Bereits nennen verschiedene Medien den neuen Privatsekretär von Papst Franziskus «das schöne neue Gesicht» oder den «neuen Star» des Vatikans.

Aemilius übernimmt aber nicht etwa «Don Giorgios» kirchenamtliche Funktion. Als Präfekt des päpstlichen Hauses trat Erzbischof Gänswein bei Empfängen von Präsidenten und gekrönten Häuptern öffentlich in Erscheinung. Weil er zugleich Privatsekretär von Alt-Papst Benedikt ist und dessen Interessen allzu offensiv vertritt, stufte ihn Franziskus jetzt im Zuge einer «üblichen Umverteilung» zurück. Nebenbei bemerkt: Der junge Gänswein hatte 2003 den damals 56-jährigen Bischof Josef Clemens abgelöst – deutsch und blond wie er und von 1984 an Privatsekretär von Kardinal Ratzinger.

Er selber will die junge Generation verkörpern. In seinen Messen integriert er uruguayischen Rock.

Von Franziskus ist nicht bekannt, dass er empfänglich wäre für die Reize seiner männlichen Entourage. Mit Aemilius hat er einen Gleichgesinnten in das Vertrauensamt gehievt. Schon 2006 als Erzbischof von Buenos Aires wurde er auf den jungen Priester aufmerksam, der in einem Problemviertel von Montevideo als Streetworker mit jungen Obdachlosen und Drogensüchtigen arbeitete. Aemilius beeindruckt den Pontifex auch mit seiner Bekehrung.

Der Mann aus Montevideo stammt aus einer wohlhabenden, nicht gläubigen Familie – mit einer jüdischen Grossmutter. Als Jugendlicher trug er lange Haare, liebte Fussball, Rock ’n’ Roll und die Mädchen. Was zu seiner Bekehrung geführt hat, ist sein wohlgehütetes Geheimnis. Mit elf Jahren liess er sich taufen, mit 18 entschied er sich für das Priestertum, mit 25 wurde er zum Priester geweiht. Schon ein Jahr zuvor hatte ihn der Erzbischof von Montevideo mit der Leitung des «Liceo Jubilar Juan Paolo II» betraut. Es beherbergt 200 Kinder im Alter von 12 bis 15 Jahren, die sonst auf der Strasse gelandet wären. Der charismatische Schulleiter machte sich einen Namen und wurde zum Vorbild vieler Jugendlicher.

Er selber will die junge Generation verkörpern: «Ich bin ein Priester, der Rock ’n’ Roll mag, der im Stadion schreit und Twitter benutzt.» In seinen Messen integriert er uruguayischen Rock. Voller Bewunderung beobachtete er Erzbischof Jorge Mario Bergoglio im benachbarten Buenos Aires: «Ich war tief gefesselt vom pastoralen Stil des argentinischen Erzbischofs. Sein Kirchenverständnis begeisterte mich so sehr, dass er zum Leuchtturm meines künftigen Lebens wurde.» Inzwischen hat Gonzalo Aemilius in Rom Theologie und Pädagogik studiert und arbeitet schon länger für Franziskus. Jetzt hat der argentinische Papst seinen eigenen schönen Schatten.

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